Archive for August, 2009

30.08.2009 von Claudius Prößer
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Rapa Nui macht dicht (Nachtrag)

von Claudius Prößer

Eine saftige Preiserhöhung für den Eintritt in den Osterinsel-Nationalpark soll jetzt den Konflikt um Rapa Nui entschärfen: Statt derzeit knapp 10 US-Dollar würde der Zugang zu Vulkankratern, Stränden und Moais für Chilenen künftig 20, für ausländische Besucher aber 60 Dollar kosten – letzteres immerhin eine Preissteigerung um mehr als 500 Prozent. Die­sen Plan hat das chilenische Innenministerium jetzt öffentlich ge­macht. Die zusätzlichen Einnahmen sollen in die Erhaltung und nach­hal­ti­ge Bewirtschaftung von Park und Insel investiert werden. Dass sich viele Osterinseltouristen von einem Aufschlag abschrecken lassen, der einen winzigen Bruchteil der gesamten Reisekosten ausmacht (die Na­tio­nal­park­be­hör­de Conaf hat ausgerechnet, dass jeder Besucher im Schnitt 2.800 US-Dollar ausgibt), ist höchst unwahrscheinlich. Aber echte Zu­gangs­be­schränkungen wie etwa bei den Galápagos-Inseln sind im markt­gläubigen Chile offenbar noch nicht vorstellbar.

28.08.2009 von Claudius Prößer
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Mit Euphorie und Spucke

von Claudius Prößer

Chiles Rockfans sind ganz aus dem Häuschen: Faith No More, zurzeit auf Reunion-Tournee, haben angekündigt, Ende Oktober in Santiago auf­zu­tre­ten. Das letzte Mal im Jahr 1995 ist mit einer kaum zu über­bie­ten­den Skurrilität in die chilenische Konzert-Geschichte eingegangen: Da­mals kamen die völlig euphorisierten Fans in den ersten Reihen auf die schrä­ge Idee, Sänger Mike Patton, wenn sie ihn denn schon nicht anfassen konn­ten, wenigstens anzuspucken. Pattons souveräne Re­ak­tion: Er spuck­te zurück und forderte das Publikum zudem auf, in seinen ge­öff­ne­ten Mund zu zielen. Eine krasse Geschmacklosigkeit, an die man sich in Chile noch heute gerne erinnert.

26.08.2009 von Claudius Prößer
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Rapa Nui macht dicht

von Claudius Prößer

Als Patricio Rosende, Staatssekretär im chilenischen Innenministerium, ges­tern auf Rapa Nui, der Osterinsel, eintraf, bekam er zur Begrüßung einen dicken Blumenkranz um den Hals gehängt, wie es auf pazifischen Inseln Brauch ist. Der Anlass seiner offiziellen Visite ist freilich aus­ge­rech­net die wachsende Unlust, mit der die Einheimischen ihre Besucher empfangen. Die Rapanui, Nachfahren der ursprünglichen polynesischen Bevölkerung, aber auch seit langem auf der Insel lebende “Kon­ti­nen­tal­chi­le­nen” sind es leid, dass immer mehr Menschen das winzige Fleckchen Land bevölkern, das 1888 von Chile annektiert wurde und der Nation seitdem den Vorwand liefert, sich als tricontinental zu rühmen: als Land, das zugleich auf dem amerikanischen, dem antarktischen und dem ozeanischen Kontinent liege.

Waren bei der letzten Volkszählung im Jahr 2002 noch knapp 3.800 In­sel­be­woh­ner registriert worden, schätzt man die Wohnbevölkerung heu­te schon auf 5.000 – von denen die indigenen Insulaner lediglich 40 Pro­zent ausmachen. Immer mehr Chilenen, die… weiter lesen

20.08.2009 von Claudius Prößer
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Sex, Lügen und Katechismus

von Claudius Prößer
Ein Heiliger der ganz besonderen Art: Marcial Maciel (Foto: dpa)


Um eine besonders unappetitliche Mischung aus Katholizismus, Per­so­nen­kult und Kindesmissbrauch ging es gestern Abend im chi­le­ni­schen Fernsehen: Der staatliche Sender TVN brachte eine Re­por­ta­ge über die Opfer von Marcial Maciel, dem Gründer der “Legionäre Chris­ti”. Der Mexikaner Maciel (1920-2008) hatte den streng kon­ser­va­ti­ven Orden im Jahr 1941 in Mexiko-Stadt gegründet, heute ist er in über 20 Ländern vetreten, über 600 katholische Priester gehören ihm an. Untrennbar mit der Kongregation verbunden ist die Laienbewegung “Regnum Christi” mit mehr als 60.000 Mitgliedern.

