Die besten Filme der Dekade: Platz 20 – 11

Der dritte und vorletzte Teil unserer die besten Filme der letzten Dekade – Liste. (Teil 1: Plätze 50 – 35 und Teil 2: Plätze 34 – 21, Teil 4: Plätze 10 – 1)

20. Der Knochenmann (Regie: Wolfgang Murnberger, Österreich 2009)

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Jetzt ist schon wieder was passiert. Und immer wenn es passiert, ist zufälligerweise der Brenner in der Nähe, um als muffiger, lebensmüder und bis an die Schmerzgrenze zynischer Privatdetektiv den Mörder zu finden. Wie ist die Kinowelt eigentlich bis zum Jahr 2000 ohne das österreichische Dreiergespann Wolf Haas (von ihm stammen die Buchvorlagen), Wolfgang Murnberger (Regisseur) und Josef Hader (spielt den Brenner) ausgekommen? Mit seinem dritten Brenner-Film hat das Trio dem Ganzen die Krone des schwarzen Humors aufgesetzt. „Der Knochenmann“, gespielt von Josef Bierbichler, bringt um, was ihm nicht in den Kram passt und lässt die Leichen praktischerweise von seinem Häcksler für Schlachtabfälle zerkleinern. Antiheld Brenner versucht aus Langeweile, den Fall zu lösen – er hat eh nichts Besseres zu tun. Er betrinkt sich ordentlich, verliert einen Finger und sein Herz und enttarnt am Ende des Maskenballs einen Zwitter. Derbste Szene des Films: Das mitternächtliche Gulasch, das der Brenner vor den wohlwollenden Augen des Wirts verspeist. Es enthält kein Tierfleisch. Österreich, bitte gib uns mehr von davon! (SW)

19. Kill Bill Vol. 1 (Regie: Quentin Tarantino, USA 2003)

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Schon seine ganze Karriere verfolgt Quentin Tarantino der Vorwurf, dass seine Filme immer mehr Style als Substanz, mehr Referenz als Original seien. Und nie waren die Vorwürfe berechtigter als bei „Kill Bill Vol. 1“ – aber nie war QT auf der filmischen, stilistischen Ebene besser als hier. „Pulp Fiction“ mag immer noch sein größter Wurf sein und hat das um Längen bessere Drehbuch, aber „Kill Bill Vol. 1“ war QTs Meisterwerk als Regisseur. „Kill Bill Vol. 1“ kann einem aufgrund des Nichts an Story natürlich auch nicht gefallen, aber, oh boy, wenn du das Kino liebst, liebst du diesen Film. (CI)

18. The Royal Tenenbaums (Regie: Wes Anderson, USA 2001)

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Family isn’t a word – it’s a sentence. An kaum etwas arbeitet sich der amerikanische Independent-Film so sehr ab wie am Konzept „dysfunktionale Familie“. Dabei hat Wes Anderson vor neun Jahren bereits alles gesagt und schöner gezeigt. „The Royal Tenenbaums“ ist der seltene Fall einer Komödie, die bei jedem neuerlichen Anschauen besser und besser wird. Ein brillantes Casting (besonders herausragend: Gwyneth Paltrow, Ben Stiller, Luke Wilson und Bill Murray), unbedingter Stilwille in jeder verdammten einzelnen Einstellung, makelloser Soundtrack und messerscharf geschriebene Dialoge (enttäuschte Adoptivtochter Margot: „You probably don’t even know my middle name.“ – Vater Royal Tenenbaum: „That’s a trick question. You don’t have one.“ – Margot: „Helen.“) machen The Royal Tenenbaums zum Höhepunkt des Anderson’schen Schaffens und zur besten schrulligen Komödie des Jahrzehnts. (CI)

