Joe Strummer meets Aki Kaurismäki in seinen “years in the wilderness”.
von Christian Ihle
Joe Strummer mag der größte Rockstar gewesen sein, den Punk je hervorgebracht hat, aber dennoch irrlichterte Joe zehn Jahre durch die Welt bis er mit den Mescaleros einen späten Frieden fand, dem leider sein allzu früher Tod ein Ende setzte.
Wahrscheinlich wäre es sogar zutreffender, dass Strummer gerade weil er der größte Rockstar war, den Punk je hervorgebracht hat, den Weg in die Wilderness wählte. War Punk doch angetreten, das Prinzip Rockstar zu zerstören; War Punk doch Musik gewordener Ikonoklasmus.
Wie bizarr muss es für Strummer selbst gewirkt haben, nach dem Riesenerfolg des späten Clash-Albums “Combat Rock” (das trotz “Know Your Rights” und “Straight To Hell” mit Sicherheit auch das bis dato schlechteste war) in riesigen US-Stadien aufzutreten, genauso weit entfernt von seinem Publikum wie in den 70ern die Rockstars von Genesis und The Who von dem Ihren!
Man vergleiche nur diesen Auftritt von 1978 in Dunferline….
mit einem US-Auftritt drei, vier Jahre später:
Nachdem Strummer sich mit Songwriting-Partner Mick Jones über- und Jones aus der Band geworfen hatte, veröffentlichte er mit Paul Simonon als einzig verbliebenem Urmitglied noch das letzte Clash-Album “Cut The Crap”, das eine einzige Schande war, aber immerhin noch das fantastische “This Is England” beinhaltete.
wer in einer kuriosen Szene eines deutschen Tatorts Dietmar Bär als Skin durch Köln laufen sehen will, während Joe Strummer auf der Tonspur “This Is England” singt, der scheue sich nicht, folgendes Video ab Minute 1:47 anzuschauen…
Danach begannen Joes years in the wilderness. Eine Solosingle (“Love Kills“) für den Sex-Pistols-Film “Sid & Nancy”, von der Kritik zumeist verhalten aufgenommene, kommerziell gänzlich irrelevante, sporadische Alben und Ausflüge in Schauspielrollen mit “Walker” und “Straight To Hell”, den beiden Filmen des Sid & Nancy – Regisseurs Alex Cox, waren Strummers Brot die nächsten Jahre. Doch selbst in dieser Zeit blitzte immer wieder sein Talent und Charisma auf. Seine beste Filmrolle spielt er in Jim Jarmuschs “Mystery Train” (in dem er amüsanterweise die ganze Zeit für Elvis Presley gehalten wird: “Don’t call me Elvis! If you can’t use my proper name, why don’t you try Carl Perkins Junior or something?”)
…und hat einen bezaubernden kleinen Auftritt als Pub-Sänger in Aki Kaurismäkis Klassiker des europäischen Arthouse-Kinos, “I Hired A Contract Killer”.

“Burning Lights”, in “I Hired A Contract Killer” von Aki Kaurismäki
Der dort gespielte Song, “Burning Lights”, wurde zwar gemeinsam mit The Pogues (unter dem Alias “Joe Strummer & the Astro Physicians”) aufgenommen und damals nicht offiziell veröffentlicht, bildet aber einen schönen Bogen zu Joe Strummers allerletztem Werk mit den Mescaleros, auf dem er, der alte Revoluzzer, Faustindieluftstrecker und Punkrockwarlord, herzerwärmend (und leider allzu prophetisch) sang und textete wie niemals zu vor. (Christian Ihle)

“Silver & Gold”, aus “Streetcore”, dem letzten, posthum veröffentlichten Joe Strummer & The Mescaleros – Album.
I’m gonna go out dancin’ every night
I’m gonna see all the city lights
I’ll do everything silver and gold
I got to hurry up before I grow too oldI’m gonna take a trip around the world
I’m gonna kiss all the pretty girls
I’ll do everything silver and gold
And I got to hurry up before I grow too oldOh I do a lotta things I know is wrong
Hope I’m forgiven before I’m gone
It’ll take a lotta prayers to save my soul
And I got to hurry up before I grow too oldI’m gonna take a trip around the world
Gonna kiss all the pretty girls
Who do everything silver and gold
And I got to hurry up before I grow too oldI’m gonna go out dancin’ every night
I’m gonna see all your city lights
I’m gonna do everything silver and gold
And I got to hurry up before I grow too old
See you on the other side, Joe.




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