15.02.2012 von Helmut Höge
Dichtung und Wahrheit in der neueren deutschen Arbeiterbewegung
“Erst seit der Vereinigung ist wieder Klassenkampf in Deutschland möglich.” (Heiner Müller)
Wenn dieser Dichter so weiter macht, gründe ich noch einen neuen Volker-Braun-Kultklub. Schon sein letztes (Schicht-)Buch “Machwerk” hat mich derart begeistert. Es geht darin um die Arbeitsbeschaffungsmaßahmen (ABM/MAE) für den Havariemeister Flick aus Lauchhammer und seinen arbeitslosen jungen Enkel Ludwig, einem Heavy-Metall-Fan. Trotz der Verarschung durch das Arbeitsamt (Ein-Euro-Jobs) kommen die beiden guten rum: von dem sich vergeblich gegen seine Abbaggerung wehrenden Dorf Horno in der Lausitz über die “glücklichen Arbeitslosen” in der Volksbühne bis zur polnischen Erntebrigade in der Toscana: 48 “Schwänke” insgesamt – bis der alte Havariemeister schlußendlich in die Grube fährt (“mit ihm ist eine Zeit zuendegegangen”) – und ein anderer “Experte ‘ganz ruhig’ die Arbeitsagentur Nord” betritt und den “Tisch der Sachbearbeiterin mit einem 5-Liter-Kanister Spiritus in Brand setzt. Die erleidet daraufhin einen Schock; aber auf… weiter lesen
09.02.2012 von Helmut Höge

Niedrigwasser 1. Alle Photos: Mathias Königschulte
Im vergangenen Jahr ging die taz-Reise nach Friesland, Ostfriesland und Westfriesland. Nun bleibt uns für dieses Jahr noch Nordfriesland.Vom 7. – 11. Juli 2012.
Wir beginnen die Nordfriesland-Reise in Husum, wo wir während der fünf Tage auch übernachten. Mit dem Bus klappern wir dann die “Highlights” der Region ab:
Das Emil-Nolde-Museum an der dänischen Grenze, die Windkraftanlagen-Werke in und um Husum, den Nationalpark schleswig-holsteinisches Wattenmeer, die Tourismus-Entwicklung am Beispiel von St. Peter-Ording, die Erinnerungsorte an die Landvolkbewegung und die Polderlandschaft von Dithmarschen, die Holländersiedlung Friedrichstadt und die musealisierten Reste der 1362 im Sturm untergegangenen Stadt Rungholt im Wattenmeer vor der Halbinsel Nordstrand, eventuell auch noch das “Nordfriisk Instituut” in Bredstedt, auf alle Fälle jedoch das “Nissen-Museum in Husum.
Wiewohl sich alle Friesen, zusammengeschlossen in einer Art Eidgenossenschaft, von den Deutschen zu unterscheiden wissen, sind die Nordfriesen die widerständischsten: Mehrmals schlugen sie alle… weiter lesen
06.02.2012 von Helmut Höge
Ein Virus ist weder etwas Belebtes noch Unbelebtes. Das aber nur am Rand.

Frau geht neben Pilonen in die Luft. Alle Photos: Peter Loyd Grosse
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“And so on and so on,” wie Zizek immer sagt. Ein Jahr Tahrirplatz-Event. Das westdeutsche Intelligenzfeuilleton feiert dieses Jubiläum derart, dass man den Eindruck hat, ohne bezug auf das arabische Aufstandszentrum in Kairo lassen sich bald überhaupt keine staatlichen Fördertopfgeburten auf dem Kultursektor mehr einleiten. Der FAZ-Rezensent des Nachwuchs-Filmfestivals von Saarbrücken will selbst dort ganz deutlich gespürt haben: Alle “Filme künden vom kommenden Aufstand”. Demnächst in diesem Theater quasi. Also hier und heute. Die Gruppe “Tiqqun” gab bereits den Ton vor. “Die Zeit” titelt gerade: “Bitte neu anfangen” und meint damit: “Auch wenn die Krise mal Pause macht – das Gebot bleibt bestehen: Der Kapitalismus kann so nicht bleiben.”
Die stellen also selbst da in Hamburg schon das ganze Gesellschaftssystem in frage.… weiter lesen
15.01.2012 von Helmut Höge