17. The Virgin Suicides (Regie: Sofia Coppola, USA 1999, Dt. Start Nov 2000)

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Vier Jahre vor „Lost In Translation“ zeigte Sofia Coppola der Welt einen Debütfilm, der so vieles zugleich ist, dass er mindestens fünfmal gesehen werden muss. „The Virgin Suicides“ ist alkoholfreie Bowle und verstohlene Blicke auf Geburtstagspartys, Teenager-Sex auf dem Sportplatz, verträumte erste Liebe, Pfirsichlikör auf dem Highschool-Ball und Tagebuchschreiben. Francis Ford Coppolas Tochter bebildert das Teenagerleben von fünf Schwestern genau so, wie es sich anfühlt: weichgezeichnet, traumwandlerisch, funkelnd und glitzernd vor Aufregung. Wenn dann auch noch Airs „Playground Love“ erklingt, ist die Teenagerillusion perfekt. Allerdings nur für kurze Zeit, denn die Eltern, ohnehin schon Störenfriede der freiheitsliebenden Jugend, sind hier auch noch streng katholisch und machen ihren wunderhübschen Töchtern das Leben zur Hölle. Das Ende ist so grauenvoll, dass die Bilder von vorher noch viel schöner wirken. Nie war Kirsten Dunst elfenhafter, nie ging ein Samtanzug so gut klar wie an Josh Hartnett. (SW)

16. Donnie Darko (Regie: Richard Kelly, USA 2001)

Es gibt offenbar nicht nur in der Musikwelt das sogenannte One-Hit-Wonder. Zumindest konnte nichts, was Regisseur Richard Kelly nach seinem Debüt ablieferte, mit „Donnie Darko“ aufnehmen. Das Ende der Welt wurde in Filmen schon oft prophezeit, aber noch nie von einem Wesen im Hasenkostüm, das sich Frank nennt und den Untergang bis auf die Sekunde genau vorhersagen kann. Der Hase erscheint einem 16jährigen Jungen zum ersten Mal, um einen Flugzeugabsturz anzukündigen, und zwar genau über Donnies Haus. Weil dies auch wirklich passiert, gehorcht Donnie von da an Franks nicht immer sehr menschenfreundlichen Anweisungen.
Die Diskussionen in Filmforen haben durchaus David-Lynch-Charakter: Hat Donnie Darko eine Zeitreise unternommen, hat er einen sehr intensiven Albtraum oder ist er einfach nur tablettenmäßig nicht korrekt eingestellt? Der Regisseur selbst bietet auf der offiziellen Filmseite die Variante des „Tangentenuniversums“ an, in das Donnie durch den Flugzeugabsturz geschleudert worden ist. (SW)

15. Inglourious Basterds (Regie: Quentin Tarantino, USA 2009)

basterds

Quentin Tarantinos Film sei „gegen die Deutschen“ und verherrliche diese „amerikanischen Hurensöhne“ – das sind nur zwei undifferenzierte Kommentare unter vielen, die auf YouTube unter dem deutschen Trailer zu lesen sind. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie das Thema „Drittes Reich“ in Windeseile jegliches Gespür für Abstraktion im Keim erstickt.
Wenn an Tarantinos Film irgendetwas unmoralisch ist, dann die Tatsache, dass wir nun auch noch in diesem Streifen Til Schweigers lästige Visage ertragen müssen. Ohnehin ist es nötig, den Film mindestens zwei Mal anzusehen – nicht nur wegen seiner Brillanz, sondern auch, um alle 45 darin vertretenen deutschen Schauspieler durchzuzählen. Ganz davon abgesehen, dass die Sequenz, in der Brad Pitt alias Leutnant Aldo Raine im breiten Südstaaten-Akzent auch noch versucht, Italienisch zu sprechen, selbst beim zehnten Mal noch gut unterhält und so inmitten eines brutalen Kriegsfilms dem perfekten Comedy-Erlebnis doch sehr nah kommt. (SW)

