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vonChristian Ihle & Horst Motor 15.08.2007

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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SpiegelOnline kann so schöne Seiten haben: es ist immer recht aktuell, man kann den einen oder anderen vernünftig recherchierten Artikel vorab im Internet lesen, die Themenauswahl weist eine deutlich breitere Aufstellung auf als die Printausgabe es zu leisten vermag, Jan Wigger schreibt seine Platten-Kritiken…

…aber für alles Gute und Schöne muss man auch viel Unsinn ertragen, der in Teilen so weit reicht, dass die Online-Ausgabe des Spiegel beginnt, die Reputation der Printausgabe zu beschädigen.

Muss man wirklich einem SpiegelOnline-Redakteur zuschauen, wie er in Second Life unterwegs ist und dort verzweifelt-belustigt Cyber-Sex sucht? Braucht man die chauvinistischen Oberlehrerkommentare aus Bastian Sicks Zwiebelfisch tatsächlich? Ist die breitere Themenauswahl wirklich ein Segen?

Das Spiegel Online Panorama

Denn, ehrlich: was SpiegelOnline im „Panorama“-Teil abfrühstückt, sind die üblichen Luftblasen, die PR-Agenturen von Schauspielern und Sängern produzieren. Willfährig abgeschrieben, ohne Recherche oder Hinterfragen macht sich Spiegel Online zum Handlanger und Multiplikator von Nichtmeldungen. Noch schlimmer: der einmal in der Woche behandelte und dann gerne als „Junkie-Rocker“ (könnte die Bildzeitung nicht besser!) betitelte Pete Doherty findet sich mit Berichten wieder, die unabhängig von Wahrheitsgehalt oder Glaubwürdigkeit 1:1 aus den britischen Revolverblättern Daily Mirror oder Sun abgeschrieben sind. Über die ubiquitäre Paris-Hilton-Berichterstattung wird sich an einer Stelle mokiert, ohne aber – wie von Stefan Niggemeier in der FAS schön aufgezählt – sich zu scheuen, 28 Artikel allein im Monat Juni über die Dame zu veröffentlichen.

Recherche und Interviews waren gestern: wir haben Internetforen!

An derartige Heucheleien und Faulheiten in der Eigenrecherche hatte man sich ja bereits mehr oder minder gewöhnt, doch nun geht SpiegelOnline tatsächlich auch noch dazu über, wild und wahllos aus Internetforen abzuschreiben statt selbst Interviews zu führen oder gar sauber recherchierte Hintergrundberichte zu verfassen.

So geschehen heute, zum Thema „möglicher van der Vaart – Wechsel vom Hamburger SV zum FC Valencia„: wird ein Interview mit dem betroffenen Spieler geführt? Erkundigt man sich beim Trainer wie er seinen Topstar zu ersetzen gedenke? Wird der Manager gefragt, ob er aus den Spielerverkäufen der letzten Saison mit folgendem Abstiegskampf gelernt hat? Wird vielleicht gar in Spanien mit dem angeblich interessierten Topklub gesprochen?

Ach, woher! Wir haben ja Internetforen! So erfahren wir, dass der User „Tübinger“ im HSV-Forum van der Vaart mit Neil Armstrong und den HSV dann wohl offensichtlich mit dem Mond vergleicht. Oder so. Ungefähr.
Auch schön zu wissen, dass „Flyboykiel“ van der Vaart für unzurechnungsfähig erklärt und ein anderer Fan absurde interne Umbesetzungen für die freie Stelle des Mittelfeldregisseurs andenkt (Stürmer Zidan ins Mittelfeld, weil dieser dribbelstark wäre. Ehm ja) oder User „Düwel“ den Gedanken weiterspinnt, und Abwehrspieler van Buyten aus München zurückholen möchte, diesen im Sturm einsetzt, um Stürmer Zidan ins Mittelfeld zu schieben. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ schreibt Spiegel Online den Forumsnutzern tadelnd ins Gebetbuch.

Journalismus ist, wenn man alles schreibt?

Christian Ihle

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kommentare

  • Ich sehe das mal ganz anders. Immerhin scheint ihr alle ja diese „qualitativ niederwertigen“ blogs zu lesen, sonst würde Euch das ja gar nicht auffallen, dass das kopiert ist. Und nur weil es Euch einmal überhapt aufällt, sich gleich darüber zu beschweren, dass die ganze Welt schlecht ist. Lächerlich. Ein bisschen spastisch isses auch. Spast on. Euer Stefan.

  • naja, das sehe ich nicht so. du musst doch nicht einfach nur luftblasen produzieren. der artikel hatte ja null mehrwert.
    auch der anlaß war ja kein so aussergewöhnlicher, dass er eine idee „dem volk aufs maul schauen“ rechtfertigen würde was man dem artikel vielleicht mit größter sympathie gerade noch zu gute halten könnte.
    nicht einmal die zitierten stellen waren in irgendeiner art sinnvoll, sondern einfach nur quatsch. was sollte denn bitte der grund sein, den größten quatsch auf HSV-fanforen zusammenzutragen?

  • allerdings ist da keine Tendenz zu erkennen und wer schonmal einige Zeit in einer Online-Redaktion gesessen hat, weiß wie schwer es ist, jeden Tag „Content“ auf den Tisch zu knallen. Ich finde das jetzt nicht allzu verwerflich. Kann man schonmal machen. Und wenn man sich mal überlegt, wie hochwertig bei SpOn die Politik-Meldungen sind, die in kürzester Zeit reingehackt werden, da kann so ein relativ „unwichtiges“ Ressort wie Fußball gerne mal mit Forenbeiträgen versehen werden.

  • Ja, das ist das Problem. Und DerSpiegel ist nicht einmal ein Blog, bei dem man meinetwegen noch andere Qualitätsmaßstäbe anlegen könnte oder eben auch mal aus so einer Sicht über dieses Thema schreiben kann, sondern eben die Onlinepräsenz des renommiertesten deutschen Nachrichtenmagazins. Sehr zweifelhaft.

  • Jawoll !!!

    Genau so hab ich’s mir auch gedacht ! Als HSV Fan sitze ich natürlich interessiert vor dem PC und schaue ins SC Forum. Genau so habe ich natürlich einen Google-News Atom Feed zum Thema… Gestern habe ich mich durch ca. 2000 der 3000 Forenbeiträge zum Thema „gelesen“. Und heute morgen dann die Headline im Spiegel-Online „Waldschrat….“.
    Was bitte soll das ? Wenn ich auf Spiegel klicke erwarte ich Interviews mit Fakten, sonst könnte ich auch Bild.online lesen! Später wird das ganze dann wieder mit Web 2.0 bla bla begründet und alle machen’s nach…
    Mit echter Redaktionstätigkeit hat das für mich nichts mehr zu tun!

  • […] Wesley Clark Contact the Webmaster Link to Article paris hilton Ein neues Tief für Online- Journalismus: Spiegel Online schlägt zu » Posted at Monarchie & Alltag on Wednesday, August 15, 2007 SpiegelOnline kann so schöne Seiten haben: es ist immer schön aktuell, … britischen Revolverblättern Daily Mirror oder Sun abgeschrieben sind. Über die ubiquitäre Paris-Hilton View Original Article » […]

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