Archive for August, 2010

30.08.2010 von Helmut Höge
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Kohäsion/Wir-Gefühle

von Helmut Höge

Das traditionelle Wir-Gefühl anrühren…

Am kommenden Wochenende diskutieren einige Berliner Kollektive über das Kollektive, d.h. über das Wir – ob es der Menschenliebe dienlich ist. Und zwar in der “Meuterei” (Reichenberger Str. 58) und im “about blank” (Markgrafendamm 24c), mit dem üblichen Drumherum: laute Musik und alkoholhaltige Erfrischungsgetränke.

Für Sigmund Freud war die Liebe ambivalent. Zunächst begriff er die erfüllte Liebesbeziehung als ein “wirkungsvolles Mittel gegen das Unbehagen in der Kultur”, da nur ein solches Wir imstande sei, ein ozeanisches Gefühl befriedigten Narzißmus hervorzurufen. Weil jedoch nichts verletzender ist als der Bruch einer Liebesbeziehung, nahm er wieder Abstand von dieser schönen Vorstellung – und damit auch vom “ozeanischen Gefühl” als etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. An die Stelle der ambivalenten Verschmelzung zum Wir trat die öde Balance des Ichs – zwischen Nähe und Distanz.

Ähnlich diskutiert der somalische Schriftsteller Nuruddin Farah noch heute dieses Problem: In… weiter lesen

20.08.2010 von Helmut Höge
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Kunst & Avantgarde

von Helmut Höge

Einfach- oder Urpoller? fragte sich der Photograph Peter Grosse hierbei.

Genaugenommen geht es um Kunstkuratorinnen, die längst die Kunstpädagogin früherer Zeiten, die primär ihrem Künstlerfreund zuliebe eine Galerie eröffnete, abgelöst haben. Wir haben es hier und heute mit einem ganzen postmodernen “Netzwerk” zu tun. Und darin werden inzwischen so gut wie alle Künste – bis hin zu Strand-, Stadteil- und Straßenfesten – verhandelt.

Kürzlich fragte ich die Ethnologin und FAZ-Polenautorin Stefanie Peter: Was sie von dem neuen Kuratorinnen-Phänomen, man könnte schon fast von einer -Bewegung sprechen, halte? Sie arbeitete bereits etliche Male als eine temporär beschäftigte Kuratorin.  Für die von ihr bisher kuratierten deutsch-polnischen Kunstprojekte bekam sie vor einiger Zeit sogar einen polnischen Verdienstorden. Und das ist ja nicht wenig. Ich ahnte jedoch bereits, was sie antworten würde. Dass sie davon nicht viel hält. Von diesem komischen Job. Sie hätte jetzt langsam genug Künstler bzw. Kunstprojekte kuratiert. Und als… weiter lesen

13.08.2010 von Helmut Höge
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Regionalkrimis (11): Achsen* des Bösen

von Helmut Höge

Theodor W. Adorno riet seinen Frankfurter Studenten, den “bösen Blick”  zu entwickeln. Rückblickend merkt dazu sein ehemaliger Student, der jetzige Marxismusforscher  Helmut Reichelt,  an, sie sollten sich damit  “für die Erfahrung von Gesellschaft sensibilisieren und dann das Erfahrene theoretisch verarbeiten, wie umgekehrt die Sensibilität für Erfahrung durch Aneignung kritischer Theorie schärfen. Nur so könne man dem Positivismus entkommen”

Der Positivismus, das habe ich noch von Adornos Assistent  gelernt, ist etwas ganz besonders Verabscheuungswürdiges. Adorno hat in den Sechzigerjahren einen ganzen “Streit” darüber vom Zaun gebrochen: den sogenannten “Positivismusstreit”, den man laut Wikipedia auch “Zweiten Methodenstreit” nennt. Er begann zwischen Popper und Adorno: “Kritischer Rationalismus” versus “psychoanalytisch angereichertem  Marxismus”. Poppers  “offene Gesellschaft” wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion von seinem Schüler George Soros versuchsweise in Osteuropa durchgesetzt. Mit viel Geld aus Spekulationsgewinnen. Ironischerweise schätzte Adorno – gegen die (US-)Rationalisten – die (Erkenntnis-)Gewinne aus der “spekulativen Philosophie” Europas hoch.

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06.08.2010 von Helmut Höge
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Kulturgut Kartoffel

von Helmut Höge

Kartoffel. Photo: hausgarten.net

Die zwei Betreiber des nomadischen “Urban-Garden” am Kreuzberger Moritzplatz: “Prinzessinnengarten” behaupten: “Wir sind eigentlich keine Gärtner, sondern Kuratoren.” Und tatsächlich finden sich dort immer mehr Leute ein, die sich gelegentlich oder täglich um den Garten kümmern (lat. curare). Es finden Gartenkonzerte, Gartentafeln und Workshops statt, ein Imker stellte vier  Bienenvölker dort ab, eine Uni-Initiative zeigte Filme über Stadtgärten und Stadthonig in Amerika und Südafrika. Die dänische Künstlerin Åsa Sonjasdotter initiierte ein nomadisches Kartoffelfeld mit den unterschiedlichsten Sorten, mittels derer sie die Geschichte dieser Kulturpflanze gewissermaßen  nachzeichnete: “The order of the potatoes” von ihr genannt. Die einzelnen Kapitel daraus bestehen aus jeweils etwa fünf Pflanzen und einem Schild mit den nötigen Erklärungen: angefangen mit den Nachkommen der im 16. Jahrhundert aus Südamerika nach Europa gelangten und 1587 erstmalig beschriebenen neuen Feldfrucht über einige alte bäuerliche Kartoffelsorten, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen (wie die dänische “Asparges”… weiter lesen

