Archive for Januar, 2007

25.01.2007 von Imma Luise Harms
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Die Machbarkeit der Gestaltung innovativer Entwicklungsprozesse als Beitrag zur Risikominderung

von Imma Luise Harms

Da sitzen wir und grübeln, wie es mit uns weitergehen soll. Das Geld ist alle, bis auf ein paar Europfützen auf halb vergessenen Konten.

Thomas will weiter Kino machen, am besten damit rumfahren wie früher mit dem Mironakino. Aber wer soll’s bezahlen? Vielleicht will er doch lieber Wollschweine züchten, die durch ihre gleichbleibenden Bedürfnisse seinen Tag strukturieren und seinem Leben Erfüllung geben. Aber auch davon kann man, realistisch betrachtet, nicht leben. Ich habe, getrieben von der diffusen Sehnsucht nach Durchlässigkeit und Erweiterung meiner Möglichkeiten, mit der Hilfe von Thomas, D. und M. die Wand zur anderen Haushälfte durchbrochen – eine Wand aus Felssteinen, so dick wie eine Burgmauer. Nun möchte ich die andere Seite mit Sinn und Leben füllen. Von MöHRe, unserem Kulturverein, gibt es Interesse, Thomas hat dort drüben einen Kino-Abstellraum, und der Film- und Videoclub, bestehend aus 3000 VHS-Cassetten nutzt auch einen Raum, ist aber zur Zeit im… weiter lesen

15.01.2007 von Imma Luise Harms
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Verwertungsschleifen – Dorf-blog im Deutschlandradio

von Imma Luise Harms

Als Neuling im Format war mir nicht bewusst, dass Bloggen so angesagt ist, jedenfalls  von den Trend-Medien gut beobachtet wird. Mein erstes blog (Ab nach Hause – wo ist das?) war aufgefallen. Am Freitag um 14 Uhr zum Interview ins Deutschlandradio Kultur. In der Sendung „Blog-Spiele“ wollen sie mit mir, die ich mich von der Stadt aufs Land umgesiedelt habe, über die Frage sprechen, ob das Internet ein Zuhause, eine Heimat sein kann. Fahrtkosten werden erstattet. Kein Problem.

Ich löse in Strausberg Nord einen Fahrschein ABC für 2,60, überlege kurz, ob ich eine Tageskarte für 6 Euro nehme, dann noch ein paar, mit Wegen verbundene Erledigungen machen kann, entscheide mich dagegen, weil ich ja gegenüber dem Sender die Differenz zwischen zwei Einzelfahrten (5,20) und der Tageskarte (6 Euro) nicht rechtfertigen kann.

Ich komme viel zu früh an, umrunde den Nazi-Bau und den Nachkriegs-Anbau des ehemaligen RIAS, werde nach… weiter lesen

13.01.2007 von Imma Luise Harms
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Wurstversand – Gastblog von Thomas Winkelkotte

von Imma Luise Harms

Wir waren in Buckow gewesen, wegen der Katze. Die hat nämlich die Krätze. Und ich wollte noch zur Post gehen, in Buckow. Die Postfiliale ist bei dem Versandgeschäft von Otto. Und die haben nur bis 14 Uhr auf. War aber schon 17 Uhr, weil dann macht der Tierarzt ja erst auf. Konnte ich mir überlegen, fahr ich nach Müncheberg zur Post? Ich wollte nämlich meine Päckchen mit der Wurst für meine Geschwister abschicken. Als ich mit meinen Überlegungen noch gar nicht fertig war, war Imma schon wieder draußen von Tierarzt. Also machen wir einfach einen kleinen Umweg über Prötzel, weil bei Edeka, wo die Post ist in Prötzel, haben sie bis 18 Uhr auf. Bei Edeka in Prötzel war nichts los. Beide Frauen saßen an der Kasse. War kurz vor Feierabend. Ich frage: ist hier auch die Post? Weil ein Schild hatte ich nicht gesehen. Ja, sagt die eine, die… weiter lesen