14. I’m Not There (Regie: Todd Haynes, USA 2007)

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Todd Haynes gehören die Vergangenheit und die Zukunft der Musikfilme. Kein anderer Regisseur der Moderne hat das Wesen der (musikalischen) Kreativität so durchdrungen und verstanden wie der 49-Jährige Kalifornier. Das Bio-Pic „I’m Not There“ über den vielseitigsten Solo-Künstler der Popmusik, Bob Dylan, ist sein Meisterwerk und zukünftige, ernstzunehmende Musikfilme werden sich daran messen lassen müssen. Von den unzähligen wunderschönen Momenten, die „I’m Not There“ erzählt, sind die zwei am größten, die die Befindlichkeit einer ganzen Epoche auf den Punkt bringen und darüber hinaus das Wesen kreativer Selbstenfaltung filmisch einfangen: der 13-Jährige Marcus Carl Franklin, schwarze Hautfarbe und abgetragene Klamotten am Leib, spielt zuerst für die weißen Großgrundbesitzer (die seine Musik nicht verstehen) und später zusammen mit der leibhaftigen Legende Richie Havens auf einer Veranda, ganz in sich ruhend, den ewigen Dylan-Klassiker „Tombstone Blues“. Mehr geht nicht… (RH)

13. It’s All About Love (Regie: Thomas Vinterberg, Dänemark 2003)

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Sicherlich eine der größten Überraschungen unserer Bestenliste ist „It’s All About Love“ vom dänischen Regisseur Thomas Vinterberg, der mit dem verstörenden Dogma-Film „Das Fest“ als erst 29jähriger in jungen Jahren berühmt wurde, um mit seinem Nachfolgefilm so tief zu stürzen wie kaum ein Wunderkind zuvor. „It’s All About Love“ wurde von Kritikern gehasst und vom Publikum ignoriert. Dabei ist der Film ein flirrender Fiebertraum über das Ende der Welt, das Ende der Liebe, das Ende des Lebens, mit soviel Stil, Verve, Exuberanz und, ja, Pathos vorgetragen, dass man nicht glauben mag, dass der selbe Mann wenige Jahre zuvor am Altar des Minimalismus besser predigte als irgendein anderer Regisseur dieser Welt. Kein Wunder, dass die zeitgenössische Kritik nichts mit „It’s All About Love“ anfangen konnte, aber wir alle sollten der Absurdität der Geschichte, der Unmöglichkeit des Unterfangen eine neuerliche Chance geben. Ein Film über die Liebe, kalt wie Sibierien und dennoch: „In the end, it is, as promised, all about love – this brave, foolish, improbably moving film’s great achievement may be the utter sincerity with which it lives up to its title.“ (CI)

12. The Devil’s Rejects (Regie: Rob Zombie, USA 2005)

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„The Devil’s Rejects“ ist ein kleines Wunder. Was ist hier nur geschehen? Da macht Rob Zombie zuvor nur unanhörbare Musik und einen grässlichen Film („Haus der 1000 Leichen“), bei dem er sich aufführt wie ein Kind ohne Aufsicht im Spielzeugladen, und nach „The Devil’s Rejects“ ebenfalls nur Mist, trifft hier aber jeden verdammten Ton goldrichtig. Ein Horrorfilm, wie wir ihn seit der goldenen Ära der 70er nicht mehr gesehen haben, mit einer Grobkörnigkeit direkt aus dem „Texas Chainsaw Massacre“! Dass wir in „The Devil’s Rejects“ mit Massenmördern und perversen Sadisten mitfiebern, ihnen mit Warmherzigkeit und Empathie begegnen, ist dabei die erstaunlichste Tat von Rob Zombie. Diese Killer haben kein gutes Herz, sind keine unglücklich Getriebenen, sondern einfach und grundlos böse. Dennoch ist die Schlußsequenz zu „Free Bird“ von Lynyrd Skynyrd eines der bewegendsten Farewells des Jahrzehnts. Pure Brillanz, in Blut gebadet: (CI)

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11. The Filth & The Fury (Regie: Julien Temple, UK 2000)

