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vonChristian Ihle & Horst Motor 11.09.2007

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Blüm und Sodann, beide 71, gehen also auf Deutschlandtour mit einem „Ost-West-Vis-à-Vis“, und es gab wie gesagt ein paar Gründe dafür, dass die Premiere im Berliner Admiralspalast nahezu ausverkauft war.

Es ist nun nicht ganz einfach zu beschreiben, was denen, die leider nicht dabei sein konnten, da entgangen ist. Stellen Sie sich am besten starke körperliche Schmerzen vor: eine derart quälende Pein, dass Sie sich mit dem Kopf voran vom Rang ins Parkett stürzen möchten vor Verzweiflung. Stellen Sie sich das bitte vor – und Sie haben immer noch keine Ahnung, was für ein Horror das war.

Was geschah, war Folgendes: Blüm und Sodann schieben beim Betreten der Bühne jeweils so ein Rentnerwägelchen zum Dranfesthalten vor sich her. Sie singen „Im Frühtau zu Berge“. Blüm sagt: „Arbeide, Arbeide.“ Sodann sagt: „Das Wertvollste, das der Mensch besitzt, ist seine Arbeitskraft.“ Blüm sagt: „Die verscheisärn uns nach Strisch un Fade.“ Sodann liest ein Gedicht von Johannes R. Becher. Blüm sagt abermals: „Die verscheisärn uns nach Strisch un Fade.“ Kurze Zeit darauf sucht Sodann das Wort Inkontinenz: „Der macht in die Hose, wie heißt das denn?“ Blüm: „Impotenz?“ Sodann: „Inkonsequenz?“ Er erzählt von einer besonders widerlichen Talkshow. Es habe da gesessen der Philosoph Peter Schlotterdünn, nein: Schlotterdick. Und der Schröder. Und dann habe er, Sodann, gesehen, das war gar nicht Schröder, das war Ulla Schmidt. Darauf orkanartige Begeisterung im Saal. Fragen Sie bitte nicht, warum. Ich erzähle hier nur, wie es war.

„Sind Sie nicht der längste Arbeitsminister Deutschlands?“, fragt Sodann Blüm. Und Blüm steht auf und zeigt seine 1,65 Meter Körperhöhe. Später sitzen beide da und erzählen minutenlang Witze. Fritzchenwitze. Aber wirklich nur die bekanntesten. Und wer das nicht glaubt, glaubt sicher auch nicht, dass Blüm wie das Kasperle im Theater fragt: „Seid ihr alle daaa?“ Aber das Publikum antwortet: „Jaaaa“, und dann singen alle gemeinsam ein Lied und klatschen in die Hände dabei.

(…)

Blüm singt „Die Banken sind frei“. Ein Brüllen und ein Toben daraufhin. Auch Sodann nimmt die da oben mal ordentlich aufs Korn. Da bleibt kein Auge trocken. Da werden unbequeme Wahrheiten gesagt. Der Saal ist jetzt so weit, dass nur der Name Westerwelle fallen muss, und die Leute trampeln vor Vergnügen. Mehr muss gar nicht gesagt werden, und mehr wird auch nicht gesagt. Wenn das politisches Kabarett ist, dann ist das politische Kabarett die letzte Bastion gegen die Aufklärung, ein Hort der Finsternis und Gedankenfäule. An jedem vorstädtischen Eckkneipenstammtisch wird differenzierter und nebenbei auch lustiger argumentiert. Von einer NPD-Versammlung unterscheidet sich diese Veranstaltung im Grunde nur dadurch, dass NPD-Mitglieder wenigstens wissen, dass sie rechtsradikal und ressentimentgetrieben sind.

Der arme Norbert Blüm: eine demoskopische Katastrophe auf zwei Beinchen, mühevoll die dürren zwanzig Prozent Redeanteil zusammenbrabbelnd gegen einen schulmeisternden Peter Sodann: „Nobbi, die Pointe ging im Applaus unter, erzähl den Witz bitte noch mal.“ Und Nobbi macht es! Erzählt noch mal, dass die SED auf dem Wildwechsel-Zeichen der DDR kein springendes Reh duldete, wegen der Mauer und so. Wenn man seine Ohren nach innen krempeln könnte, dann jetzt.

(…)

Wenn man aus diesem Abend eines mit nach Hause nehmen darf, dann das: Blüm ist bedauernswert – Sodann ist beängstigend. Sodann spielt den misanthropischen Meckertrottel im „Tatort“ nicht nur, er ist es. Sodann kann gar nicht schauspielern, er kann nur sich selbst. Peter Sodann kann noch nicht einmal verständlich sprechen. Sodann ist eine selten so kompakt anzutreffende Verdichtung von Talentlosigkeit, Einfältigkeit, Arroganz, Selbstgerechtigkeit, Besserwisserei, Neid, Ressentiments, Borniertheit, Taktlosigkeit und Larmoyanz. Sodann hat alles, was man Ossis so vorwirft, plus das, was Ossis an Westlern hassen. Sodann ist ein One-Man-Kabarett, er weiß es nur nicht. Er ist das Antlitz des hässlichen Deutschen, der sich für etwas Besseres hält. Peter Sodann ist ein Tritt ins Gesicht aller Ostdeutschen, mit deren grundgesetzlich garantierter Menschenwürde es nicht vereinbar ist, von jemandem wie ihm dauernd als unterhalb aller messbaren IQ-Werte herumnölender Sozialschrott repräsentiert zu werden. Sodann und Blüm schaffen es, dass man Ackermann gar nicht mehr so schlimm findet. Sodann alleine schafft es, dass man sich schämt, Sachse zu sein.“

(Peter Richter im Artikel „Sodann und Gomorrha“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den ersten Kabarett-Auftritt von Norbert Blüm und Peter Sodann)

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kommentare

  • Seid doch toleranter, nicht die geistig und körperlichen Zwerge solten kritisiert werden, sondern die Gesellschaft, die diese erbärmlichen Typen erst nimmt: die CDU, die es nicht schafft, dem Nobi ein Talkshowverbot zu erteilen, obwohl jeder seiner Auftritte ca. 100 000 Stimmen kostet und
    die Irrsinnigen, die sich Die Linke nennt und die den Krimikasper gar zum Bundespräsident machen will. All dies spiegelt den geistigen Zustand des Volkes. Armes Deutschland.

  • Die Sonne am Bildungshorizont möge endlich untergehen, damit diese Zwerge keine langen Schatten mehr zu werfen in der Lage sind. Wer wie SODANN die Maueropfer verhöhnt, hat in den Medien nichts mehr zu suchen – allenfalls im „Schwarzen Kanal“. Edu Schnitzler lässt grüßen……………..und Nobby mimt den nützlichen Idioten!

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