Posts Tagged ‘Sebastián Piñera’

09.12.2009 von Claudius Prößer
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“Ich twittere den ganzen Tag”

von Claudius Prößer

taz-Argentinienkorrespondent Jürgen Vogt hat kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Chile den Überraschungskandidaten Marco Enríquez-Ominami (36) interviewt. Das latin@rama-Blog veröffentlicht die vollständige Fassung des auf taz.de erschienenen Gesprächs.

Herr Enríquez-Ominami, sind Sie ein Linker?

MEO: Ein fortschrittlicher Linker.

Als sie sich als Kandidat aufgestellt haben, sind Sie abgegangen wie eine Rakete. Fast aus dem Stand heraus kamen sie auf 13 Prozent. Wie erklären sie sich diesen Erfolg?

MEO: Mein erster Wahlslogan war: Chile hat sich verändert. Also nicht nur, dass sich Chile verändern muss, sondern sich bereits verändert hat. Dagegen irrt sich die Concertación, wenn sie vorgibt, Chile hätte sich zwar verändert, aber man könne noch immer Politik machen wie in der Zeit um 1988. Über vieles wurde und wird nicht gesprochen. Wir bieten eine neue Form des Politikmachens: Mutig, ehrlich, glaubwürdig. Das ist nichts Neues in der Welt, aber neu für die politische Klasse in… weiter lesen

22.11.2009 von Claudius Prößer
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Wenn Männer Händchen halten

von Claudius Prößer
Nun hat er es doch getan: Sebastián Piñera, der Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der rechten Opposition in Chile, zeigt für ein paar Se­kun­den in einem seiner TV-Spots ein schwules Paar. Einer der beiden Händ­chen hal­ten­den jungen Männer flüstert Piñera etwas ins Ohr, so wie es im sel­ben Clip weitere Repräsentanten gesellschaftlicher Randgruppen tun – eine Mapuche, ein Kind mit Down-Syndrom, ein alter Mann, eine Seh­be­hin­der­te usw. usf. Woraufhin sich der Kandidat (Achtung, Me­ta­pher!) zur de­ren Stimme macht. Im Fall der beiden gays sagt er sinn­ge­mäß: “Unsere Mitmenschen akzeptieren uns schon – jetzt wollen wir, dass uns auch der Staat respektiert.” (Um den Clip zu sehen, auf das Bild klicken.)

Wie soll man diese Geste einschätzen? Einerseits ist es gerade für ei­nen rechten Politiker in Chile ein Wagnis, Schwule als das zu zeigen, was sie sind: ganz normale Menschen. So richtig akzeptiert werden sie nämlich noch lange nicht, und schon… weiter lesen

10.10.2009 von Claudius Prößer
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Zeit der Überraschungen

von Claudius Prößer
Der chilenische Wahlkampf läuft inzwischen auf Hochtouren und bringt manche Überraschung mit sich. Etwa die, dass nach einhelliger Meinung der meisten Be­ob­ach­ter Jorge Arrate, der Kandidat der außer­par­la­mentarischen Linken, die erste Fern­seh­de­bat­te der ver­blie­benen vier Kandidaten eindeutig für sich entschieden hat. Das wird dem sil­ber­haa­ri­gen Ex-Sozialisten zwar nicht in den Prä­si­den­ten­pa­last ver­hel­fen – die besten Umfragewerte für ihn liegen bei vier Prozent der Stim­men -, aber der linken Sache schadet es gewiss nicht. Arrate, der von den Kommunisten und den “allendistischen” Sozialisten unterstützt wird, punktete mit sicherem, entspanntem und humorvollem Auftreten, aber auch mit glasklaren Aussagen zum größten Skandalon im Chile von heute: der abgrundtiefen sozialen Ungleichheit, die allen löblichen Gesundheits- und Rentenreformen zum Trotz das Land spaltet.

Im Mittelfeld bewegten sich Marco Enríquez-Ominami, der Querschläger aus den Reihen der Sozialistischen Partei, dessen jugendlich-re­bel­lisches Image unter dem stark reglementierten TV-Format litt, und Ex-Präsident weiter lesen

10.07.2009 von Claudius Prößer
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Hormoneller Aufruhr

von Claudius Prößer
Wer dieser Tage beim Zappen im Programm des chilenischen Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses landet, wähnt sich in einem Seminar der Re­pro­duk­tions­medizin. Der Gesundheitsausschuss hat Experten zur Anhörung geladen – durch die Bank Männer -, die in länglichen Po­wer­points den Mens­tru­ationszyklus zerpflücken und Kurven hor­mo­nel­ler Ausschüttungen interpretieren. Dabei geht es nur um eine Fra­ge: Ist die “Pille danach” eine “Abtreibungspille” oder nicht?

Hintergrund dieses Tuns ist der erbitterter Kampf der katholischen Ul­tra­rech­ten gegen das Hormon Levonorgestrel, das etwa unter dem Mar­ken­na­men “Postinor 2″ Schwangerschaften auch noch nach un­ge­schütztem Geschlechtsverkehr verhindern kann. Der Wirkstoff bzw. die entsprechenden Präparate sind fast in jedem Land der Welt erhältlich, die WHO empfiehlt ihre Rezeptfreiheit als probates Mittel zur Vorbeugung ungewollter Schwangerschaften.

