04.02.2012 von Peter Strack
„Derzeit ist nur wenig Andrang”, machte mir der schon von wiederholtem Anstehen bekannte Mitarbeiter der Migrationsbehoerde im bolivianischen Cochabamba Hoffnung, als ich ihn letztens zufaellig im Kleinbus traf. Auf dem Weg in seine Behoerde. Und in der Schlange, die an diesem Morgen recht schnell voranrueckte, standen auch kaum mehr als 20 Interessenten, brasilianische Studenten, Priester, Nonnen … Aber als ich nach einer halben Stunde dran war, hiess es nur: Um 14 Uhr 30 wiederkommen!
Die Wartenummern, mit denen man sich die Zeit ein wenig einteilen koennte, und von denen ein Hinweisschild anweist, sie sich zu besorgen, gaebe es nicht. Fast puenktlich stand ich nachmittags wieder vor dem Buero Nummer 3, das zum wiederholten Male die gleichen Angaben aufnehmen, in den Computer eingeben und ein Foto fuer den neuen Ausweis machen sollte. Die Zahl der Wartenden, die sich um vier Stuehle draengten und immer wieder von Polizisten gebeten wurden, doch… weiter lesen
31.01.2012 von Knut Henkel
Kubas Kommunisten haben sich am Wochenende zur Klausur getroffen. Die Debatte der gesellschaftlichen Probleme und die Reformen standen im Vordergrund. Weitermachen lautet das Credo bei den Reformen, aber bitte hüsch langsam. Für Homo- und Transsexuelle sowie die schwarze Minderheit könnte sich die Konferenz jedoch positiv bemerkbar machen.

Mariela Castro, Kubas prominenteste Kämpferin für Schwulen-, Lesben- und Transsexuellenrechte
In Kuba ist die Partei das Organ, welches die Geschicke der Insel steuert – wichtiger als die Gesellschaft und der Staat. So steht es in der Verfassung des Landes. Folgerichtig war im Vorfeld der 1. Konferenz der Partido Comunista de Cuba (PCC) spekuliert worden, ob es auf der Konferenz einen neuen Reformschub geben könne. Doch alle Hoffnungen in diese Richtung hatte der 1. Sekretär der PCC und Staatschef Raúl Castro schon im Vorfeld der Konferenz eine Absage erteilt, bei der turnusmäßigen Sitzung des Parlaments Ende Dezember.… weiter lesen
08.11.2011 von Gerhard Dilger
Meine Zimmernummer in Manaus lautet 1001.
Wie ein Märchen aus Tausendundeinernacht mutet auch La source des femmes von Radu Mihaileanu an, jener Wettbewerbsbeitrag vom Amazonas Film Festival, der bisher im Opernhaus der Amazonasmetropole mit Abstand den meisten Beifall bekam.
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Der “Quell der Frauen”, gerade in den französischen Kinos angelaufen, ist eine flott gedrehte Utopie, die in einem ungenannten Maghrebdorf spielt. Munter bedient sich Mihaileanu in der griechischen Antike, beim französischen Orientalismus des 18. Jahrhunderts sowie bei zeitgenössischen feministischen Diskursen und strickt aus all dem eine politisch korrekte Komödie.
Selbst wenn der Film bewusst mit Stereotypen arbeitet – aber welches Märchen tut das nicht? – unter dem Strich ist er auch noch ein wunderbares Gegengift zur antiislamischen Hysterie in Europa.
15.10.2011 von Gerhard Dilger
Die neue Miss Germany Brasil ist gekürt.

Es handelt sich um die 18-jährige Rute Bock (l.) aus Agudo im Bundesstaat Rio Grande do Sul.
via BrasilAlemanha
08.10.2011 von Gerhard Dilger