05.08.2010 von Helmut Höge
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Staatliche Integrations-Hotlines

von Helmut Höge

Altes Hotline-Telefon. Photo: dasyalar.huriyet.com.tr


H.H.: Guten Tag, bin ich mit dem Verfassungsschutz verbunden? Ich bin Linksextremer und möchte aussteigen.

VS: Das begrüße ich, aber wir sind nur für Rechtsextreme zuständig. Da müssen Sie sich an die Hotline des  Familienministeriums wenden, ich gebe Ihnen mal die Nummer…

H.H.: Hotline? Na so eilig ist es nicht, ich bin jetzt seit 1967 Linksextremer, da kommt es auf eine Woche mehr oder weniger  auch nicht mehr an.

VS: Das heißt nur so. Die  Nummer ist – 0180-190 70 50.

H.H.: Guten Tag, ist dort die Hotline für linksextreme Aussteiger?

FM.: Ja, Sie sind hier richtig, ich höre…

H.H.: Ich bin immer noch  Linksextremist und würde den ganzen Radikalenscheiß gerne hinter mich lassen, zu neuen Ufern gelangen. Alle meine früheren Genossen haben es auch geschafft. Ich erinnere nur an Hans-Christoph Buch, Peter Schneider, Joschka Fischer, Tom Koenigs, Götz Aly, Thomas Schmidt, Gerd… weiter lesen

03.08.2010 von Helmut Höge
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Regionalkrimis (10): Agrar- und Dorf-Schauplätze

von Helmut Höge

Früher galten Vögel als Wahrheitsfinder/-späher

Heute, da es zunehmend darauf ankommt, Wind unter die Flügel zu bekommen, gelten sie als vorbildlich.


Der Leiter der “Grünen Woche”, Diplomlandwirt Hans-Jürgen Petersen, begann in der Wende “Agrar-Krimis” zu schreiben. Sie thematisierten (Vor-)Fälle bei der Privatisierung der ostdeutschen Landwirtschaft, die er dazu genauer recherchierte. Inzwischen ist der “Agrar-Krimi” ein durchgesetztes Subgenre des “Regionalkrimis”.

Im neuen “Deutschland der Regionen” (und der Standortkonkurrenz) wirbt jeder Regierungsbezirk mit eigenen “Regionalkrimis”. Allein im kleinen Kehdinger Land an der Elbmündung leben inzwischen über 20 Krimiautoren. Einer ist der Biobauer im Hauptberuf Thomas B. Morgenstern von der “Hofgemeinschaft Aschhorn”. Ein Literaturmagazin zitierte ihn kürzlich mit dem Satz: “Alle meine Erzählungen spielen im näheren oder weiteren Umfeld des bäuerlichen Lebens. Da fühle ich mich am sichersten, wenn ich Alltägliches beschreiben will. Da fühle ich mich am sichersten, wenn ich Alltägliches beschreiben will. Ich könnte schwerlich einen… weiter lesen

02.08.2010 von Helmut Höge
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Regionalkrimis (9): Harte Fakten/Spurensicherung

von Helmut Höge

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass ein Kapitalverbrechen so gut wie aufgeklärt ist, wenn eine MK (Mordkommission) – sagen wir aus Braunschweig – am TO (Tatort) genug “Spuren” gefunden hat, um jemanden als “Täter” zu überführen – und ein  Strafgericht dann diesen “objektiven Fakten” in einem “Indizienprozeß” Rechnung trägt – mit dem entsprechenden “Strafmaß”.

Die junge Ermittlerin und ihr erfahrener Staatsanwalt vor dem Pförtnerhäuschen des Husumer Polizeipräsidiums.

Objektiv ist immer etwas technisch Meß- und Analysierbares, heute am Liebsten  DNS-Untersuchungen, mit denen z.B. genetische Übereinstimmung zwischen einem “Täter” und und einem Haar am “Tatort”, festgestellt werden kann. Wir stoßen auf diesem Wege (der schwerwiegenden Fakten) nur allzu leicht  auf das Problem einer Verengung von Blickfeld  und “Brainstorming”, um  eine  bestimmte  (Täter-)”Hypothese” zu erhärten. D.h. es gilt zwar, “nach allen Seiten” zu ermitteln, aber in der Regel schält sich desungeachtet sehr schnell eine “Spur 1″ heraus, ein “Hauptverdächtiger”. Das… weiter lesen