Melt 2009: alles knorke außer Petrus.

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Ohne Frage, nach dem großen Chaos im letzten Jahr zeigten sich die Organisatoren lernwillig und bemüht, den Besuchern wieder ein angenehmes Festivalerlebnis zu bereiten. Ob Security oder Bühnenanordnung, Informationspolitik oder Bändchenausgabe: alle großen Probleme des Vorjahres wurden in diesem Jahr vermieden oder zumindest deutlich minimiert.

Dass Petrus es sich trotzdem nicht nehmen ließ, vor allem Freitag nacht seinen Headliner-Status vom letzten Jahr wieder einzufordern, kann man natürlich dem Festival nicht ankreiden und bis auf einige schlimme Stunden war auch das Wetter zumindest halbwegs erträglich.

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Obwohl das Melt zum ersten Mal in seiner nun zwölfjährigen Geschichte vorab bereits ausverkauft war, gelang es doch durch die Umordnung des Festivalgeländes die Rekordzuschauermenge fast immer in einer Art zu bewältigen, dass sich kein Gefühl der Überfüllung einstellte, auch wenn der Irrtum, zu erwarten, dass mehr Menschen Travis (Hauptbühne) als The Gossip (auf der für sie viel zu kleinen Nebenbühne) sehen möchten schon sehr verwundert. Man kann das Melt nur in seiner Entscheidung beglückwünschen (und für die Zukunft darin bekräftigen), sich selbst eine Maximalkapazität von 20.000 Besuchern aufzuerlegen und nicht zu versuchen, diese noch weiter auszudehnen.

Zurückzuführen ist die Rekordbesucherzahl auch auf die (bereits im letzten Jahr vollzogene) Verlängerung auf drei Tage, die trotz anfänglicher Skepsis doch ganz gut funktionierte, auch wenn der dritte Tag etwas dem Melt-Geist der Vereinigung von Tanz und Rock widerspricht und sich stärker einen Indie-Gitarren-Anstrich gibt.

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Doch mit Ausnahme der deutschen a-ha, den unerträglich öden Polarkreis18, war das UK-zentrierte Booking auf der Hauptbühne mit der Abfolge Patrick Wolf – Glasvegas – Kasabian – Oasis gelungen, wobei insbesondere Patrick Wolf zum heimlichen Star des Festivals wurde, was nicht allein an seiner absurden Verkleidung lag (derer er sich im Laufe des Konzertes auch bis auf seine Shorts entledigte), sondern vor allem an der unverschämt guten Laune, die er versprühte. Die Backstage-Drogen, sie müssen top sein, kennt man doch Mister Wolf gerne auch als „schwierig“. Oasis beendeten die Hauptbühne mit einem makellosen Set, das sich glücklicherweise beinahe ausschließlich auf die 90er Jahre beschränkte und sogar zwei alte b-Seiten beinhaltete.

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Dass im Nebenzelt mit Miike Snow die Stars des kommenden Winters zu bestaunen waren und Passion Pit als Rauswerfer-Band noch einmal zeigten, wie gut man Gitarren und die Disco vereinen kann, war ein schönes Ende eines langen Festivals.

Dass aus allen Bands der ersten beiden Tage vor allem die amerikanischen Punk-Funkster, Disco-Punks, Tanz-Animateure und Groovemaschinen von !!! herausragten, wundert natürlich nicht. Kaum eine Band dürfte besser für die Idee des Melts stehen, die Gitarrenjünger wie auch die DJ-Verehrer auf ein Festival zu holen. Obwohl dieses Mal nur in einer fünfköpfigen Besetzung angetreten und ohne zweiten Sänger/in, waren !!! erneut eine Euphoriegarantie, die auch außerhalb kleiner Clubs funktioniert. Trotz der vielen Gerüchte um das zweite, wegen unzureichendem Songwritings angeblich noch einmal neu aufgenommenen Albums, konnten auch die Klaxons überzeugen, auch wenn die UK-Krone der ersten beiden Tage das It-Girl des britischen Pop-Geschäfts davon trug: La Roux. Viel besser kann Pop nicht gespielt werden als von der rotblonden 20-Jährigen mit der steilen Frisur. Ein Ereignis.

(Text: Christian Ihle, Fotos: Geert Schäfer, Stephan Flad, Constanze Finckh)

Mehr Melt 2009:
* Jochen Distelmeyer solo

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