07.01.2007 von Imma Luise Harms
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Die Schweine sind tot (4)

von Imma Luise Harms

Schwein3.jpgDie Kleine ist misstrauisch geworden. Zeit ihres Lebens musste sie der Wucht der Dicken und der Aggression der Bissigen ausweichen. Sie hatte gelernt, deren Bewegungen für sich zu deuten. Sie weiß zum Beispiel, dass die anderen ihr nicht den Futtertopf wegnehmen können, ohne ihren eigenen dabei aufzugeben. Hinter den Bewegungen der Schwestern tun sich ihre eigenen Freiräume auf. Jetzt sind die beiden nirgends mehr zu sehen. So viel Freiheit ist verdächtig. Die Kleine stemmt ihre Vorderläufe in das Stroh auf dem Karren. Der Hinterlauf sitzt im Strick fest. Die Kleine sträubt sich, als der Schlachter sie vom Wagen zieht. Thomas läuft nebenher, Stefan und Richard flankieren die andere Seite. Der Weg ist vorbestimmt. Die Kleine schnüffelt und äugt. Der geflieste Boden ist wieder sauber. An der Decke hängen die Schwestern, aber so hoch sieht die Kleine nicht. Ihr Hinterlauf hängt an der Boden-Öse. Die Hand des Schlachters, der Bolzen, dann… weiter lesen

06.01.2007 von Imma Luise Harms
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Die Schweine sind tot (3)

von Imma Luise Harms

Schwein2a.jpgDie Dicke kommt vom Wagen. Sie trottet dem Schlachter hinterher. Sie war die Stärkste und deshalb die Erste in der Fressfolge. Die Erfahrung, immer ohne Anstrengung seine Bedürfnisse befriedigen zu können, macht nicht nur gutmütig sondern auch arglos. Die Dicke steht vor dem Schlachter und schaut auf seine Füße. Sie hat sich von Thomas immer bereitwillig kraulen lassen. Als der Mann vor ihr sich herabbeugt und zwischen ihre Ohren fasst, lässt sie das geschehen, und auch die Berührung des Stabes auf der Kopfhaut schreckt sie nicht. Ein Ruck durchfährt sie. Ein Schnaufen, ein Schweineseufzer, eine kleine Nebelwolke: die letzte Füllung der Lungen, die im Fallen ausgestoßen wird. H. zieht das Tier zur Wand. Der Doppelstich mit dem langen Schlachtermesser eröffnet eine Klappe in der Schlagader. Das leuchtende Blut strömt. H. pumpt mit dem oben liegenden Vorderlauf. Die Haut am Bauch mit den kleinen Warzen darauf sieht so rosig, so lebendig… weiter lesen

05.01.2007 von Imma Luise Harms
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Die Schweine sind tot (2)

von Imma Luise Harms

Schwein2.jpgDer Hof der Schlachterei ist rot geklinkert. Es gibt einen Abfluss in der Hofmitte. Hunde bellen im Zwinger auf der rechten Hofseite. Auf der anderen steht das Tor zu einem gefliesten Raum offen. An der Decke gibt es ein kompliziertes System von Trägern, Schienen und Haken. Andreas H. ist ein sympathischer Mensch, der sich Mensch und Tier zuwendet. Erfreut betrachtet er die drei Schweine im Anhänger. Sie sind schon größer als die ersten beiden, die ihm im letzten Frühling gebracht wurden.

Die Bissige kommt zuerst dran, weil sie mal wieder unbedingt die Erste sein will und zum Ausgang drängt. Stefan und Richard heben die Hände, aber sie lässt sich ohne Anstrengung in den weißen Raum führen. Der Strick am Hinterbein wird durch eine Öse am Boden gezogen. Mit dem Knie drückt H. die Sau gegen die Wand. Ihr ist nicht wohl, aber sie sieht auch keinen Grund für entschiedenen Widerstand.… weiter lesen

04.01.2007 von Imma Luise Harms
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Die Schweine sind tot (1)

von Imma Luise Harms

Schwein1.jpg

Die drei Schweine hatten die Nacht im geschlossenen Anhänger verbracht. Die Dicke, die Kleine und die Bissige. Die Schweine sind neugierig und arglos. Sie haben zwei sorgenfreie Jahre hinter sich. Aber wenn man handgreiflich wird, werden sie misstrauisch und störrisch. Thomas, Richard und Stefan schaffen es mit List, die Wollschweine auf den Hänger zu bekommen und sie mit Stricken in verschiedenen Ecken fest­zubinden. In der Nacht schnaufen sie aus dem Inneren des Wagens, als wenn es der gewohnte Stall wäre.

Am Morgen gibt es kein Frühstück mehr. Die feuchten Rüssel betasten das kleine Eisengitter im Sichtfenster des Hängers. Man erkennt die Blesse der Bissigen. Die beiden anderen suchen im Stroh auf dem Boden herum.

Wir fahren in einen schwefelgelben Sonnenaufgang. Thomas, Richard, Stefan und ich. Dunst liegt im Oderbruch. Die Erde der umgepflügten Äcker glänzt speckig schwarz. Fruchtbar, aber entvölkert ist das Oderbruch. Zwischen uns herrscht angespannte Stille, jeder… weiter lesen