cooperacion
Jetzt habe ich den Rosa-Luxemburg-Kongreß verpaßt. Wie konnte das geschehen? Fehlte es dem Kongreß an Werbemitteln oder habe ich sie alle übersehen?
All die Jahre hat man sich in diversen Sälen die Reden der nicht selten von kommunistischen Staaten geschickten Redner angehört, ich erinnere aber auch den Vertreter der KP der Türkei, Auslandsorganisation: “Die immer tiefer gehende Finanzkrise hinterläßt im Leben der Völker unheilbare Wunden” und den Senegalesischen KP-Chef Ahmat Dansokho: “Der Widerstand gegen den US-Imperialismus, in Athen z.B., ist noch zu schwach. Wir müssen uns stärker verbünden.Leider ist das Netz der Globalisierungsgegner zu heterogen, dazu kommen die stalinistischen Fehlentwicklungen im Ostblock, die den Antikommunismus stärken… Wir müssen die Welt mit neuen Augen sehen!”
Auf dem Abschlußpodium saß gelegentlich auch mal ein Autonomer, ich erinnere Markus Mohr: “Brauchen wir neben der Linken eine marxistische Partei? Eher nicht.” Jetzt hatte man Dietmar Dath eingeladen. Den hätte ich mir auch… weiter lesen
13.01.2012 von Helmut Höge

Wo bleiben eigentlich die hier von den Okzidentregimen so gerühmten und dort von den Orientregimen so gefürchteten Nach-dem-Freitagsgebet-Demonstrationen im Morgenland? Das fragten wir uns schon seit einigen Wochen…
Hier eine aktuelle AFP-Meldung dazu aus Syrien:
In Syrien sind am Freitag zehntausende Menschen zur Unterstützung der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) auf die Straße gegangen. Allein in der nordwestlichen Region Idleb demonstrierten nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 20.000 Menschen gegen Präsident Baschar al-Assad. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die internationale Gemeinschaft zu einem geschlossenen Vorgehen gegen Syrienauf.
Im Internet hatten Oppositionsgruppen wie gehabt zu ihren Freitagsdemonstrationen aufgerufen. Diesmal standen sie unter dem Motto, die FSA zu unterstützen. Diese vorwiegend aus Deserteuren der regulären Streitkräfte gebildete Rebellengruppe unter dem Kommando des Ex-Offiziers Riad al-Assaad umfasst nach eigenen Angaben 40.000 Soldaten.
Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften mindestens zwei Menschen getötet.… weiter lesen
12.01.2012 von Helmut Höge



Photo: einestages. spiegel.de
In dem Friedrichshainer Versammlungsraum “Zielona Gora” wurde kürzlich über die Revolution in Ägypten diskutiert, im Moabiter Haus der Kulturen der Welt wird gerade drei Tage lang über die Revolution in Ägypten (mit Kulturprogramm drumherum) diskutiert. Aus Ägypten selbst kommt die dpa-meldung:
Das neue Ägyptische Museum vor den Toren Kairos soll 2015 eröffnet werden. Bis dahin werde die dritte und letzte Phase der Bauarbeiten beendet sein, kündigte der Minister für Altertümer, Mohammed Ibrahim, am Dienstag an. Der umgerechnet fast 650 Millionen Euro teure Bau gilt als weltweit größtes Museum seiner Art. Es soll mehr als 100 000 Exponate aus der Zeit der Pharaonen beherbergen und für 20 000 neue Jobs sorgen.
“Wo gehobelt wird, da fallen Menschen,” titelt die FAZ über eine Rezension des Theaterstücks “Marija” von Isaac Babel, inszeniert von Andrea Breth in Düsseldorf:
“Das Stück spielt 1920 in Russland. Die junge Sowjetunion im… weiter lesen
29.12.2011 von Helmut Höge

