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vonChristian Ihle 27.08.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Grabbers





1. Der Film in einem Satz:


Hinspiel: Iren vs. Aliens 0:1.
Rückspiel: Besoffene Iren vs. Nüchterne Aliens 2:0


2. Darum geht‘s:


Nach einem Kometenabsturz breiten sich merkwürdige krakenartige Lebewesen auf einer kleinen irischen Insel aus. Wie Vampire saugen sie ihren Opfern das Blut aus dem Leib.
Doch an Paddy beißen sie sich die Zähne aus und verenden an einer Alkoholvergiftung, hat der gute Paddy doch am Abend zuvor am Tresen ordentlich getankt. Die Lösung liegt also nahe: alle in die Kneipe, saufen und so den Aliens den Alkoholvergiftungsgaraus machen.



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Man muss wirklich den Hut ziehen, dass Regisseur Jon Wright aus dieser Schnapsidee einen durchwegs lustigen Film gezaubert hat, der mit der Schrulligkeit der irischen Dorfbewohner ebenso spielt wie mit gängigen Irlandklischees (wenn sie was können, dann das Saufen). Das würde nicht funktionieren, wären nicht alle zentralen Figuren hervorragend besetzt und komödiantisch ausbalanciert gespielt. Hervorzuheben vor allem Ruth Bradley als straight edge Workaholicpolizistin, die sich zum Alienkampf den ersten Rausch ihres Lebens antrinkt. Und, Junge, genießt sie den!



3. Der beste Moment:


Wenn sich die abstinente, überkorrekte Dorfpolizistin die Kante gibt, um sich gegen die Alienkraken wehren zu können. Wer da nicht Lust auf 6 bis 9 Bier bekommt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Wer die irische Schrulligkeit schätzt und eher nach der Devise „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ lebt. „Grabbers“ ist übrigens dem hochgelobten „The Guard“ aus 2011 durchaus ähnlich, aber letzten Endes in seiner Pointendichte sogar überlegen.


* Regie: Jon Wright
* imdb


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God Bless America






1. Der Film in einem Satz:



„You know you got my sympathy, but don’t shoot shoot shoot that thing at me!“


2. Darum geht‘s:


Frank verliert innerhalb kurzer Zeit jeden Halt im Leben. Nach der Scheidung wird dem Mittvierziger wegen einer Lappalie der Job gekündigt. Als ihm auch noch die Hiobsbotschaft eines Gehirntumors überbracht wird, reicht es ihm. Augen zu, Waffe in den Mund und Schluss mit der Welt. Kurz vor dem erlösenden Augenblick erkennt Frank allerdings seine wahre Bestimmung. Im Fernsehen läuft eine dieser inhaltsleeren Reality-Soaps. Und plötzlich weiß Frank, mit der Waffe in der Hand, wen es eigentlich gilt zu erschießen – Casting-Stars, TV-Prediger und Beauty-Queens. Auf seinem Kreuzzug durch die USA schließt sich die sechzehnjährige Roxy an und wird sein größter Fan.

Wie man Medienkritik auf brutale Weise inszeniert und trotzdem die Deutungshoheit behält, hätte sich Regisseur Bobcat Goldthwait bei Oliver Stone’s „Natural Born Killers“ abschauen können. Woody Harrelson und Juliette Lewis wirken als Horror-Duo bis heute nach. „God Bless America“ will aber gar nicht brutal sein, sondern lustig. Und genau da scheitert Goldthwait auf ganzer Linie. Denn um über ein erschossenes Baby lachen zu können, dafür braucht man schon eine große Portion Zynismus.


3. Der beste Moment:


Roxy’s Rant über Diablo Cody’s Film „Juno“ sowie der Kino-Besuch des Killer-Pärchens in Bonny & Clyde Verkleidung.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Post-Pubertäre Weltverbesserer mit Tarantino-Faible.


Regie: Bobcat Goldthwait
imdb
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Text Grabbers: Christian Ihle, Text: God Bless America: Robert Heldner

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