16.10.2011 von Gerhard Dilger
Auf den Demonstrationen in Lateinamerika war neben den indignad@s , den “Empörten” aus Spanien, der chilenische Frühling der wichtigste Bezugspunkt.

Fotos: Der 15.10.11 in Porto Alegre
Chile ist auf dem Subkontinent derzeit die Hochburg systemkritischer Proteste.

Gestern gingen wieder Zehntausende auf die Straße. In Santiago zogen über 30.000 vom Hauptgebäude der staatlichen Universität von Chile, das seit vier Monaten besetzt ist, in einem bunten Festzug über die Prachtallee Alameda zum O’Higgins-Park.

“Echte Demokratie jetzt!”
Neben SchülerInnen und Studierenden waren viele Familien und auch RentnerInnen unterwegs. “Wir sind Opfer eines gewalttätigen und unmenschlichen Wirtsschaftssystems”, sagte die Lehrerin Edelmira Pacheco.

“Wir wollen 10 Prozent des BIP für öffentliche Bildung”
Thematische Schwerpunkte setzten die Demonstranten an mehreren “Stationen”: Dort inszenierten sie ihre Forderungen… weiter lesen
09.10.2011 von Gerhard Dilger
Von der diesjährigen Bienal do Mercosul in Porto Alegre:
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Mit diesem Stück hat der ecuadorianische Künstler Jonathan Harker zusammen mit den Panameños Iñaki Iriberri und Rodrigo Sánchez de Señor Loop folgenden Klassiker aus dem Jahr 1946 aufs Wunderbarste kannibalisiert:
22.08.2011 von Gerhard Dilger
08.08.2011 von Gerhard Dilger
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert – nach diesem Motto handeln die meisten brasilianischen Parlamentarier seit jeher. Als Oppositionspolitiker sah Luiz Inácio Lula da Silva 1993 im Kongress von Brasília eine Mehrheit, die “nur ihre eigenen Interessen verteidigt”. Daran hat sich wenig geändert. So pflegt man sich nach Wahlen saftige Gehaltserhöhungen zu genehmigen. Im Dezember 2010 stockten die Kongressmitglieder ihre Diäten um 62 Prozent auf, Regionalabgeordnete und Stadträte im ganzen Land zogen nach.
Das Landesparlament in Porto Alegre beschloss mit 36 zu 11 Stimmen gleich eine Erhöhung um 73 Prozent auf gut 20.000 Reais, das sind um die 8.750 Euro und ein Vielfaches dessen, was beispielsweise Lehrer verdienen. Der gesetzliche Mindestlohn liegt sogar bei nur 265 Euro.
Flugs komponierte Tonho Crocco, ehedem Frontmann der Politrocker Ultramen, einen flotten Protest-Rap mit dem Titel “Gangue da Matriz”. Die Liste der namentlich genannten 36 Ja-Stimmer, “Kapitalisten und… weiter lesen
16.05.2011 von Gerhard Dilger
Während in Europa diverse Ligen zu Ende gingen, wurden in Brasilien die meisten Regionalmeister gekürt. In Porto Alegre sah gestern alles nach einer Titelverteidigung von Grêmio aus. Die Schwarz-Blau-Weißen liefen mit einem beruhigenden 3:2-Vorsprung aus dem Hinspiel beim Lokalrivalen Internacional ins heimische Olímpico-Stadion ein.
“Fica Falcão” (Bleib, Falcão) – mit solchen Schildern verhöhnten die Grêmio-Fans Inter-Trainer Falcão, der die colorados, die Roten, im April in höchster Not übernommen hatte.
Doch die Spielerlegende der 70er und 80er, zuletzt als Globo-Kommentator und Kolumnist aktiv, stellte sich vor dem Spiel demonstrativ cool vor die Ränge und wechselte noch in der ersten Halbzeit den spielentscheidenden Ex-Schalker Zé Roberto ein.
Nach dem Libertadores-Titel im August 2010 war es mit Inter nur noch bergab gegangen: Im Turnier um den Weltpokal schieden die siegesgewissen Brasilianer im Halbfinale gegen Afrika-Champion Mazembe aus, in die Regionalmeisterschaft Gauchão startete man blamabel.
Unter Falcão… weiter lesen
02.03.2011 von Gerhard Dilger