Der charismatische und ausgesprochen papsttreue Maciel führte indes ein Doppelleben. Seit den 60er-Jahren kursierten Gerüchte über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in den Schulen des Ordens – Gerüchte, die sich viel später bestätigen sollten. Da der Mexikaner hohes Ansehen bei Johannes Paul II. genoss – die Legionäre galten als die neue, schlagkräftige Truppe des Vatikans -,weiter lesen

15.08.2009 von Claudius Prößer
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Verseuchter Sand

von Claudius Prößer


Dass die Jahre der Pinochet-Diktatur bleiern waren, ist hinlänglich bekannt. Für manche Chilenen leider auch im Wortsinn: Mehrere tausend Einwohner von Arica, Chiles Grenzstadt zu Peru, wohnen in Häusern, die auf verseuchtem Material errichtet wurden. Die toxische Mischung, die neben Blei auch Quecksilber und Arsen enthält, wurde zwischen 1984 und 1989 von einer Firma eingeführt, die später nie die Arbeit aufnahm. Dafür wurden in nächster Nähe Sozialwohnungen für rund 15.000 Ariqueños errichtet. Die klagen seit langem über Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen, von chronischen Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu neu­ro­logischen Schäden und Missbildungen bei Neu­ge­borenen.

“Importiert” wurde der Schwermetallcocktail aus Schweden. Es handelt sich um insgesamt 21.000 Tonnen Schlacken, ein Abfallprodukt des Bergbauunternehmens Boliden AB. Weil Arica Sonderwirtschaftszone ist, mussten keine Steuern oder Abgaben für die Einführung des giftigen Materials gezahlt werden. Kontrolliert wurde dessen Toxizität auch nicht – sonst hätten die Behörden wohl festgestellt, dass es sich keineswegs um… weiter lesen

13.08.2009 von Gerhard Dilger
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10 Jahre ohne Jaime Garzón

von Gerhard Dilger

Vor zehn Jahren wurde Kolumbiens genialster Satiriker Jaime Garzón ermordet. Das Verbrechen, das auf das Konto der rechtsextremen Paramilitärs geht, ist bis heute ungeahndet geblieben.

Geradezu prophetisch muten heute jene Szenen an, in denen sich Garzón mit dem heutigen Präsidenten Álvaro Uribe beschäftigt, der damals Gouverneur des Bundesstaates Antioquia war.

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Warum sich Uribe immer noch Hoffnungen machen kann, 2010 erneut wiedergewählt zu werden, erklärte der Schriftsteller Héctor Abad Faciolince vor ein paar Tagen in der FR.

13.08.2009 von Claudius Prößer
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Akzent-Guerrilla

von Claudius Prößer
Man könnte selbst ernannte Sprachpolizisten wie den VDS (“Mehr Mut zu deutschen Wörtern” usw.) für ein teutonisches Phänomen halten, aber auch in Lateinamerika fürchten Menschen den Verfall des Spanischen und seiner korrekten Schreibung, wie dieser Blog aus Mexiko bezeugt.

Die Initiative “Acentos Perdidos” hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem schlei­chen­den Trend zur Akzentauslassung tapfer entgegenzutreten. Ins­be­son­de­re die grassierende Unsitte der reinen Großschreibung, so die Til­den­rit­ter, führe zum Verlust der kleinen, aber feinen Strichlein. Und deswegen kleben sie den obenrum kastrierten Wörtern die Akzente einfach wieder an – inklusive Erläuterung (Esta palabra se acentúa porque es esdrújula, Esta palabra se acentúa porque es aguda y acaba en vocal, -n o -s usw.). Jeder, in Mexiko oder anderswo, kann mitmachen und sich die keilförmigen Wortpflaster auf klebbares Material ausdrucken.

Am meisten ärgern sich die “Acentos Perdidos” über Unternehmen, glo­ba­le zumal, die in ihren… weiter lesen

10.08.2009 von Claudius Prößer
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Bolivianischer Regenbogen

von Claudius Prößer

Seit Jahren schon prägt die Wiphala, die regenbogenbunte Indigenen-Flagge, das Bild vieler bolivianischer Städte. Auf keiner Demonstration indigener und sozialer Bewegungen darf sie fehlen. Ab heute weht die Wiphala, die die neue bolvianische Verfassung als nationales Symbol neben die rotgelbgrüne Trikolore stellt, auch in allen Schulen von La Paz und El Alto.

Damit befolgt die Präfektur von La Paz einen Erlass der Regierung von vergangener Woche, der vorschreibt, die Wiphala in allen öffentlichen Einrichtungen neben der Trikolore zu hissen. Die oppositionellen Präfekturen des Tieflands haben bereits angekündigt, diesen Erlass zu missachten – was scharfe Kritik der regierenden MAS hervorgerufen hat.

Interessant an der quadratischen Flagge mit den 49 Feldern ist ihre reichlich ungeklärte Herkunft. Nach der Lesart vieler Indigenenvertreter geht sie direkt auf das Inkareich zurück und repräsentiert das Qulla Suyu, die südwestliche der vier inkaischen Provinzen. Andere halten sie für ein… weiter lesen

09.08.2009 von Gerhard Dilger
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Terroristenjäger

von Gerhard Dilger

Zum heutigen Tag der indigenen Völker empfehlen wir ein T-Shirt von West Wind World: