Wer die Geschichten der Atacamawüste hören will, kann 20 Stunden nach Santiago de Chile fliegen, dort einen Bus Richtung Arica nehmen, weitere 20 Stunden nach Norden fahren, sich irgendwo nördlich von Antofagasta an der Panamericana aussetzen lassen, am besten an einer verlassenen Siedlung einer Salpetermine, sich auf einen Stein setzen, den Blick in die flimmernde unendliche Weite schweifen lassen und den Geschichten lauschen, die einem die Wüste erzählt. Oder aber man kann in die Buchhandlung seines Vertrauens gehen und irgendein Buch von Hernán Rivera Letelier erwerben, sich auf eine Bank im Park oder zu Hause aufs Sofa setzen, und zu lesen beginnen.
Hernán Rivera, Jahrgang 1950, ist in der Atacama aufgewachsen. Er erzählt von der Wüste, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Salpeter, der dort abgebaut worde, zu den wertvollsten Rohstoffen der Welt gehörte. Er… weiter lesen
Das sollten sich FreundInnen der Alten Musik in Bolivien nicht entgehen lassen: Vom25. März bis zum 4. Mai 2010 steigt in Cochabamba zum dritten Mal das Bach Fest. Wie bereits in den Jahren zuvor, hat die Organisatorin und Cembalistin Elizabeth Schwimmer ein exquisites Programm zusammengestellt. Mit dabei sind dieses Jahr Ensembles, Chöre und Orchester aus Cochabamba, La Paz und Santa Cruz, sowie das Barockensemble Elbipolis aus Hamburg. Früh kommen lohnt sich – erfahrungsgemäss sind spätestens eine halbe Stunde vor Beginn alle Plätze besetzt. Wer den Autor auf der Blockflöte erleben möchte, seien die Konzerte am nächsten Dienstag und Mittwoch ans Herz gelegt.
Donnerstag 25. März & Freitag 26. März
ENSEMBLE SUMAQ WAYRA
OBRA: LA OFRENDA MUSICAL BWV 1079
Lugar: Centro Simón I. Patiño
Hrs. 19.00
Dienstag 30. März und Mittwoch 31. März
BACH FEST CORALE
ENSEMBLE BACHFEST
Robert… weiter lesen
In La Paz geht’s dieser Tage viel ums Wasser: Zum Weltwassertag gestern organisierte die Stadtverwaltung eine Wasser-Messe, auf der man sich an diversen Ständen über den verantwortungsvollen Umgang mit dem Element informieren konnte. Dazu interpretierten Musikgruppen aus dem Umland Lieder über’s – genau! – Wasser.
Wasser ist ein immer wichtigeres Thema im Hochland von Bolivien. Die Millionenstädte La Paz und El Alto beziehen ihr Trinkwasser aus Talsperren, die hauptsächlich aus Gletscherabflüssen gespeist werden. Diese Gletscher schmelzen, bedingt durch den Klimawandel, rapide: Zwischen 1997 und 2004 haben die Gletscher nach Angaben der UN etwa 25 % ihrer Masse verloren, einige deutlich mehr: Der Milliuni-Gletscher oberhalb der gleichnamigen Talsperre, ist seit 1997 um 68 % geschmolzen. Experten meinen, dass schon bald neue Quellen erschlossen werden müssen, um die Versorgung der Städte mit Trinkwasser sicherzustellen.
Dieses Wochenende haben uns zwei Einladungen zu Benefizkonzerten zugunsten der Erdbeben- und Tsunamiopfer in Chile erreicht, die wir gern weitergeben. Kommt alle und bringt Eure FreundInnen mit!
Am 30. März in Berlin:
Am 15. April in Wuppertal:
Benefiz-Konzert
Musik aus Lateinamerika mit Künstlern und Freunden aus Chile & Wuppertaler Bühnen
Es spielen: Das Martfeld Quartett – German Tenors – Ensemble Perotin – und viele andere Gruppen!
Forum Maximum im Rex-Theater
Kipdorf 29
42103 Wuppertal-Elberfeld
Ein paar Schlussfolgerungen, 12 Tage nach dem Erdbeben in Chile.