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Die bestplatzierteste Dokumentation in unserer Dekadenliste und womöglich die beste Band-Doku, die überhaupt je gedreht wurde. Julien Temples Annäherung an die Sex Pistols, ja, an Punk generell, ist ein Meisterwerk. Wild, berührend, verblüffend, hart, verspielt, kunstvoll. Temples Pistols-Doku arbeitet mit Ausschnitten aus Shakespeares „Richard III“ ebenso wie mit Originalaufnahmen aus der damaligen Zeit, die schlagartig deutlich machen, warum Punk passieren musste. Warum Punk das beste war, was der Musikszene, der Gesellschaft passieren konnte. Wer einen britschen Politiker 1976 im TV ungestraft sagen hört, den Sex Pistols würde ein „plötzlicher Tod“ gut stehen und sie wären die „Antithese zum Menschengeschlecht“, wer die geifernden Anti-Pistols-Fanatiker mit ihren Fackeln am Dorfeingang stehen sieht, wenn der Tourbus in das Städtchen rollt, der wird nie mehr vergessen, warum Johnny Rotten und Malcolm McLaren die Gesellschaft auf immer verändert haben. „The Filth & The Fury“ – viel mehr als eine Banddoku, eine Homage an eine Bewegung. (CI)

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Plätze 34 – 21:

21. Waltz With Bashir (Regie: Ari Folman, Israel 2008)
22. The Eternal Sunshine Of The Spotless Mind (Regie: Michel Gondry, USA 2004. Dt. Titel: Vergiss Mein Nicht)
23. Irréversible (Regie: Gaspar Noé, Frankreich 2002)
24. Juno (Regie: Jason Reitman, USA 2007)
25. Artificial Intelligence: AI (Regie: Steven Spielberg, USA 2001)
26. Little Children (Regie: Todd Field, USA 2006)
27. The House Of The Devil (Regie: Ti West, USA 2009)
28. In The Mood For Love (Regie: Wong Kar Wai, China 2000)
29. Der Maschinist (Regie: Brad Anderson, Spanien 2004)
30. Alle Anderen (Regie: Maren Ade, Deutschland 2009)
31. City Of God (Regie: Fernando Meirelles, Brasilien 2002)
32. [REC] (Regie: Jaume Balagueró & Paco Plaza, Spanien 2007)
33. 13 Tzameti (Regie: Géla Babluani, Frankreich 2005)
34. The Tracey Fragments (Regie: Bruce McDonald, Kanada 2007)

Plätze 50 – 35:

35. There Will Be Blood (Regie: Paul Thomas Anderson, USA 2007)
36. Rushmore (Regie: Wes Anderson, USA 1998)
37. Eastern Promises (Regie: David Cronenberg, Kanada 2007 / Dt. Titel: Tödliche Versprechen)
38. Death Proof (Regie: Quentin Tarantino, USA 2007)
39. American Beauty (Regie: Sam Mendes, USA 1999)
40. Little Miss Sunshine (Regie: Jonathan Dayton & Valerie Faris, USA 2009)
41. Match Point (Regie: Woody Allen, USA 2005)
42. Let The Right One In (Regie: Tomas Alfredson, Schweden 2008. Originaltitel: Låt den rätte komma in / Dt. Titel: So finster die Nacht)
43. Herr Lehmann (Regie: Leander Haußmann, Deutschland 2003)
44. (500) Days Of Summer (Regie: Marc Webb, USA 2009)
45. Elephant (Regie: Gus Van Sant, USA 2003)
46. Slumdog Millionaire (Regie: Danny Boyle, UK 2008)
47. 25th Hour (Regie: Spike Lee, USA 2002)
48. The Descent (Regie: Neil Marshall, UK 2005)
49. Nichts Bereuen (Regie: Benjamin Quabeck, Deutschland 2001)
50. Caché (Regie: Michael Haneke, Frankreich 2005)

Und die Gewinnner?
Plätze 10 – 1

(Texte: Silvia Weber, Katja Peglow, Robert Heldner, Christian Ihle)

Kommentare (25)

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  1. Hiermit nochmal ein Extradanke für die Erwähnung von „It´s all about love“. Ich hatte noch nie von dem gehört und ich glaube, der kommt in meine Top5 aller Zeiten.

  2. wann kommen denn die top 10 🙂
    freu mich mehr, als auf den weihnachtsmann….

  3. Großes Lob an die wirklich geniale Zusammenstellung der Dekade! Wann kann man mit der Top 10 Liste rechnen? Kann es kaum abwarten 😛

  4. @CI: Kika ist schon etwas hysterisch. Ich würde auch eher zu den neueren Filmen raten (wobei ich Zerrissene Umarmung enttäuschend fand), somit: Volver und La mala educación.

