Archive for Oktober, 2008

19.10.2008 von Imma Luise Harms
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Hundefutter

von Imma Luise Harms

Wir haben mit dem Roller eine Tour durch die Nachbardörfer gemacht, um Einladungen für unseren Verschenkemarkt aufzuhängen. In Reichenow soll der Zettel in jeden Briefkasten. Wo der Weg von Prädikow auf die Schäferei stößt, steige ich ab. „Fahr doch schon mal vor, ich verteil hier noch.“ Thomas gibt Gas und ist weg.
Ich gehe mit einer Handvoll Einladungskarten im Zickzack die Straße hinunter. Die Briefkästen sind an den Zäunen angebracht. Die Zäune sind hüfthoch; manche gehen mir auch nur bis zu den Oberschenkeln. Bis auf Jägerzäune sind alle Varianten zu sehen. Sachliche Gitter-Vierecke, die zwischen Pfosten festgeschraubt sind, DDR-Zäune, aus Murniereisen zu individuellen Ornamenten zusammengeschweißt, aufgespannter Maschendraht, nostalgische schmiedeeiserne Modelle mit neckischen Spitzen, die das Häuschen dahinter zum Landsitz veredeln.
Hinter den Zäunen sind Hunde. Die Hunde bewachen die Zäune und die Dreimeilenzone davor. Sie mögen es nicht, wenn man dem Zaun zu nahe kommt. Ich muss nahe… weiter lesen

14.10.2008 von Imma Luise Harms
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“Vorwärts immer Rückwärts nimmer”?!

von Imma Luise Harms

Eine Recherche zum Foto (s.u.)
Der Spruch „Für Kinder ist das Beste gut genug“ passt ohne Zweifel auf den Giebel einer Puppenfabrik. Aber die Banderole darunter „Vorwärts immer Rückwärts nimmer“? Das hat doch der Honecker immer gesagt?!
Auf den ersten Blick denkt man: Passt auch – für einen volkseigenen Betrieb, der noch bis 1990 die DDR-Erfolgspuppe „Biggi“ hergestellt hat. Aber darunter steht: „Gegründet im Jahre 1885“ Und ganz oben in der Giebelrundung ist die Jahreszahl angebracht, als diese Fassade gebaut wurde: 1907!
Was stimmt da nicht?
Wäre es möglich, dass das bekannte Honecker-Zitat von einer übereifrigen sozialistischen Belegschaft – vielleicht zu Ehren eines Besuches des Staatsratsvorsitzenden – nachträglich in die Fassade eingearbeitet wurde? Und das im authentischen Jugendstil? Sehr schwer vorzustellen. Und wenn, dann wäre es ein baugeschichtliches Politikum. Was haben die sonst noch alles gefälscht?
Eine Untersuchung der Schrift gibt Anhaltspunkte für und gegen… weiter lesen

12.10.2008 von Imma Luise Harms
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von Imma Luise Harms


Die Fassade einer ehemaligen Puppenfabrik in Waltershausen. Fällt dir was auf?

08.10.2008 von Imma Luise Harms
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Vertrauen zur Bank

von Imma Luise Harms

Zu dem Lebensgerümpel, das einen umstellt, gehören Kisten mit alten Kontoauszügen. Sie werden immer mehr, und ich kann mich schwer entscheiden, welche wegzuwerfen. Kontoauszüge sind eine Art Tagebuchaufzeichnung.

1970 machte ich mein erstes Bankkonto auf. Die Berliner Bank in der Hardenbergstraße unweit der Technischen Universität hatte einen breiten repräsentativen Eingang, zu dem man einige Stufen hochsteigen musste, und eine weite Schalterhalle. Hinter den Schaltern befand sich, durch Schränke und Stellwände abgetrennt, die Welt der Buchhalter.
Ich unterschrieb einiges, wurde über verschiedenes von einem Herrn in dunkelgrauem Anzug belehrt, hinterlegte meine Unterschrift und bekam eine Kontonummer. Nun kam das Geld von Papa auf mein Konto.
Ich war rebellisch, schon aus Prinzip. Eine Frage der Selbstachtung, dass man sich nichts gefallen lässt. Als ich das nächste Mal das Geldinstitut betrat und durch das unsinnig ausgeweitete Festibül auf die Schalter zuging, fühlte ich mich, als ginge ich durch eine meiner Besitzungen.… weiter lesen

05.10.2008 von Imma Luise Harms
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Schön schwer

von Imma Luise Harms

Dieses schöne Bild zum Sonntag. Es ist eines von 360 Bildern, die Kenneth Anders und Lars Fischer in ihrem lehrreichen Vortrag “Die schwere Kolonie: das Oderbruch” mit ausgefeilten Texten begleiten.
Wer etwas über das Spiel der Kräfte im ODerbruch erfahren will, dem lege ich die Darbietung ans Herz.
Die Veranstaltung findet noch zweimal statt:
am Freitag, 10. Oktober 2008, 20.00 Uhr im Gasthaus Wilhelmsaue ‘So oder So’, Wilhelmsauer Dorfstraße 9, 15324 Letschin OT Wilhelmsaue
und am Samstag, dem 29. November 2008, 19.00 Uhr im KammerMusikTheater im Hotel ‘Haus Chorin’, Neue Klosterallee 10, 16230 Chorin