12.02.2012 von Hildegard Willer
Gut 10 000 Bergbaugegner sind am Freitag, den 10. Februar durch Lima marschiert, um im Parlament zwei Gesetzesentwürfe abzugeben: einer soll den Bergbau in Wasserquellgebieten untersagen; der andere Bergbau mittels Zyanid und Quecksilber (was bei der momentanen Technologie einer de-facto-Einstellung des Gold- und Silberbergbaus entsprechen würde). Das letzte Mal waren soviele Menschen Ende Mai 2011 auf den Strassen Limas, um gegen die Kandidatin Keiko Fujimori zu protestieren und für den Kandidaten Humala. Dieses Mal sind es Bergbaugegner aus ganz Peru, die ihre Forderungen auf die Strassen der Hauptstadt tragen.

Am Protestmarsch haben vor allem Bürgerinitiativen aus ganz Peru teilgenommen, die sich gegen Bergbauprojekte auf ihren Gebieten wehren. Konkreter Anlass für den Protestmarsch sind die Auseinandersetzungen um das geplante Goldabbauprojekt “Conga” in Cajamarca, im Norden Perus. In einem 10-tägigen Fussmarsch waren gut 500 Bauern aus Cajamarca nach Lima gekommen , um gegen das von der Regierung Humala unterstützte Projekt zu… weiter lesen
28.11.2011 von Hildegard Willer
Drei Meldungen, die erst mal nichts miteinander zu tun haben:
1) Die Raiffeisenbank in meinem Allgäuer Heimatdorf verkauft ihren Kunden normalerweise solide Sparbriefe und finanziert die lokalen Betriebe oder den beliebten Häuslesbau. Gross war mein Erstaunen, als der Bankangestellte bei meinem letzten Besuch einen Prospekt hervorzog und meinte, da gäbe es auch noch sichere Anlagen in Minenprojekten in fernen Ländern….
2) Meldung in der peruanischen Wirtschaftszeitung “Gestión” vom 28. November 2011: Die USA hat ihren Platz als zweites Hauptexportland für peruanische Produkte eingebüsst. Die meisten peruanischen Ausfuhren gehen weiterhin nach China. Den zweiten Platz hat die kleine Schweiz den USA abgerungen.
3) Seit einer Woche tobt in Peru eine heftige Auseinandersetzung ob der Umweltgenehmigung für das geplante Grossabbauprojekt “Conga” in der nordperuanischen Provinz Cajamarca. Teile der lokalen Bevölkerung wehren sich mit Strassenprotesten und Blockaden gegen das Projekt. Für die seit Juli amtierende Regierung Humala steht die Entscheidung an, ob sie… weiter lesen
25.11.2011 von Gerhard Dilger
Von Stephanie Boyd, Lateinamerika Nachrichten 450
Nach den Wahlen in Peru, aus denen der linksnationalistische Ollanta Humala als Sieger hervorgegangen ist, sind die Erwartungen auf dem Land hoch. Von dort bekam er den Großteil seiner Stimmen und die Bewohner_innen erwarten, dass er sich wie im Wahlkampf versprochen für ihre Rechte einsetzt und diese gegen Großkonzerne verteidigt. In Asacasi, einem kleinen Dorf, dessen Lebensgrundlage durch ein Kupferbergbauprojekt bedroht ist, treffen die Anwohner_innen die ersten präventiven Maßnahmen, um sich gegen den schweizerischen Konzern Xstrata zu wehren.
Die Straße ist mehr als schlecht. Es würde vieler Leute, schwerer Maschinen und mehrerer Wochen harter Arbeit bedürfen, um sie erst einmal in einen schlechten Zustand zu bringen. Ohne Vorwarnung endet der Asphalt bereits nach zwanzig Minuten Fahrt außerhalb von Cuzco, der Touristenstadt mit ihren 5-Sterne-Hotels und Sushi-Restaurants. Und das, obwohl mein Ziel, die Stadt Tambobamba, nicht irgendein vergessener Ort im Niemandsland ist. Tambobamba ist die Hauptstadt der Provinz Cotabambas und liegt nur ein paar Fahrstunden entfernt vom massiven Las- Bambas-Kupferprojekt, das sich momentan in der Bauphase befindet.
