„Polizeirazzia gegen jüdisches Zentrum“, meldete die New Yorker jüdische Nachrichtenagentur Jewish Telegraph Agency (JTA) am Donnerstag der vergangenen Woche. Und die israelische Tageszeitung Yediot Ajaronot vermutete sogar hinter einer Hausdurchsuchung im Zentrum der Chabad Lubawitsch in Rurrenabaque im Departament Beni politische Aktionen des linken Staatspräsidenten Evo Morales gegen die Juden des Landes. Schließlich hatte das bolivianische Staatsoberhaupt erst im Januar dieses Jahres die Beziehungen zu Israel wegen des Gaza-Konflikts abgebrochen.
Unter Berufung auf den Leiter des Zentrums, Aaron Fraiman, berichtete JTA und auch Yediot Ajaronot von der Schließung des Zentrums und der anschließenden Abschiebung eines Zentrumsmitarbeiters durch die Ausländerbehörde. Fraiman beschuldigte in der Jerusalemer Tageszeitung die Regierung Boliviens des Antisemitismus.
Ricardo Udler ist nicht gerade erfreut über die Schlagzeilen, die in der vergangenen Woche im Internet, in Israel und in einigen Zeitungen Boliviens über die jüdische Gemeinschaft des Landes erschienen. Der 55-jährige Präsident der israelitischen Vereinigung Boliviens versichert: „Das stimmt… weiter lesen
An diesem Wochenende kürt die außerparlamentarische chilenische Linke auf einer Nationalversammlung in der Universidad de Santiago ihren Präsidentschaftskandidaten. Drei stehen zur Wahl: Guillermo Teillier, Vorsitzender der Kommunisten, Jorge Arrate, Ex-Minister der Concertación und jetzt Repräsentant der “allendistischen Sozialisten” sowie Tomás Hirsch von der Humanistischen Partei. Zusammen mit anderen Kleingruppen bilden die Fraktionen der drei das Bündnis Juntos Podemos Más (JPM), für das Hirsch 2005 ins Rennen gegangen war und immerhin 5,4 Prozent der Stimmen geholt hatte.
Traditionell ist die Linke zersplittert, und auch diesmal gibt es mindestens zwei weitere Kandidaten, die außerhalb des JPM laufen: Andrés Navarro und Marco Enríquez-Ominami, beides abtrünnige Parlamentarier der immer stromlinienförmigeren Sozialistischen Partei. Teillier, Arrate und Hirsch zeigten sich vor ihrer Asamblea Nacional de Izquierda allerdings optimistisch: Die Linke, so Arrate bei einer von Talkrunde von Radio La Nación, sei die einzige politische Kraft, die in Chile derzeit Zulauf habe. Und… weiter lesen
Auf Gipfeln wird bekanntlich selten Politik gemacht – und wenn, dann meist symbolische. So wie Venezuelas Präsident Hugo Chávez, der jüngst beim Treffen der OAS seinem US-Amtskollegen Barack Obama vor laufenden Kameras ein Exemplar von Eduardo Galeanos Buch “Die offenen Adern Lateinamerikas” in die Hand drückte.
Eigentlich keine große Sache – schließlich fiel Chávez’ Provokation eher schüchtern aus, und Obama, der das Buch lächelnd in Empfang nahm, soll anschließend gesagt haben, das sei doch toll, er sei schließlich ein begeisterter Leser.
Wie der NYT-Kolumnist David Brooks berichtet (hier, auf Spanisch), hat das Danaergeschenk des Venezolaners freilich für “Hysterie und Panik” bei rechten Politikern und Publizisten in den USA gesorgt. Otto Reich, Ex-Botschafter in Venezuela und außenpolitischer Berater von George W. Bush, bezeichnete das Zustandekommen der sympathischen Szene als “Irrtum von Obamas Team, den es unbedingt hätte vermeiden müssen”. Unter Reagan und den… weiter lesen
Ein Euphemismus, den die Chilenen dieser Tage immer häufiger zu hören bekommen, ist die desvinculación. Früher nannte man das despido, Kündigung. Desvinculaciónsuggeriert so etwas wie “geordnete Ausgliederung aus dem Arbeitsverhältnis”, aber der wichtigste Unterschied zum klassischen Auf-die-Straße-Setzen dürfte sich auf sprachlicher Ebene abspielen.
Hier in Puerto Montt kommen die Einschläge der Lachs-Krise immer näher. Besser gesagt: Ein Volltreffer folgt dem nächsten. Gerade hat der Konzern AquaChile (unter den großen Produzenten der einzige mit vorwiegend einheimischem Kapital) die desvinculación von 450 ArbeiterInnen seiner zentralen Verarbeitungsanlage bekannt gegeben. Die Betroffenen erfuhren davon morgens am Werktor. Der Geschäftsführer von AquaChile, Alfonso Márquez de la Plata, ließ verlauten, das Bedauern des Konzernvorstands könne größer nicht sein. Aber der ISA-Virus, der die Fische seit 2007 millionenfach dahinrafft sowie die in den vergangenen Wochen verstärkt aufgetretene “Rote Flut”, eine toxische Algenblüte, hätten den Rohstoff –
Marcos Romão, 56, Journalist, Soziologe und afrobrasilianischer Aktivist, ist die treibende Kraft hinter dem Hamburger Radio Mamaterra. Der taz schickt er zum 30. Geburtstag folgenden Gruß:
Vor 21 Jahren, als ich nach Deutschland kam, bestieg ich in Rio ein Flugzeug, das aus Frankfurt kam und über São Paulo nach Frankfurt zurückflog. Ich setzte mich neben einen Brasilianer mittleren Alters, der nach fünf Jahren gerade aus Deutschland zurückkam.
