Dieser Tage steckte an der Haustuer ein kleiner fotokopierter Zettel der Nachbarschaftsorganisation unseres Viertels in Cochabamba: Mittwochabend mexikanische Mariachi-Musik, Donnerstagmorgen Aufmarsch der Schuelerinnen und Schueler sowie die Pflicht, die Nationalflagge am Haus anzubringen. Anlass ist der 6. August, bolivianischer Nationalfeiertag. Teilnahme sei Pflicht, den Widerspenstigen werden 50 Bolivianos (umgerechnet gut 5 Euro) Strafe angedroht.
Bislang wurden solche Drohungen nicht wahrgemacht. Sei es aus Anlass des offiziellen Starts der Verlegung der Gasleitungen fuer Privathaushalte, oder weil es einen Diebstahl gegeben hat und Schutzmassnahmen vereinbart werden sollen.
Und so ist unsere Strasse erst am 6. August selbst einigermassen beflaggt. Wir haben ohnehin keine dieser patriotischen rot-gelb-gruenen Textilien im Haus, weder als einfaches Tuch, geschweige denn in der seidenglaenzenden Ausgabe. Hoechstens eine klitzekleine, inzwischen arg verblasste Whipala, die Fahne der indigenen Bewegungen des Hochlands, die bei den Protesten der sozialen Bewegungen um die Jahrtausendwende fast ueberall praesent waren.
Aber die Whipala… weiter lesen