Normalerweise profitieren Städte, die an Straßen zu Bergbauprojekten liegen, von einer vernünftigen Straßenanbindung – vor allem wenn es die Straße zur Provinzhauptstadt ist. Nicht so Tambobamba. Die Arbeiter_innen des Bergbauunternehmens werden per Hubschrauber eingeflogen und die Straße verbleibt in einem armseligen Zustand. … weiter lesen
21.09.2011 von Knut Henkel
In der Grenzregion im Norden Perus befinden sich große Vorkommen an Kupfer und Molybdän. Die sollen in der Erde bleiben, wenn es nach der lokalen Bevölkerungsmehrheit geht. Das sehen allerdings nicht alle so, wie ein Angriff auf Perus bekanntesten Umweltschützer Marco Arana zeigt.
Marco Arana war auf dem Weg zu den Feiern anläßlich des vierten Jahrestags des Referendums in Huancabamba. Dort hatten am 18. September 2007 mehr als 90 Prozent der Bewohner der Provinzstadt im Norden Perus für die Landwirtschaft und gegen den Bergbau gestimmt. Ein Erfolg für den Erhalt des einzigartigen Ökosysstems in der Region, den Arana, ein ehemaliger Pater, der vor zehn Monaten in die Politik ging, mit den lokalen Umweltaktivisten feiern wollte.

Marco Arana ist Perus bekanntester Umweltschützer und wurde 2009 vom Time Magazine zum "Held der Umwelt" gekürt.
Doch als der Wagen Aranas das Dorf Cajas Capsol passierte, wurde der PKW von Kugeln und… weiter lesen
19.09.2011 von Hildegard Willer
Am Samstag habe ich ein kulinarisches Opfer gebracht: Anstatt für umgerechnet 2 Euro so klangvolle Gerichte wie “Japanisches Schwein mit Thai-Reis”, “Lasagne a la Huancaina mit geschmorten Brustspitzen und Butterkäse aus Cajamarca” oder “Schwarze Nudeln auf Macho-Art” der besten Restaurants Lima zu kosten, habe ich eineinhalb Stunden angestanden, um eine Portion Pommes mit Wurst für 3 Euro zu essen. Grund dafür waren nicht etwa heimatliche Gefühle beim Anblick der Würstchenbude, sondern journalistische Neugier.
Der Hit auf der grössten Kulinarik-Messe Lateinamerikas “Mistura” in der peruanischen Hauptstadt waren nämlich nicht die Gerichte der Edelrestaurants sondern die Pommesbude. Schmeckt Wurst mit Pommes in Lima – der Heimat so schmackhafter Gerichte wie “Ceviche” (Roher Fisch, besser als jedes Sushi!), des Kartoffelgerichtes “Causa Limeña” oder der Fischsuppe “Parihuela” – etwa besser als in Berlin oder Brüssel? Ich machte die Probe aufs Exempel.
“Die Kartoffeln sind mit Schale, das macht… weiter lesen
14.09.2011 von Hildegard Willer
Nein, es ist kein Oxymoron, keine rhetorische Verschleifung zweier Gegensätze: Peru erlebt Flitterwochen.
Mit seinem neuen Präsidenten, mit seiner Fussballmannschaft und natürlich mit seiner Gastronomie. Etwas ungewohnt für ein Land, das sich so lange als Armenhaus und “failing state”, als Land der Extreme vorkam. Zuletzt als sich der Linksnationalist und ehemalige Putschist Ollanta Humala und die Diktatorentochter Keiko Fuijmori in der Stichwahl gegenüber standen. Humala gewann, unter grössten Bedenken sowohl aus Wirtschaftskreisen wie auch aus Kreisen derjenigen, die um die Demokratie in Peru fürchteten. 6 Wochen nach seinem Amtsantritt kann Ollanta Humala auf den Rückhalt von 70% der Bevölkerung zählen, wie eine jüngste landesweite Umfrage ergab. Das sind fast 20% mehr als die 52%, die vor drei Monaten für Humala gestimmt haben. Drei Gründe mögen den Ausschlag geben für diese hohe Beliebtheit:
Zum einen hat Humala mit der Ernennung eines marktfreundlichen Finanzministers die aufgeschreckten Wirtschaftskreise beruhigt. Nachdem Miguel Castilla… weiter lesen
29.08.2011 von Hildegard Willer
Am Freitag jährte sich zum 8. Mal der Jahrestag der feierlichen Überreichung des Berichtes der peruanischen Wahrheitskommission. Die Empfehlungen des hochgelobten Berichtes sind bisher nur teilweise umgesetzt worden. Vor allem die fehlenden oder von den Opfern als zu niedrig angesehenen Reparationszahlungen geben Anlass zu Protest.