Über die Zustände an der Deutschen Schule Puebla erreichen uns folgende Informationen mit der Bitte um Veröffentlichung. Vor kurzem war die Korruptionsaffäre Thema einer Reportage im angesehenen Wochenmagazin Proceso.
Ein Gericht in Mexiko hat ein Verfahren gegen zwei ranghohe VW-Manager eröffnet. Dabei geht es um Unterschlagung und die illegale Auflösung eines Treuhandfonds von 24 Millionen Pesos (rund 1,4 Mio Euro). Thomas Karig, Vizepräsident von VW Mexiko, und Eric Merkel Reyes, Generaldirektor für Nutzfahrzeuge, wird vorgeworfen, einen Treuhandsfonds, den die Deutsche Schule in Puebla für Witwen und Waisen eingerichtet hatte, widerrechtlich aufgelöst und das Geld abgezogen zu haben. Klage erhoben hat der Elternbeirat der Schule. „Davon betroffen sind über tausend Schüler“, so der Vorsitzende des Elternbeirats, Augusto Galván.
Die Vorfälle datieren aus den Jahren 2003 und 2005, als der damalige Elternbeirat widerrechtlich und ohne demokratische Wahl in der Hand von Angestellten und Lieferanten der Schule sowie Verwandten und
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06.10.2011 von Knut Henkel
Hollman Morris (42) ist über die Fernsehsendung „Contravía“ mit gut recherchierten Reportagen über das andere Kolumbien bekannt geworden. So bekannt, dass er derzeit mit einem Stipendium der Harvard University in Washington arbeitet. In Kolumbien ist es zu gefährlich für ihn. Ende September erhielt er den Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg für seine Arbeit.
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26.09.2011 von Knut Henkel
Die 26. Straße treibt den Menschen in Bogotá tagtäglich den Zorn ins Gesicht, denn eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt ist Baustelle. Da sorgt für Staus, Mißmut und Wut. Zurecht, denn der Umbau der Straße war schlecht geplant, kostet Unmengen an Geld und lässt dubiose Politiker und Baufirmen profitieren. Eine kolumbianische Realitätssatire. … weiter lesen
19.09.2011 von Hildegard Willer
Am Samstag habe ich ein kulinarisches Opfer gebracht: Anstatt für umgerechnet 2 Euro so klangvolle Gerichte wie “Japanisches Schwein mit Thai-Reis”, “Lasagne a la Huancaina mit geschmorten Brustspitzen und Butterkäse aus Cajamarca” oder “Schwarze Nudeln auf Macho-Art” der besten Restaurants Lima zu kosten, habe ich eineinhalb Stunden angestanden, um eine Portion Pommes mit Wurst für 3 Euro zu essen. Grund dafür waren nicht etwa heimatliche Gefühle beim Anblick der Würstchenbude, sondern journalistische Neugier.
Der Hit auf der grössten Kulinarik-Messe Lateinamerikas “Mistura” in der peruanischen Hauptstadt waren nämlich nicht die Gerichte der Edelrestaurants sondern die Pommesbude. Schmeckt Wurst mit Pommes in Lima – der Heimat so schmackhafter Gerichte wie “Ceviche” (Roher Fisch, besser als jedes Sushi!), des Kartoffelgerichtes “Causa Limeña” oder der Fischsuppe “Parihuela” – etwa besser als in Berlin oder Brüssel? Ich machte die Probe aufs Exempel.
“Die Kartoffeln sind mit Schale, das macht… weiter lesen
23.08.2011 von Knut Henkel
In Washington ist wieder mal die Liste der des Terrors verdächtigen Staaten veröffentlicht worden. Kuba steht wie gewohnt drauf. Für die Regierung in Havanna ist das eine der typischen Provokationen aus Washington, und dahinter steckt eine alte Bekannte. … weiter lesen
05.06.2011 von Hildegard Willer
“Memorex” – die Pille für alle, die an gesellschaftlichem Gedächtnisschwund leiden. Als solcherart verpackte “Medizin” brachten die Keiko-Fujimori-Gegner in den letzten Tagen die Übeltaten des Fujimori-Regimes der 90-er Jahre wieder in Erinnerung.
Wenn man allerdings verstehen will, warum die Peruaner heute die Wahl zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten der Extreme haben, dann reicht eine geringere Dosis Memorex: auf den Tag genau vor zwei Jahren kündigte sich im Massaker von Bagua bereits an, dass im neuen Wirtschaftswunderland Peru einiges faul ist.
Zur Erinnerung: die Indigenas des Amazonastieflandes hatten monatelang gegen die von Alan García vorgesehenen neue Eigentumsregelung des Amazonasgebietes protestiert. Der peruanische Staat wollte die Gemeinschaftsrechte der Indigenas einschränken, um einfacher Schürf- und Bohrrechte an in- und ausländische Investoren vergeben zu können. Protest heisst in Peru meist die Blockade einer der grossen und wenigen Überlandstrassen. So blockierten vor zwei Jahren auch die Indigenas die Strasse zu einem für die Hauptstadt wichtigen… weiter lesen