Ich stehe Kopf. Das soll gut sein. Die Organe können mal ihre Lage verändern. Das Blut kommt mit Schwung in den Kopf und macht gute Gedanken. Auch fürs Rückgrat soll’s gut sein, und für die Haltung. Ich drücke die Schultern noch ein bisschen weiter nach unten bzw. nach oben. Unter dem Schambein hat sich eine Kuhle gebildet. Die Gedärme sind aufs Zwerchfell gerutscht und liegen da ganz gut. Durch die Terrassentür sehe ich in den Garten. Der Himmel ist durch die unteren Augenlider, die keine Muskeln haben, um das Auge bewusst freizugeben, ein bisschen abgeschnitten. Aus seinen Rändern lösen sich einzelne gelbe Blätter und steigen trudelnd auf bis in das Gras am oberen Bildrand.
Die Wirkung der Schwerkraft wird unterschätzt, glaube ich. Raumfahrt, Astronomie, Statik – da ist das klar. Aber was macht die Schwerkraft mit uns? Mit unserer Körpererfahrung, unseren sozialen Beziehungen, unserem Gefühl für Symmetrie und Ordndung?… weiter lesen