  5. Kika und All About My Mother.
    Danach frustriert aufgegeben.

    Mit welchem Almodovar sollte man denn einsteigen, um sich wieder anzufreunden? Was ich eher nicht mag: wenn es zu sehr Farce wird und wenn es zu sehr Melodram wird.

  6. Das wirft die Frage auf: welche Filme hast Du denn bisher gesehen?

  7. Ich persönlich habe ja noch keinen Almodovar-Film gesehen, mit dem ich ernsthaft was anfangen konnte. Seltsam, was?

  8. Wenn Almodóvar, dann bitte Volver!
    (Ja, er ist sicher an der Stimmaufsplittung gescheitert)

  9. @Kozmus: Wenn schon ein spanischer Film, dann doch statt del Toros Labyrinth bitte was von Almodóvar: Wobei ich beinahe fürchten muss, dass auch er einer Stimmenaufsplittung zum Opfer gefallen sein könnte, obgleich ich La mala educación den Vorzug gäbe…

    Deutsche Filme vermisse ich weniger, aber Röhler hätte schon in die Top50 gehört.

  10. „Warum Zombie den dann aber schlägt oder gar The Descent, bleibt euer Geheimnis.“

    mhm, das habe ich jetzt nicht so ganz verstanden. Wer schlägt wen?
    falls das missverständlich ausgedrückt war: BattleRoyale ist nicht wegen seiner Fortsetzung abgestraft worden, ich mag BR selbst sehr gern. War sogar einer der beiden Filme, die ich für meinen einzigen Filmabend in einer Berliner Bar ausgesucht hatte:

    http://sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs119.snc3/16652_194325442800_694562800_2911229_2372532_n.jpg

    „It’s All About Love“ hatte tatsächlich in der Abstimmung einen Vorteil: da er ja vom Publikum größtenteils ignoriert wurde, haben zu wenige in der Jury den Film gesehen, um dagegen stimmen zu könne 😉
    Und bei mir war er ein klarer Herzensfilm. Sicherlich eine der größten Verrücktheiten des Jahrzehnts und ich kann auch wirklich jeden verstehen, der den Film nicht mag, weil auf handwerklicher Ebene auch tatsächlich vieles nicht passt. Aber er bekommt mich jedes mal doch wieder und zwar wohl aus genau dem Grund, den das VillageVoice-Zitat am Ende der Kurzkritik oben nennt.
    Außerdem: wirklich lieber ein Regisseur und ein Film, der etwas wagt und verrücktes versucht als ein ödes playing-it-safe und zu den Bekehrten predigen. Wäre für ihn ja ein leichtes gewesen nach Das Fest noch mal einen minimalistischen Dogma-Film zu machen.

  11. In den Top10 werden tatsächlich noch einige der von dir genannten auftauchen.

    A Single Man und Bad Lieutenant waren allerdings nicht wählbar, weil deutscher Kinostart erst 2010, die Liste aber 2000-2009 umfasst.
    Beide trotzdem gut und tatsächlich auch hier schon gebührend gelobt:

    http://blogs.taz.de/popblog/2010/04/01/bad_lieutenant_regie_werner_herzog/

    http://blogs.taz.de/popblog/2010/04/27/a_single_man_regie_tom_ford/

  12. Ich find die Liste sehr interessant, ist mal etwas Anderes!

    „Tracey Fragments“ z.B. hab ich inspiriert von der Liste angesehen und war sehr angetan, genauso „Let The Right One In“, klasse Film, „[REC]“ dagegen hat mich sehr enttäuscht. Andere Filme wie „13 Tzameti“ werden noch angeguckt…gibts aber gegenüber vom Moviemento nicht 😉

    Für mich fehlen auf jeden Fall noch:

    Adams Äpfel
    Mulholland Drive
    Oldboy
    Chihiros Reise
    Children Of Men
    Lost In Translation
    21 Gramm
    Wo Die Wilden Kerle Wohnen
    Into The Wild
    A Single Man
    Brügge sehen… und sterben?

    und in die engere Auswahl kämen bei mir:

    Requiem for a Dream
    Memento
    Zerrissene Umarmungen
    Das weiße Band
    Das Summen der Insekten
    28 Days Later
    Young@heart
    Moon
    Bad Lieutenant
    Gran Torino
    Pans Labyrinth
    Dänische Delikatessen

    Meinungen und eure Listen bitte 😉 Is noch wer bei Moviepilot?^^

  13. Das aber könnte man auch wieder zu der unnötigen Fortsetzung zu [Rec] oder dem US-Remake, wenn man das Original bereits gesehen hat, schreiben. Warum Zombie den dann aber schlägt oder gar The Descent, bleibt euer Geheimnis.