Er hatte eine taz in der Hand und sagte zu mir, hör mal, wenn du in Deutschland leben willst, achte auf zwei Dinge: Erstens, lass dich nicht von den depressiven Gesprächen der Leute beeindrucken. Zweitens, wenn du deprimiert bist, lies nie diese Zeitung namens taz, denn sonst steigst du gleich wieder ins Flugzeug. Es ist erschreckend, was die aus den Niederungen der deutschen Politik berichten!
Den ersten Rat habe ich befolgt: In diesen 21 Jahren habe ich mich durch die… weiter lesen
Bis heute sind die Einzelheiten der Gründung im April 1909 nur lückenhaft bekannt. Ende der Zwanzigerjahre galt Inter bereits als “Klub des Volkes”, wo Spieler aller Hautfarben und Gesellschaftsschichten willkommen waren. Ganz anders sah das beim Lokalrivalen Grêmio aus, der erst 1952 (!) seinen ersten schwarzen Spieler verpflichtete.
Der Kolumbianer Wason Rentería war eines der Idole des Jahres 2006 – nicht nur wegen seiner Tore, sondern auch, weil er wie kein zweiter das Vereinsmaskottchen Saci Pererê verkörperte*:
Unvergessen auch der Triumph gegen den FC Barcelona, der Inter vor zweieinhalb Jahren den Weltpokal bescherte.
Als krönenenden Abschluss der Jubliäumsfeiern gab es gestern ein 2:1 gegen Grêmio.
*Die Musik stammt von Ataque Colorado. Und Saci Pererê könnte es zum offiziellen Maskottchen der WM 2014 bringen.
Spätestens seit die ultrarechte UDI ihn auch zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt hat, gilt Sebastián Piñerawieder als sichere Karte für die Wahl im Dezember. Jedenfalls bei seinen Anhängern und den Demoskopen. Dass die Mehrheit der Chilenen sich nicht im letzten Augenblick doch noch gegen den Geschäftsmann entscheiden könnte, ist nicht ausgeschlossen.
Denn genau diese Eigenschaft – Piñeras Geschäftstüchtigkeit, die ihm ein Vermögen von einer guten Milliarde US-Dollar und Platz 799 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen eingebracht hat – kommt nur in guten Zeiten gut an. Aber jetzt stehen die Zeichen auf Krise, und zu allem Überfluss ist die Sache mit den Apotheken passiert.
Das pharmazeutische Geschäft in Chile ist stark konzentriert, bei den Apotheken herrscht ein Oligopol aus drei Wettbewerbern. Wie gut dieser Wettbewerb tatsächlich funktioniert, steht spätestens zur Debatte, seit der größte der drei, die Kette Farmacias Ahumada (Fasa), erklärt hat, mit den… weiter lesen
In der Nacht vom 31. März verstarb Raúl Alfonsín, der erste demoratisch gewählte Präsident Argentiniens (1983-1989) nach dem Ende der blutigen Militärdiktatur 1976-1982. Am 1. April pilgerten Tausende zum Parlamentsgebäude in Buenos Aires, um sich von Alfonsín zu verabschieden. Er starb im Alter von 82 Jahren an Lungenkrebs. Er wird als ehrlicher Mann in Erinnerung bleiben, der im Gegensatz zu Carlos Menem nie in Korruptionsskandale verwickelt war, und als eine der wichtigsten Figuren der Partido Radical und der Sozialdemokratie Argentiniens in die Geschichte eingehen.
Sein letzter öffentlicher Auftritt war Anfang Oktober letzten Jahres aus Anlass einer Feier des 25. Jubiläums seiner Amtseinführung in der Casa Rosada, dem Präsidentenpalast. Dort sagte er, umgeben von radikalen, sozialistischen und peronistischen Politikern: „Mein politisches Handeln war immer bestrebt, die Autonomie der demokratischen Institutionen und die rechtmäßige Regierung zu stärken“.
Dem einzigen Präsidenten, der uns zeigen… weiter lesen
Sprache verrät bekanntlich viel über das Selbstbild des Sprechers. “Links” ist die Politik der regierenden Concertación vielleicht wirklich nicht, aber sie wird auch von ihren eigenen Politikern nicht mehr “links” genannt, obwohl die Sozialistische Partei die Präsidentin stellt. Regierungspolitik in Chile ist seit längerem nur noch “progressiv”, denn Fortschritt ist ja immer gut, irgendwie. Parallel dazu verschwindet ein anderes Schlüsselwort langsam, aber sicher aus den öffentlichen Debatten: Es gibt keine Armen mehr. Ein Chilene ist nicht mehr pobre. Er gehört zum quintil más bajo*, lebt in riesgo social** oder bewohnt poblaciones económicamente vulnerables***. Obwohl die Wortwahl bisweilen gut gemeint ist, verschleiert sie eben auch.
Ausgerechnet am Ende der Amtszeit von Michelle Bachelet, deren Regierung den wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahrzehnte sozial unterfüttern sollte, könnte nun ein sprunghafter Anstieg der Armut im Land stehen. Das hat freilich mit