1. Auch 8,8 Grad Richter können eine Michelle Bachelet nicht erschüttern. Bei der letzten Adimark-Umfrage nach dem Beben kommt die heute scheidende Präsidentin auf sagenhafte 84 Prozent Zustimmung zu ihrer Regierungsführung. Das war nach den Ereignissen post terremoto nicht unbedingt zu erwarten. Offensichtlich honorieren die Chilenen, dass Bachelet von der Naturkatstrophe und ihren Auswirkungen sichtlich bewegt war – und nach bestem Wissen und Gewissen versucht hat, die Lage in den Griff zu bekommen. Auch wenn das nicht so recht funktioniert hat. Der Politikwissenschaftler Patricio Navia meint deshalb: In ein paar Wochen ist der Schutt weggeräumt, erst dann wird man sehen, ob auch die ehemalige Präsidentin strukturelle Schäden erlitten hat.
2. Chile war auf ein Erdbeben nicht vorbereitet – jedenfalls nicht auf so eines. Obwohl Geologen längst mit einem größeren Beben… weiter lesen
Pünktlich zur bevorstehenden Oscar-Verleihung schickt uns Martin Brauer aus Argentinien einen Text über den Film “El secreto de sus ojos”, der als “bester fremdsprachiger Film” nominiert ist:
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Wenn an diesem Sonntag in Hollywood der rote Teppich ausgerollt wird, wird die Welt erfahren, ob der Film „Das Geheimnis ihrer Augen“ den zweiten Oscar für einen argentinischen Film nach „Die offizielle Geschichte“ (1986) erhält.
Es gibt viele Berührungspunkte zwischen beiden Filmen: Zum einen beleuchten beide die dunkelste Vergangenheit Argentiniens, die Repression in den siebziger Jahren. Zum anderen war die Drehbuchautorin von „Die offizielle Geschichte“ die erste Professorin von Campanella, dem Regisseur von „Das Geheimnis seiner Augen“.
Ein Anliegen des Films ist es, den Abschnitt der argentinischen Geschichtsschreibung zu beleuchten, der eine klare Trennlinie zwischen der Präsidentschaft Isabel Peróns und dem Militärputsch im März 1976 zieht, als ob bis unmittelbar zu diesem Zeitpunkt alles in bester Ordnung gewesen… weiter lesen
Die EU-Kommission gab gestern per Pressemitteilung bekannt, dass das umstrittene Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru nun unterschriftsreif ist. Dazu erklären Sven Giegold, Mitglied der Delegation für Beziehungen zur Andengemeinschaft und Ulrike Lunacek, außenpolitische Sprecherin der Fraktion die Grünen/EFA:
Schon die verschämte Art, mit der die Europäische Kommission heute den Abschluss der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru bekannt gegeben hat, zeugt von schlechtem Gewissen. Dieses besteht zu Recht, denn dieses Abkommen ist ein Schandfleck für die Europäische Union, das weder menschenrechtlichen noch ökologischen Kriterien genügt. In den Vereinigten Staaten hat der Kongress ein Freihandelsabkommen mit Kolumbien wegen Menschenrechtsverletzungen eingefroren, doch die Europäische Kommission hat alle eindringlichen Warnungen von Gewerkschaften und NGOs in den Wind geschlagen. Offensichtlich gehen der Export von Autos und Milchprodukten und der Import von Kohle und Agrotreibstoffen vor.
In Zeiten des Lissabon-Vertrages ist es auch nicht akzeptabel, dass das Parlament über den Abschluss der Verhandlungen nur… weiter lesen
Auf dem Weg zum Supermarkt spricht der intendente im Radio. Der regionale Regierungschef lädt die Bürger von Puerto Montt dazu ein, sich solidarisch mit dem Rest des Landes zu zeigen, der vor exakt 50 Jahren mit der verwüsteten Hafenstadt ebenso solidarisch war. Der intendente hat sich eine griffige Formel ausgedacht: ALP. Das heißt agua, leche, pañales – Wasser, Milch und Windeln. Warum nicht Mehl, Öl oder Zucker gesammelt werden, weiß ich nicht, vielleicht sammeln das andere Städte. Bei “Jumbo” kaufe ich drei Kilo Milchpulver, fahre auf dem Rückweg bei der Abgabestelle vorbei und bin einer der ersten Spender. Man filmt mich.
Überhaupt: Wer sollte eigentlich spenden, wieviel und warum? Natürlich helfe ich gern, Solidarität ist wichtig. Aber haben die betroffenen Regionen, hat die Zentralregierung keine Lebensmittellager für den Katastrophenfall? Chile ist ja nicht Haiti, in normalen Zeiten ist hier nicht Unterernährung ein verbreitetes Problem,… weiter lesen