In Chile, wo Abtreibung selbst dann unter Strafe steht, wenn die Frau ver­ge­wal­tigt wurde oder durch die Schwangerschaft gesundheitlich ge­fähr­det ist, hat eine Gruppe rechter Parlamentarier im vergangenen Jahr eine Beschwerde eingereicht, der dasweiter lesen

24.05.2009 von Claudius Prößer
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Marco, el fenómeno

von Claudius Prößer

Der Mann ist 35 Jahre jung, Abgeordneter der Sozialistischen Partei Chi­les und will im Dezember Präsident werden. Nicht von seiner Partei, son­dern von Chile. Seine Chancen stehen besser, als man vermuten könnte.

Marco Enríquez-Ominami heißt der Mann, der die Chefs der regierenden Concertación (darunter die Sozialisten) als “Dinosaurier” bezeichnet. Der glaubt, die “Lösungsansätze der 70er-, 80er- und 90er-Jahre” hätten “weder die Kraft noch ausreichend Legitimität, um radikale Reformen einzuleiten”. Seine eigenen Lösungsansätze sind im Netz unter www.marco2010.cl nachzulesen: mehr Solidarität und weniger Neo­li­be­ralismus, mehr Demokratie und Transparenz, bessere Rechte für Ar­beit­nehmer und Verbraucher, bessere Bildung, konsequenterer Um­welt­schutz. Ganz so radikal klingt das nicht, aber wegen Enríquez-Ominami kriegt derzeit mancher Politiker der Concertación täglich büschelweise graue Haare.

“Marquito”, wie ihn Camilo Escalona, der Vorsitzende der Sozialistischen Partei, einmal abfällig genannt hat, strebt das höchste Amt der Republik nämlich ohne den Segen der regierenden Koalition an. Die schickt… weiter lesen

07.05.2009 von Claudius Prößer
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Flores macht rüber

von Claudius Prößer

Die Präsidentschafts-Kampagne von Sebastián Piñera hat einen neuen Un­ter­stüt­zer. Und nicht irgendeinen: Mit Fernando Flores Labra springt ein Mann auf den Zug der Rechten auf, der nicht nur Finanzminister unter Allende war, sondern auch von 1973 bis 1976 in verschiedenen Straf­la­gern der Diktatur zubrachte, unter anderem auf der Isla Dawson.

Am Mittwoch ist Flores seinen ganz persönlichen Pakt mit den po­li­ti­schen Erben seiner Verfolger eingegangen. Der 66-jährige Un­ter­neh­mens­berater und Senator, dessen achtjähriges Mandat im kom­men­den Jahr endet, hat seine Bewegung Chile Primero einer “Coa­li­ción del Cambio” hinzugefügt, der vor allem Piñeras Partei Re­no­vación Nacional und die ultrarechte UDI angehören. Er selbst, ursprünglich Sozialist, war vor zwei Jahren aus der sozialdemokratischen Demokratie-Partei (PPD) ausgetreten, die zusammen mit der sozialdemokatischen Radikalen Partei (PRSD), der sozialdemokratischen Sozialistischen Partei (PS) und der sozialdemokratischen Christdemokratischen Partei (PDC) das Re­gierungsbündnis Concertación bilden. Sein Vorwurf: In der Koalition… weiter lesen

03.04.2009 von Claudius Prößer
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Piñeras bittere Pillen

von Claudius Prößer
Spätestens seit die ultrarechte UDI ihn auch zu ihrem Präsi­dent­schafts­kandidaten gekürt hat, gilt Sebastián Piñera wieder als sichere Karte für die Wahl im Dezember. Jedenfalls bei seinen Anhängern und den Demoskopen. Dass die Mehrheit der Chilenen sich nicht im letzten Au­genblick doch noch gegen den Geschäftsmann entscheiden könnte, ist nicht ausgeschlossen.

Denn genau diese Eigenschaft – Piñeras Geschäftstüchtigkeit, die ihm ein Vermögen von einer guten Milliarde US-Dollar und Platz 799 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen eingebracht hat – kommt nur in guten Zeiten gut an. Aber jetzt stehen die Zeichen auf Krise, und zu allem Überfluss ist die Sache mit den Apotheken passiert.

Das pharmazeutische Geschäft in Chile ist stark konzentriert, bei den Apotheken herrscht ein Oligopol aus drei Wettbewerbern. Wie gut dieser Wettbewerb tatsächlich funktioniert, steht spätestens zur Debatte, seit der größte der drei, die Kette Farmacias Ahumada (Fasa), erklärt hat, mit denweiter lesen

25.10.2008 von Claudius Prößer
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Ungute Erinnerungen

von Claudius Prößer

Bis vor ein paar Wochen galt es nicht nur innerhalb der chilenischen Rechten als ausgemacht, dass der Geschäftsmann und Großaktionär Se­bastián Piñera (LAN, Chilevision) die Präsidentschaftswahl im De­zem­ber 2009 haushoch gewinnen würde. Die seit fast 20 Jahren regierende christdemokratisch-sozialistische Concertación gilt weiten Kreisen als ausgelaugt, selbstbezogen, wenn nicht gar korrupt. Piñera ist zwar ein Mann, dem Gier und Geltungssucht ins Gesicht geschrieben stehen, aber offenbar gilt für viele die Devise, dass einer, der sowieso im Geld schwimmt, nicht auch noch als Präsident die Bürger bestehlen muss.

Jetzt hat Piñera unverhofft Konkurrenz bekommen – eine, die für ihn mit un­gu­ten Erinnerungen behaftet ist. Weil Piñeras Partei Renovación Na­cio­nal ihren Verbündeten und ewigen Rivalen, die UDI, in einer wichtigen Personalie düpierte, hat letztere zurückgeschossen und Evelyn Matthei ins Rennen geschickt – wenn auch nicht offiziell. Die blonde Senatorin ist die Tochter des… weiter lesen