27.04.2013 von Benjamin Kiersch
Du bist Präsidentschaftskandidat der rechtskonservativen UDI in Chile und warst vorher Superminister für Energie und Bergbau im „Expertenkabinett“ von Präsident Sebastian Piñera. Für dieses Superamt qualifiziert hattest Du Dich u.a. als erfolgreicher Geschäftsführer der Cencosud Holding, des von dem Deutsch-Chilenen Horst Paulmann gegründeten Riesen-Einzelhandelskonglomerats, dem Santiago unter anderem den höchsten Phallus Lateinamerikas, das Costanera Center, verdankt.
Nun hat das Oberste Gericht in Santiago festgestellt, dass Cencosud unter Deiner Leitung sechshunderttausend Kunden betrogen hat, die eine Cencosud-Kreditkarte besitzen und mit dem grossartigen Motto „Du bist Erster“ von Deinem Unternehmen geködert wurden. Cencusud soll geschätzte 70 Millionen US Dollar an eben diese Kunden zurückzahlen. Und was sagst Du zu dem Urteil? „Als Geschäftsführer musste ich die Entscheidung des Aufsichtsrats ausführen, das war meine Aufgabe“. Und? „Deswegen stand es mir nicht zu, diese Entscheidungen zu bewerten.“
Laurence! Wenn Du schon als Cencosud-Geschäftsführer nicht Dein Gehirnkästel einschalten konntest, wie sollen sich… weiter lesen
30.01.2013 von Gerhard Dilger
Heute wird Kathrin Buhl, langjährige Aktivistin der Berliner Nord-Süd-Szene und zuletzt Büroleiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung für Brasilien und den Cono Sur, in Berlin beigesetzt. Völlig überraschend war sie kurz vor Weihnachten in São Paulo gestorben.
Besser als ihre PartnerInnen aus Südamerika kann man den Abschied kaum formulieren:
Wir kommen von weit her, um uns von Kathrin zu verabschieden. Wir fragen uns: Was ist aus ihr geworden? Wo war sie? Wo ist sie? In Brasilien? In Deutschland? Irgendwo in Lateinamerika?
Heute wollen wir sie wieder herholen, in dieses grenzenlose Land unseres kollektiven Gedächtnisses. Wir wollen unsere Worte aufschreiben, um sie mit ihren Töchtern Kati und Lisa zu teilen, damit sie eines Tages ihre Enkelin Sarita lesen kann, damit Ihr, Compañeros und Compañeras, Freundinnen und Freunde aus anderen Teilen der Welt wisst, was wir fühlen, die wir in den letzten Jahren mit ihr zusammengearbeitet haben, in einem Kontinent, der… weiter lesen
25.03.2012 von Knut Henkel
Am 23. März sind in Bolivien alle Freizeitkapitäne auf den Beinen. Dann ist der „Tag des Meeres“ und wie jedes Jahr hat Präsident Evo Morales auch diesmal versprochen, dass Bolivien in absehbarer Zeit seinen Zugang zum Meer erhalten werde.
„Die Chilenen wären verrückt, wenn sie uns auch nur einen Zipfel zurückgeben würden. Sie verdienen doch gut damit“, erklärt Richard Udler und lässt eine Blaskapelle der Marine an sich vorbeiziehen. Am 23. März ist Marschmusik angesagt rund um das Verteidigungsministerium, das heute mit zwei riesigen Transparenten dekoriert ist. Ein großes Frachtschiff ist auf dem einen zu sehen, auf dem anderen ein Kriegschiff. Der Tenor auf den beiden bunten Bannern ist der Gleiche. „Wir wollen unseren souveränen Zugang zum Meer wiederhaben“, lautet er und glaubt man Präsident Evo Morales, dann stehen die Chancen dafür gar nicht schlecht.

- Evo Morales grüßt die Militärkapellen zum Tag des Meeres
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23.11.2011 von Gaby Küppers
Interview mit Camila Vallejo, Giorgio Jackson und Francisco Figueroa (ila 350)
Nachdem der Dialog zwischen Regierung und Protestbewegung abgebrochen wurde, machten sich drei VertreterInnen der chilenischen Studierendenbewegung auf den Weg nach Europa. Hier führten sie Gespräche mit der OECD (schließlich ist Chile neben Mexiko das einzige lateinamerikanische Mitgliedsland) und mit der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf, mit dem Ergebnis, dass nun ein UN-Berichterstatter nach Chile fährt. Auf vielen öffentlichen Veranstaltungen und auch im Europäischen Parlament berichteten sie über ihre Anliegen. Am Tag nach dem Besuch in Brüssel ging es wieder zurück nach Santiago, wo es auf den jüngsten Demos Hunderte Verhaftete gegeben hat. Nach Meinungsumfragen stehen 80 Prozent der chilenischen Bevölkerung steht hinter den Studierenden und ihren Forderungen.
Das Interview mit Camila Vallejo, Giorgio Jackson und Francisco Figueroa von der Führung des chilenischen Studierendenverbandes CONFECH fand vor einem guten Monat in Brüssel statt. … weiter lesen
16.10.2011 von Gerhard Dilger
Auf den Demonstrationen in Lateinamerika war neben den indignad@s , den “Empörten” aus Spanien, der chilenische Frühling der wichtigste Bezugspunkt.