Moacyr Scliar ist tot. Und ganz Porto Alegre trauert. Das ist durchaus keine Übertreibung, denn gab wohl keinen Schriftsteller, der in Brasilien über alle – auch ideologischen – Grenzen so beliebt war. Das stimmt vor allem in seiner Heimatstadt. Hier war Scliar, der stets gut gelaunte, humorvolle und leidenschaftliche Arzt, Erzähler und Kolumnist jüdischer Herkunft auch noch ein Symbol des Regionalstolzes – allerspätestens seit seiner Wahl in die Brasilianische Akademie der Geisteswissenschaften vor acht Jahren.
73 Jahre wurde der Sohn einer bessarabischen Auswandererfamilie alt, mindestens 73 Bücher hat er allein in Brasilien veröffentlicht. Er gehörte auch zu den meistausgezeichneten, meistübersetzten Autoren des Landes. Seine ins Deutsche übertragenen Klassiker wie Die Ein-Mann-Armee (1973) oder Ein Zentaur im Garten (1980) sind nur noch antiquarisch erhältlich, seine Kurzgeschichten wurden im deutschen Sprachraum nur vereinzelt veröffentlicht. In den USA hingegen fand er große Anerkennung.
Zum Allerbesten gehören neben einer ganzen Reihe… weiter lesen
15.11.2010 von Gerhard Dilger
Unter kultur- und sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten erscheint das Konzert Paul McCartneys am Sonntag, dem 7. November 2010, im südbrasilianischen Porto Alegre auf den ersten Blick unergiebig. Allerdings bat der 68-jährige Ex-Beatle gegen Ende seines fast dreistündigen, gewohnt professionellen, aber dennoch rundum begeisternden Auftritts im fast ausverkauften Beira-Rio-Stadion zwei seiner jungen weiblichen Fans auf die Bühne. Auf einem großen Plakat hatten sie ihn um ein Autogramm auf den Arm gebeten, das sie sich anschließend eintätowieren lassen wollten.
Wie sich in der kurzen Unterhaltung mit McCartney herausstellte, kamen die beiden Mädchen aus Porto Alegre und Florianópolis. Letzteres löste in dem mit einem ausgeprägten Regionalstolz ausgestatteten Publikum, das der Rockmusiker zuvor mit fast akzentfrei vorgetragenen Redewendungen wie “ah, eu sou gaúcho (“Ah, ich bin Gaúcho” – also Einwohner des Bundesstaates Rio Grande do Sul) umschmeichelt hatte, Pfiffe aus, worauf McCartney erstaunt fragte: “What’s wrong with Florianópolis?”, um sogleich hinzuzufügen: “I’m from Liverpool.”
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03.07.2010 von Gerhard Dilger
Joelma Lima aus Porto Alegre wusste es schon wenige Minuten nach dem Abpfiff: Mick Jagger ist schuld an Brasiliens WM-Absturz!

Der Rolling Stone, der zum Holland-Spiel mit seinem brasilianischen Sohn auf der VIP-Tribüne aufgetaucht war, “hat doch schon vorher den Amis und England Pech gebracht”, sagte die Obstverkäuferin augenzwinkernd.
Brasiliens Twitter-Gemeinde, die bis zum späten Freitagabend die weltweiten trending topics dominierte, machte – in dieser Reihenfolge – drei Hauptschuldige aus: Mick Jagger, Trainer Dunga und den Unglücksraben Felipe Melo.
Ein typischer Tweet:
Matemática da copa: Mick Jagger FDP + Felipe Melo FDP + Juíz inexperiente + Dunga Burro – Ronaldinho Gaúcho = Adeus Hexa + Maradona Pelado
also:
WM-Mathematik: Hurensohn* Mick Jagger + Hurensohn Felipe Melo + unerfahrener Schiedsrichter + Esel-Dunga – Ronaldinho Gaúcho = Tschüss sechster Stern + splitternackter Maradona

* FDP: filho-da-puta
11.12.2009 von Gerhard Dilger
Am letzten Sonntag, dem 38. und letzten Spieltag des Brasileirão, der Brasilienliga, fiel die Entscheidung um den Titel. Vier Mannschaften hatten die Chance, Meister zu werden – Flamengo aus Rio, Internacional Porto Alegre sowie die beiden paulistaner Clubs Palmeiras und São Paulo.
“Theoretisch”, sagt Nadia Saccol, 43, Verkäuferin in meinem Tante-Emma-Laden um die Ecke und “seit 43
Jahren” Inter-Fan. “Ist doch klar, dass Grêmio das Spiel hergegeben hat”.
Den standesgemäßen Sieg über Absteiger Santo André vorausgesetzt, war Inter nämlich auf die Schützenhilfe des Lokalrivalen Grêmio angewiesen, der bei Flamengo antrat. Schon bei einem Unentschieden in Rio wären die colorados bei gleicher Punktzahl Meister gewesen.
Fest zur Niederlage entschlossen, schickte die Vereinsführung Grêmios nur die zweite Garnitur auf den Platz. Doch die schlug sich wacker, ging sogar in Führung und unterlag schließlich nur 1:2.
Für Nadia, die das Match in Rio am Fernseher und das in Porto Alegre im… weiter lesen
04.12.2008 von Gerhard Dilger
Internacional Porto Alegre hat gestern Nacht den Südamerikapokal gewonnnen.

Mit einem schwer erkämpften 1:1 (n. V.) gegen die Estudiantes aus dem argentinischen La Plata sicherten sich die Colorados (Roten) im heimischen Beira-Rio-Stadion als erster brasilianischer Club den Titel – er ist das Pendant zum UEFA-Cup.
Das Hinspiel hatte Inter 1:0 gewonnen. Zuvor wurden u. a. Lokalrivale Grêmio und die Boca Juniors aus Buenos Aires ausgeschaltet.