Im Gegenzug findet man in verschiedensten Orten der Südanden immer mehr symbolische Erinnerungsorte an die Opfer des Bürgerkrieges. Im Juli fand an der Universität Hamburg eine deutsch-peruanische Tagung zum Thema “Erinnerungskultur in Peru” statt. Dort wurde auch die kritische Frage gestellt, wie sehr diese symbolische Erinnerungskultur in Peru dem “Goodwill” von Geberländern wie Deutschland geschuldet ist, oder ob sie tatsächlich im peruanischen Volk verankert ist.

Ein von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gefördertes "Erinnerungsmuseum" in Ayacucho, Peru
Fast 30 Jahre ist es her, dass Angélica… weiter lesen
28.07.2011 von Gerhard Dilger
07.06.2011 von Gerhard Dilger
Südamerikas Linke darf sich über den Wahlsieg von Ollanta Humala in Peru freuen.

Es ist eingetreten, womit vor Monaten kaum jemand gerechnet hatte: Die durch und durch neoliberale, stark auf die USA ausgerichtete Pazifikachse, die zwei Jahrzehnte lang von Chile über Peru nach Kolumbien reichte, hat einen kleinen Riss bekommen. Unter Humala wird sich Peru stärker am Projekt einer Integration Südamerikas unter sozialem Vorzeichen beteiligen, das unter der Führung Brasiliens langsam Formen annimmt.
Von der Autokratentochter Keiko Fujimori hatten sich in- und ausländische Kapitalinteressen eine noch autoritärere Version eines Systems versprochen, durch die die Ressourcen des Andenlandes immer ungehemmter verscherbelt wurden. Inzwischen sind nahezu sämtliche Öl- und Bergbaureserven zur Ausbeutung freigegeben, doch beim Volk kam von den astronomischen Wachstumsraten kaum etwas an.
Auch deshalb ist die ehedem linke Apra-Partei von Nochpräsident Alan García von der Bildfläche verschwunden. Mehr noch: Die vier Kandidaten, die allesamt eine Fortsetzung seines… weiter lesen
05.06.2011 von Hildegard Willer
“Memorex” – die Pille für alle, die an gesellschaftlichem Gedächtnisschwund leiden. Als solcherart verpackte “Medizin” brachten die Keiko-Fujimori-Gegner in den letzten Tagen die Übeltaten des Fujimori-Regimes der 90-er Jahre wieder in Erinnerung.
Wenn man allerdings verstehen will, warum die Peruaner heute die Wahl zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten der Extreme haben, dann reicht eine geringere Dosis Memorex: auf den Tag genau vor zwei Jahren kündigte sich im Massaker von Bagua bereits an, dass im neuen Wirtschaftswunderland Peru einiges faul ist.
Zur Erinnerung: die Indigenas des Amazonastieflandes hatten monatelang gegen die von Alan García vorgesehenen neue Eigentumsregelung des Amazonasgebietes protestiert. Der peruanische Staat wollte die Gemeinschaftsrechte der Indigenas einschränken, um einfacher Schürf- und Bohrrechte an in- und ausländische Investoren vergeben zu können. Protest heisst in Peru meist die Blockade einer der grossen und wenigen Überlandstrassen. So blockierten vor zwei Jahren auch die Indigenas die Strasse zu einem für die Hauptstadt wichtigen… weiter lesen