Fotos: Der 15.10.11 in Porto Alegre
Chile ist auf dem Subkontinent derzeit die Hochburg systemkritischer Proteste.

Gestern gingen wieder Zehntausende auf die Straße. In Santiago zogen über 30.000 vom Hauptgebäude der staatlichen Universität von Chile, das seit vier Monaten besetzt ist, in einem bunten Festzug über die Prachtallee Alameda zum O’Higgins-Park.

“Echte Demokratie jetzt!”
Neben SchülerInnen und Studierenden waren viele Familien und auch RentnerInnen unterwegs. “Wir sind Opfer eines gewalttätigen und unmenschlichen Wirtsschaftssystems”, sagte die Lehrerin Edelmira Pacheco.

“Wir wollen 10 Prozent des BIP für öffentliche Bildung”
Thematische Schwerpunkte setzten die Demonstranten an mehreren “Stationen”: Dort inszenierten sie ihre Forderungen… weiter lesen
08.09.2011 von Gerhard Dilger
Wieder einmal waren die puertoricanischen Politrapper von Calle 13 in Chile. Unvergessen ihr Auftritt beim diesjährigen Sommerfestival in Viña del Mar:
03.09.2011 von Benjamin Kiersch
Am heutigen Samstag werden VertreterInnen der Studenten, Lehrer, Schüler und Eltern mit Präsident Sebastián Piñera, Bildungsminister Felipe Bulnes sowie Parlamentariern im Präsidentenpalast über die Zukunft des chilenischen Bildungssystems diskutieren. Die massiven Proteste der Studenten und Schüler halten Chile seit mehreren Monaten in Atem. Nachdem Erziehungsminister Bulnes noch in der letzte Woche vorgab, die Regierung werde keine direkten Gespräche mit VertreterInnen der Studenten führen, lud Präsident Piñera die Studenten kurz darauf doch zum Dialog in den Moneda-Palast ein.
In Kooperation mit der chilenischen Zeitung El Ciudadano präsentiert Latin@rama exklusiv im Internet Auszüge aus einem Interview mit der Sprecherin der chilenischen Studentenbewegung Camila Vallejo für die Leserinnen und Leser des Blogs. Das Original-Interview ist in der aktuellen Ausgabe des Ciudadano zu lesen, die an allen gut sortierten Kiosken in Chile zu haben ist.
Die Fragen an Frau Vallejo stellte Sergio Jara Ramón. Übersetzung: B.K.
Welche konkrete Antwort… weiter lesen
28.08.2011 von Gerhard Dilger
Porto Alegre (epd). Dialog nach monatelangen Massendemonstrationen für eine Bildungsreform in Chile: Am Dienstag soll es zu ersten Gesprächen zwischen der Studentenbewegung und dem konservativen Präsidenten Sebastián Piñera kommen. In der Provinzhauptstadt Temuco versammelten Studenten nahmen ein Dialogangebot des Staatschefs an, wie die Tageszeitung La Tercera am Sonntag berichtete.
Studentenführerin Camila Vallejo (Foto: dpa) sprach von einer “ersten Annäherung”. Vor einem wirklichen Dialog müsse die Regierung aber die “Repression” gegen Schüler und Studenten beenden, sagte die 23-Jährige. Am Ende eines zweitägigen Generalstreiks war am Freitagmorgen ein 16-jähriger Schüler in Santiago erschossen worden. Zeugen zufolge wurden die tödlichen Schüsse aus einem Polizeiauto abgegeben.
Seit Mai gehen chilenische Schüler, Studenten und Lehrer Woche für Woche für ein gutes und kostenloses Bildungssystem auf die Straße. Mit ihren Forderungen sympathisieren 80 Prozent der Chilenen. Der Rückhalt für den rechtsgerichteten Staatschef lag zuletzt nur noch bei 26 Prozent.
Für… weiter lesen
27.08.2011 von Benjamin Kiersch
Latin@rama dokumentiert den Bericht einer Frau, deren siebzehnjähriger Sohn am 23. August 2011 in einem Polizeirevier in Peñalolén, Santiago de Chile, festgehalten und misshandelt wurde. Die Autorin ist dem Autor des Blogs und Übersetzer des Textes bekannt. Er sieht keinen Grund, an der Authentizität des Beschriebenen zu zweifeln.
Anderthalb Seiten Text mit nur zwei Satzzeichen versuchten die Tatsachen zu beschreiben, aufgrund derer ich um 2:15 Uhr morgens [am 24. August 2011] im 43. Polizeirevier von Peñalolén Anzeige erstattete.
Der Text, den der diensthabende Beamte zu formulieren versuchte, konnte nur schwer meine Frustration und den tiefen Schmerz ausdrücken, den ich angesichts dessen empfand, was mein Sohn und ich in den vergangenen Stunden durchgemacht hatten.
Die Aussagen Dutzender Zeugen, dass die vier siebzehnjährigen Jugendlichen nichts mit der Demonstration in der Nähe zu tun hatten, konnten nicht verhindern, dass die Jugendlichen festgenommen und in ein Polizeifahrzeug gebracht wurden. Es scheint, als… weiter lesen