    Schön finde ich die Fast-Entschuldigung für Vinterbergs „All About Love”… Komisch, dass gerade der dann doch noch so konsensfähig war. Aber er scheitert auch einfach zu gut (wie Zach Braffs doch etwas krampfaftes Zu-Ende-Führen von Garden State, den ich bisher vermisse, was wohl auch so bleibt, wenn Juno oder Little Miss Sunshine vergleichsweise ’schlecht‘ abschneiden) – was da alles aufgefahren wird, neben Claire Danes, die mal wieder Heulkrampfen darf… allein die Penn-Monologe im Flugzeug… der Weltuntergang – welcher Film bietet das?

  14. Dafür fände Battle Royale 2 ohne Umwege Aufnahme in eine „schlechteste Filme der Dekade“ – Liste. Um mal einen durchaus nicht unberechtigten imdb-Kommentar zu zitieren: „This film demands to be intentionally and forcefully ignored. Frankly any attention paid to it, including burning the negative, cutting every frame to pieces is merely allowing it to think it has a right to exist.“

  15. Manchmal ist aber auch einfach nur das blöde Timing Schuld. Erst kürzlich z.B. in den Genuss von Battle Royale gekommen, den ich sofort nachnominieren würde, wenn es ginge!
    Und Requiem (einer der wenigen annehmbaren deutschen Filme aus der letzten Dekade überhaupt) hätte ich auch gerne in der Liste gesehen…

  16. Ich kann es kaum abwarten bis die liste endlich komplett ist … !

  17. Deutsches kommt noch, keine Sorge… Immerhin sind jetzt schon 10% der Filme deutschsprachig, da finde ich die asiatische Lücke bedenklicher.

    Der Wahlmechanismus war ja so, dass es ein Film erstmal in die persönlichen Top-50-der-Dekade schaffen musste (was demnach nur Filme schaffen sollten, die einem wirklich am Herz liegen. Petzold, Schmid sind tendenziell wohl eher Filme, die man „gut“ findet. Ich hatte aber bspw „Der alte Affe Angst“ von Röhler in meinen Top50 nominiert, glaube auch „Reqiuem“ von Schmid), in einem zweiten Durchgang konnten dann die anderen Jury-Mitglieder die „fremden“ nominierten Filme bewerten. In dem Durchgang wurde sozusagen abgeklopft, wie weit die Filme als „konsensfähig gut“ gesehen werden, was bspw von Trier gekillt hat, weil immer irgendeiner den jeweiligen von Trier eben gerade nicht mochte (ich bspw „Dancer In The Dark“, andere „Antichrist“ oder „Dogville“ – das ist wahrscheinlich der von Trier Fluch: die Filme sind auf ihre Art so extrem, dass sie polarisieren).
    Ich habe also versucht sowohl die absoluten Herzensfilme zunächst zu filtern und danach den Allgemeingültigkeitsanspruch des eigenen Herzes zu prüfen, wenn man so will.

    REC würde ich ohne Zweifel einen der zehn besten Horrorfilme der letzten Dekade nennen. Und Juno war mir von all den quirky Indie-Comedies aus Amerika (abgesehen von Royal Tenenbaums) auch die Liebste, finde ich bspw viel besser als Little Miss Sunshine.

    und ja: solche Listen fordern natürlich overrated-Diskussionen heraus, das ist neben dem Anreiz, sich den einen oder anderen Film doch mal (wieder) anzusehen, natürlich auch der Sinn der Liste. Frei fühlen zum Kritisieren!

