vonericbonse 05.03.2018

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Die angekündigten neuen US-Zölle auf Stahl und Aluminium lassen in Brüssel alle Alarmglocken schrillen. Die EU-Kommission warnt vor einem Handelskrieg und droht mit Vergeltung. Doch Vorsicht – dahinter steckt viel Heuchelei.

Denn zum einen hat die EU selbst erst vor ein paar Monaten neue saftige Strafzölle auf chinesischen Stahl verhängt. Auszug aus einem SPON-Artikel:

Zum Schutz der heimischen Industrie hat die EU-Kommission die Importzölle auf bestimmte Stahlprodukte aus China angehoben (…) Mit den Maßnahmen sollten die EU-Hersteller vor Dumpingpreisen chinesischer Konkurrenten geschützt werden, teilte die EU-Kommission mit.

Die Maßnahmen von US-Präsident Trump sind der EU also nicht fremd. Auch die von Trump angesprochenen Probleme sind durchaus real – schließlich ist Europas Stahlindustrie fast verschwunden.

Zum anderen sind die nun angedrohten Vergeltungsmaßnahmen nur bedingt ernst zu nehmen. Ursprünglich waren Strafzölle auf Harleys und Bourbon vor allem dazu gedacht, Trump abzuschrecken.

Nachdem dies nicht geklappt hat, sollten wir uns keinen Illusionen hingeben: Die in Brüssel erwogenen Gegenmaßnahmen sind nur Maßnähmchen – sie reichen nicht aus, die USA wirklich zu strafen.

Zudem zögert die EU-Kommission, nun tatsächlich massive Vergeltung zu üben – denn das würde den Handelskrieg ausweiten und europäische Hersteller zusätzlich schaden…

P.S. Zur Heuchelei gehört auch, dass die EU nicht nur massive Handelsüberschüsse mit den USA erzielt, sondern diese sogar noch fördert. Deutschland, das nun am lautesten schreit, spielt dabei eine zentrale Rolle…

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https://blogs.taz.de/lostineurope/2018/03/05/freihandel-geht-so/

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