Araber im Schnee. Das war einmal: 2010. Photo: Dia-Archiv

Assemblea in der Antarktis. Photo: Friederike Sünderhauf
Wohl um den heißer werdenden Widerstand weltweit (*) abzukühlen sendet bzw. verkauft die deutsche Film- und Fernsehbranche zum Jahresende durchweg Eiskaltes.
Es gibt zwei Theorien über Filme, die in Eis & Schnee spielen. Eine alte: Sie erhöhen die Gemütlichkeit, wenn man sie sich im warmen Kino oder im gut geheizten Wohnzimmer ankuckt – besonders zum Jahresende hin. Diese Filmtheorie verliert jedoch langsam an Überzeugungskraft, da wegen der um sich greifenden Verarmung und des sich ausbreitenden Umweltbewußtseins im Verein mit den steigenden Heizkosten die Wohnzimmer und Kinos immer weniger gut beheizt werden, so dass einem bei Filmen, die in Eis & Schnee spielen, nur noch kälter wird.
Die neue Theorie kommt in Gänze aus der Ökoecke und besagt, dass wir gar keine richtigen Winter – mit Eis & Schnee – mehr… weiter lesen
28.12.2011 von Helmut Höge
Alles muß raus! Traders of the universe

“Dein Körper gehört dir, nicht wie ein geistiges oder historisches Eigentum, sondern wie ein Auto oder ein Bankkonto. Er gehört dir wie Waren im Kreislauf, du kannst ihn verkaufen, vermieten, drauf sitzenbleiben, ihm Mehrwert abtrotzen oder ihn verspekulieren. Je neosexueller du bist, desto weniger kannst du Heimat in ihm haben, aber desto mehr Profit kannst du ihm entnehmen.” (Georg Seeßlen)
Anläßlich des Todes von Käthe B., er starb kürzlich an einem Gehirntumor, stellte Ernst Volland anstatt eines Nachrufs ein Dutzend Selbstkunstwerke des Westberliner Performators Käthe B. in seinen taz-blog (siehe dort).
In “Die Zeit” hatte ich am 18.8.1995 eine Art Vorruf auf Käthe B. veröffentlicht:
Von Beruf: Medienhengst
Käthe B. aus Eckernförde, etwa 33 Jahre alt, gibt an, Melker gelernt zu haben. 1981 kam er nach Berlin. Käthe B., der richtige Name ist den Redaktionen unbekannt, hatte zwar zuvor seinen… weiter lesen
21.12.2011 von Helmut Höge

Photo: blog.zakel.at
Warum widmest du dich nicht Russland? fragte Wladimir Kaminer mich vorwurfsvoll, da würde doch jetzt so viel passieren. Am 24.12. wollen z.B. alle Oppositionsgruppen, alle: linke wie rechte, gemeinsam vor dem Kreml gegen die Regierung protestieren.
“Jede neue Technologie erfordert einen neuen Krieg” – so lautet das Motto von Marshal McLuhans Buch aus dem Jahr 1968 “Krieg und Frieden im globalen Dorf”, das jetzt von Karlheinz Barck und Martin Treml im Kadmos-Verlag neu herausgegeben wurde.
1968 war es das Fernsehen, deswegen hat man den Vietnam-Krieg auch als den ersten “Fernsehkrieg” bezeichnet, er wurde nicht zuletzt in den Wohnzimmern entschieden.
Nun – mit dem Internet und den da dranhängenden “sozialen Netzwerken” – wird wieder ein neuer Krieg ausgefochten: Kapitalismus und Demokratie haben sich getrennt. Jetzt geht die Mobilisierung, der Kampf auch gegen die Repräsentation!
Proteste in Moskau. Photo: epochtimes.de
Alain Badiou in einer… weiter lesen