Archive for Juni, 2008

29.06.2008 von Imma Luise Harms
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Ressource Aufmerksamkeit I: Der Anschlusszug

von Imma Luise Harms

Das Großraumbüro der Deutschen Bahn rollt mit 200 kmh. Mein Arbeitsplatz für die Stunde zwischen Hannover und Bremen kostet 28 Euro, Steckdose inclusive. Wie meine Nachbarn habe ich, noch bevor der Zug den Bahnhof verlässt, meinen Laptop herausgezogen. Der Tisch reicht gerade für die drei Geräte. Mein Tischnachbar macht sachfremde Arbeiten: ein kriegerisches Strategiespiel, bei dem mit Zielkreuzen gespickte Landkarten überflogen werden; am Kartenrand tauchen Kolonnen von Sodaten und Panzern auf und verschwinden wieder: mittels Zählbilanz wird über Sieg und Untergang entschieden. Nebenbei verrichtet der Feldherr seine berufliche Tätigkeit mit Handy und Headset. Verabredungen werden getroffen, Projekte durchgesprochen, Bestellungen aufgegeben. Es scheint, als werden da neue Panzer für das Spiel geordert.
Man ist im Großraumbüro der Bahn leicht von seiner Tätigkeit abgelenkt, weil überall telefoniert wird; mit erhobener Stimme werden Fahrtrouten abgestimmt und Positionen durchgegeben. Zum Glück hält der Laptop viele Angebote bereit, z. B. kann man mit Audioprogramm… weiter lesen

18.06.2008 von Imma Luise Harms
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„Danke Ihnen“ – „Gerne“ – „Ist klar?“

von Imma Luise Harms

Es gibt berufliche Redereflexe, die sich so einschleifen, dass sie wie ein Tennisarm als Merkmal in die Physis eingehen.
In der Lausitzer Straße ist ein quasi-indischer Restaurant-Imbiß, in dem es lange Zeit besonders leckere Sauer-scharf-Suppen spezial gab. Der kleine Pächter, ein freundlicher Mann aus dem vorderasiatischen Raum, teilte seinen Gästen dicke Speisekarten in klebrigem Pastikeinband zu, in denen man unter vielen, vielen asiatischen Speisen wählen konnte. Nachdem man sich wie immer dann doch für die Sauer-scharf-Suppe spezial entschieden und die schweren Kladden zugeklappt hatte, zum Zeichen, dass die Entscheidung gefallen ist, trat er wieder an den Tisch, nahm die Folianten entgegen und notierte sich: 2 x Sauer-scharf sp., 2 Bhatura, 2 Hefeweizen. Man lächelte ihn an und hauchte „danke“, was er mit einem dezenten Absenken seines schräg gelegten Kopfes und der galanten Formulierung: „danke Ihnen“ quittierte. Das war immer so. Und das „danke Ihnen“ entschlüpfte ihm auch manchmal, wenn… weiter lesen

09.06.2008 von Imma Luise Harms
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nackte Füße – unterwegs im ICE

von Imma Luise Harms

im ICE.jpg

Die Zugebegleiterin, die die Abteiltür aufschiebt, sieht elegant aus. Auf hohen Schuhen, unnatürlich braun, mit strohblondem, nach hinten gebündeltem Haar und goldenen Ohrringen an den Seiten. Sie macht einen langen Arm, um den Fahrschein entgegen zu nehmen, ohne das Innere des Abteils zu betreten. Warum will sie nicht reinkommen?

Mutter-Kind-Abteil. Eine zweistöckige Kletterburg mit runder Ausbuchtung des Oberdecks, mit der man Ausguck spielen kann. EinTurm, von dem das Kleinkind auf seine Mutter herabsehen kann. Ein Kind habe ich nicht dabei. Ich habe die Schuhe ausgezogen, um sie auf die gepolsterte Tobefläche vor meinem Sitz zu legen. Als ich die Zugebegleiterin durch die mit kleinen Wölkchen verzierte Scheibe kommen sehe, nehme ich die nackten Füße vom Polster und stelle sie ordentlich auf den Teppichboden vor mir. Ganz sicher bin ich nicht, ob ich in diesem Abteil sein kann. Kleinkinder sind ja gerade keine da. Aber vielleicht soll man’s freihalten,… weiter lesen