Archive for September, 2007

29.09.2007 von Imma Luise Harms
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Freitag ohne Titel

von Imma Luise Harms

Die Walnuss schmeckt zart-süß und fein-herb, eine Spur bitter im Nachgeschmack, nussig im Ganzen. Ist aber doch ziemlich klein. Als G. mir auf dem letzten gentechnik-freien Frühstück in Zollbrücke anbot, einen Sack voll davon unter ihrem Walnussbaum zu sammeln, habe ich gezögert. Jetzt finde ich, für diese Nuss lohnt sich auch das Knacken kleiner Einheiten.

G. wohnt nördlich von Bad Freienwalde, direkt an der alten Oder. Ich will sowieso nach Liepe, um in einem Rinderzuchtbetrieb Fleisch zu kaufen. Die Tiere stehen hier, in dem nördlichen Zipfel des Oderbruchs überall auf der Weide herum und haben es schön. Könnte man doch noch den Nachbarn in Reichenow was mitbringen, dann lohnt sich die weite Fahrt besser. Der Hofladen ist nur freitags geöffnet. Ich kaufe Rouladen, Tafelspitz und eine Beinscheibe. Inzwischen gibt es auch Fleisch vom Bio-Schwein, wegen der steigenden Nachfrage. Aber eine Preisliste gibt es nicht. Die Verkäuferin schreibt mir die Preise… weiter lesen

17.09.2007 von Imma Luise Harms
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Kartoffelernte

von Imma Luise Harms

„Eigentlich müsste man die hochbinden“, sagt Thomas und zieht eine schlappe Tomatenranke nach oben, „aber jetzt lohnt es sich auch nicht mehr“. Die Unterseite hängt voller kleiner blassgelber Kugeln. Eine wilde Sorte, gelbe Cocktailtomaten, von ihm auf der Fensterbank aus Samen vom letzten Jahr gezogen. Man pflückt und isst sie fast wie Weintrauben.  „Und die werden alle noch reif, wenn man sie in die Sonne legt.“ Ich sitze auf einem Grasbüschel und wickle skeptisch einen Halm um meinen Finger. Thomas rechnet aus, wie viel Tomätchen an einem Busch hängen, wie viel die wiegen. Wenn er sie für, sagen wir, 2 Euro das Pfund verkauft… Thomas hat im Kopf schon wieder einen neuen Geschäftszweig in seiner breiten Lebensmittel­produktionspalette aufgemacht. Da kann man nichts machen.

Ich lenke das Gespräch auf die Kartoffeln, die hinter uns auf dem ehemaligen Schweineacker noch in der Erde liegen. Ja, die die letzten Reihen müssten auch eigentlich… weiter lesen

03.09.2007 von Imma Luise Harms
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Knapp am Pokal vorbei – Schlosskampf in Prötzel

von Imma Luise Harms

Auf dem Land ist immer was los. An jedem Wochenende gibt es irgendwo ein Fest. Das Bedürfnis nach Geselligkeit ist groß. Man steht zusammen, mit der Bierflasche oder dem Weinglas, macht Witzchen, spielt sich Stichwörter zu; eine Anekdote gibt die andere, Pointen werden entgegenkommend mit Lachsalven quittiert. Vorübergehende werden mit einem Blick gestreift, mit einem Spruch in den Kreis gezogen oder mit einem knappen Gruß weitergeschickt, um anschließend als Gesprächthema zu dienen. Mit Tratsch und Gerüchten wird Stille Post gespielt. Angenehmes Gruppengefühl macht sich breit.

Die Dorffeste funktionieren nicht anders als die Geselligkeiten in der Stadt. Auf ihnen werden die kleinen und großen Gravitationszentren sichtbar, die sich um Menschen mit Macht oder Selbstbewusstsein herum bilden. Die Gruppenzusammensetzungen ändern sich nur schwerfällig. Man trifft sich, man zeigt sich, man bleibt unter sich. Wer hier nicht Teil eines Planetensystems sein kann, wandert weiter. Es gibt ja zum Glück noch andere Galaxien.… weiter lesen