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vonChristian Ihle 21.01.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Es ist seltsam, mit welch geringem Einsatz man es zur großen Band bringen kann. Angesichts der seelenlosen, aber groß auftrumpfenden Gruppen, die derzeit auf dem Live-Markt konkurrieren, ist man fast geneigt, sich bei U2 zu entschuldigen: Die hatten immerhin einen ernsthaft größenwahnsinnigen Sänger, der mit weißen Fahnen wedelte und zu große Sonnenbrillen trug.
(…)


Eins kann man Keane nicht vorwerfen: dass sie nicht versuchten, sich weiterzuentwickeln. Allerdings tun sie dies im Rahmen arg limitierter Möglichkeiten und sehr zu ihren Ungunsten. Nach dem freundlichen Pärchenpop der ersten Platte versuchten sie sich mit um sich greifender Hybris an dunkel dräuenden Songgebilden, die häufig nur an leere offen stehende Kühlschränke erinnerten.
Kürzlich erschien die dritte Platte, der das ehrenhafte, aber allzu verzweifelte Ringen um Weiterentwicklung aus jedem quietschenden Keyboard und jedem länglichen Song-Outro hervornudelt.
Gerade indem Keane versuchen, ihre Schwächen zu verkleistern, stellen sie diese aus, gerade indem sie versuchen, ihr Image zu erweitern, zeigt sich dessen Begrenztheit.

Dem Publikum im ausverkauften Kölner Palladium ist das Gebotene genug. Gerne würde man mittun. Doch dem steht Sänger Tim Rice-Oxley (sic!) im Weg, der sichtlich Bühnencoaching genossen hat und sich von einer pathetischen Pose in die nächste wirft. Im einen Moment kniet er am Bühnenrand, im nächsten ballt er die Faust und während man noch über die Notwendigkeit dazu nachdenkt, hat er schon die Kiste neben dem Piano erklommen und probiert, welche Verrenkungen aus dem Katalog für alberne Gesten man noch bieten kann.


Es spricht nichts dagegen, dass Popsänger sich feurig winden. Bei Rice-Oxley sieht das aber arg unglücklich aus: Das Engagement ist da, doch er hat das Charisma eines Hochzeitssängers. Da schließt man die Augen und probiert’s mit der Musik. Ein paar hübsche Songs haben Keane ja tatsächlich zusammenkomponiert: Da ist das zuckerige, pompöse „Everybody’s Changing“, das zuckerige, pompöse „Somewhere Only We Know“ und das zuckerige, pompöse „Bend and Break“ – Lieder wie Torten, für sich betrachtet aber sehr gutes Pop-Handwerk.

Allerdings muss man feststellen, dass diese von sich selbst berauschte „La Boum“ – Musik auf Dauer wirkt wie das musikalische Gegenstück zu zu viel Milch im Kaffee, wie eine süße, alles verklebende Plörre. Ganz unglücklich wird es, wenn Keane sich am quietschbunten Achtziger-Pop verheben: Stücke wie „Spiralling“ verführen dazu, bei Duran Duran anrufen zu wollen und zu fragen, ob daheim im Giftschrank mit dem Ausschussmaterial vielleicht ein paar Lieder fehlen.

Doch das reicht, um den Saal in einen Taumel zu versetzen. Und der Umstand, dass eine Band hier problemlos ihren biederen Charme an die Idee von der Superpopband verkauft, erzählt eine Geschichte – die vom Triumph des Hochzeitssängers.“


(Eric Pfeil, Frankfurter Allgemeine Zeitung)


Anm.: Etwas unglücklich für Herrn Pfeil – bei all den hübschen Bildern von Torten, verzuckertem Kaffee und leeren, offenstehenden Kühlschränken! – ist allerdings, dass der mehrfach erwähnte, in der Printausgabe sogar inklusive falscher Bildunterschrift abgebildete „Sänger“ Tim Rice-Oxley der Songwriter der Band ist, aber mitnichten ihr Sänger. Die Hochzeitssänger-Rolle übernimmt bei Keane immer noch der unerträgliche dicke junge Mann aus der Alkoholentzugsklinik von nebenan, Tom Chaplin. (christian ihle)

Inhaltsverzeichnis:
* Die ersten 150 Folgen Schmähkritik

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kommentare

  • Endlich jemand der die Sache Musik von Keane richtig einstuft und kennt. Danke Rala, habe schon gedacht man muss hier gegen Windmühlen kämpfen, doch ich merke ich bin nicht mehr allein. Keane ist Musik die durchs Herz bis in den ganzen Körper geht.

  • Wie Steffi schon richtig angemerkt, hat kann der Autor nicht einmal den Sänger und Songwriter von Keane unterscheiden! Das ist schonmal recht peinlich und sehr schlecht recherchiert.
    Zudem hat Tom Chaplin, der Leadsinger der Band, erheblich abgenommen.
    Ich habe Keane schon 2006 live erleben dürfen, und ich kann nicht sagen, das sich Tom Chaplins Bewegungen auf der Bühne groß verändert hätten.
    Diese Band ist einfach nur sehr authentisch und macht ganz tolle Musik.
    Natürlich ist das neue Album gewagt, doch man erkennt immer noch die Band Keane.
    Die Kritik von Herrn Pfeil an der Band Keane darf geäußert, aber nicht ernst genommen werden. Dafür fehlen ganz klar fundierte Gründe.

  • Als dick würde ich das Kerlchen auch nicht bezeichnen.
    Keane sind aber – so oder so – eine furchtbare Kapelle.

  • Kommentar zu Christian Ihle:Und unerträglich dick nenn ich rainer kallmund oder ottfried fischer aber Tom ist sogar ein wenig zu dünn….schon mal aktuelle fotos angeschaut?

  • Also, ich muss schon sagen, wer sowas schreib hat Mut, denn den brauch er auch. Ich bin ein sehr großer Keane Fan, vielleicht nicht von der ersten Stunde an, aber was dort geschrieben ist, muss man sich erst einmal trauen. Ich bin echt empört. Zumal der verfasser ja nicht einmal den Sänger vom Songwriter unterscheiden kann. Denn Tom Chaplin, der Sänger hat nicht nur Im Paladium eine super Show abgeliefert, sonder auch Im Berliner Tempodrom, das kann ich selbst bezeugen, denn ich und viele Keane Fans waren auch dort und werden diesen Abend ihr Leben nicht vergessen. Wer Tom aus seinen schlechten zeiten kennt, der kann jetzt mit ruhigem Gewissen behaupten, dass es auch für solche Fälle eine Hoffnung gibt und das erwies er uns und wird er noch auf den kommenden Konzerten beweisen, wie voll er nun vmit Lebensmut und Fröhlichkeit ist, ganz ohne Alkohol, ein paar Pfunde leichter. Er strahlt was das Zeug hält und wer heut zu Tage etwas, in meinen Augen Unmögliches zu schreiben wagt, der hat Mut. Aber niemals recht. Vielleicht wenn es zu einem weiteren Bemerkung in Form eines solchen Artikels/Kritik kommen sollte, rate ich ihnen vielleicht ein wenig zu recherchieren. es ist peinlich in meinen Augen jemanden so hinzustellen und auch noch die Fehler zu machen, die niemanden geschehen würden, der sich mit der Materie befasst hat.

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