  18. Ohne Overrated-Diskussionen macht es ja aber auch keinen Spaß.
    Juno und [REC] finde ich bspw. auch viel zu hoch platziert. Oder The Tracey Fragments: rätselhaft, wie der überhaupt in die Liste kommen konnte.

    Mir fehlen die deutschsprachigen Filme. Was ist mit Petzold, Röhler, Ulrich Seidl, Hans-Christian Schmid…
    (gerade unter Betrachtung der Platzierung von Nichts bereuen oder Herr Lehmann)
    ich fürchte, die kommen jetzt auch nicht mehr. Bleibt noch die Hoffnung auf irgendwas von Akin.

    Die Tragik der Stimmenaufsplittung finde ich auch bitter: Konnte es da keinen edit mehr geben?

  19. Ich will ja nichts vorwegnehmen, aber ich sags mal so: es hätte mich selbst sehr geärgert, wenn Oldboy nicht von der Jury ebenfalls als gut befunden worden wäre.

    Brokeback Mountain, Hotel Ruanda und Bowling for Columbine haben es tatsächlich alle nicht geschafft, nicht einmal auf die „große Nominierungsliste“. Milk schafft es ebenfalls nicht in die Top50, aber wurde von den Genannten noch am besten bewertet mit Platz 86. Ein ähnlicher Fall bei 101 Reykjavik: auf der Nominierungsliste, aber nicht in den Top50.

    zu Donnie Darko: die Platzierung finde ich recht annehmbar, immerhn war Darko schon ein Phänomen – gerade wenn man beachtet, welche Schwierigkeiten der beim ersten Kinolauf hatte und erst im Nachhinein sich seinen Ruf erspielen konnte. Das passiert ja in der normalerweise sehr Marketing- und/oder Filmfestival-gesteuerten Welt nur noch recht selten.

    Bei Lars von Trier finde ich es persönlich etwas tragisch: zwar hat er gleich drei Filme (Antichrist, Dogville, Dancer In The Dark) in die „große Liste“ gebracht, aber ist dann jeweils an den Top50 gescheitert. Stimmenaufsplittung, wohl. Spiegelt natürlich nicht seinen verdienten Status wieder – andererseits haben nur wenige Regisseure so viele verschiedene Filme nominiert bekommen (spontan: glaube nur QT, Wes Anderson und Sofia Coppola).

    Mit deiner Kritik, dass recht wenige asiatische Filme auftauchen, muss ich dir recht geben, bisher eben nur Wong Kar Wai, aber Park kommt ja wenigstens noch…

  20. Overrated-Diskussionen sind bei einer solchen Liste sicher immer unvermeidbar (ich halte etwa Juno, AI und Elephant für überbewertet…), aber interessanter ist da doch, dass die Liste nicht-westliche Filme bisher sehr vernachlässigt: Ich hoffe zumindest, dass es Park Chan-wooks Oldboy noch in die Top 10 schafft.

    Aber alles in allem ist es bisher eine sehr gute Liste, die bisher nicht im Geringsten den Eindruck erweckt, wie vergleichbar ambitionierte Listen in einem politisch-korrekten Alptraum gipfeln zu wollen, etwa mit den bereits angesprochenen Milk und Brokeback Mountain, oder auch Hotel Ruanda und Bowling for Columbine.

  21. Donnie Darko is so overrated.

  22. Da es bis zu den Top Ten noch ein bisschen dauern kann, lässt sich schon mal spekulieren, was da noch kommen mag:

    Mit Ken Park (hätte ich unter den Top 50 vermutet) muss man wohl jetzt nicht mehr rechnen, aber 101 Reykjavik (so hoch setzte ich den zwar nicht an, aber da er bisher noch nicht auftauchte) und Dogville scheinen unvermeidlich.
    Gut möglich, dass Milk und/oder Brokeback Mountain auch noch Eingang finden.
    Ansonsten hoffe ich noch auf Bertoluccis grandioses Spätwerk, Dreamers.

    Man darf jedenfalls gespannt sein…

  23. Danke für den Hinweis, das ist natürlich richtig. Ausgebessert.

  24. Ashton Kutcher?! – Da war wohl Josh Hartnett gemeint…