Berlinale (4): Side Effects von Steven Soderbergh, Don Jon’s Addiction von Joseph Gordon-Levitt

Side Effects





1. Der Film in einem Satz:


Dieser Film hat Nebenwirkungen: Plottwists bis einem schwindelig wird.


2. Darum geht‘s:


Die depressive und selbstmordgefährdete Emily (Rooney Mara aus “Verblendung”) sucht den Psychiater Dr. Banks (Jude Law) auf. Banks gelingt es nicht völlig, Emilys Gemütsschwankungen zu beseitigen und verschreibt ihr verschiedene Arzneimittel. Wenig später ersticht Emily ihren Mann.
Hat sich Banks schuldig gemacht? War die Medizin verantwortlich? Ist Emily nicht nur eine Mörderin – sondern auch eine schuldige Mörderin, war sie also überhaupt zurechnungsfähig?


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Das sind die Fragen, um die sich “Side Effects” zunächst zu drehen scheint bevor sich in der letzten halben Stunde alles noch zwei mal auf den Kopf stellt (und der Film von Twist zu Twist unglaubwürdiger wird). Bei “Side Effects” handelt es sich um einen klassischen “mach ich halt mal nen Genre-Film”-Soderbergh, also seine Ausflüge in Genres, nach deren Regeln er spielt, aber immer seinen eigenen Touch mit einbringt – hier vor allem das politische Gewissen, das Hinterfragen der Marktmacht von Pharmaunternehmen, ihr Geschäftsgebahren und was aus einem Land wird, das Psychiater und Seelen-Medizin für normal hält.

“Side Effects” ist ein leidlich spannender Krimi, wenn sich Soderbergh nach der Hälfte der Spielzeit endlich dazu bequemt, das Thrillerrad anzuwerfen und die Politfingerzeige bleiben lässt. Leider ist das Buch aber dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass man sich bei aller guten Unterhaltung als Zuschauer durchaus ein wenig veralbert vorkommen kann.



3. Der beste Moment:


Die Performance von Rooney Mara, die ihr zerbrechliches, depressives Mädchen sehr gut spielt. Was man ganz klar von Catherine Zeta-Jones, die eine Karikatur einer Psychiaterin darstellt, nicht sagen kann.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Wem zum Beispiel ein Erhobener-Zeigefinger-Seuchenfilm wie “Contagion” (gleicher Drehbuchautor, übrigens) lieber ist als ein geiles Hollywood-Ding wie “Outbreak”. (Text: Christian Ihle)


* Regie: Steven Soderbergh
* imdb


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Don Jon’s Addiction


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1. Der Film in einem Satz:


Pornos vermitteln ein eigenartiges Bild von Liebe und Sex – Hollywoodromanzen aber auch…


2. Darum geht‘s:


Man muss sich Jon, den Don (Joseph Gordon-Levitt) als Profiaufreißer vorstellen: Barkeeper, Prolet, Sauberkeitsneurotiker, Muskelprotz, Macho. Mit seinen Jungs steht er im immer gleichen Club, bewertet die anwesenden Frauen auf einer Skala von null bis zehn und nimmt alles über neun mit nach Hause. Bloß: der Sex mit diesen Frauen lässt Don Jon unbefriedigt, wahre Extase findet er nur vor einem Bildschirm, auf dem die stereotypischen Silikonbrüste immer geiler, junger Damen wild an den Oberkörper klatschen. Als er allerdings von Barbara (Scarlett Johansson) zurückgewiesen wird, lässt er sich ruckzuck domestizieren – keine Saufabende mehr, dafür aber Abendklassen um den Schulabschluss nachzuholen. Und keine Pornos mehr. Weil aber selbst der Sex mit Barbara nicht so klinisch rein und erholsam einsam ist wie die Masturbation vor dem Computer, klappt es mit dem neuen Lebenswandel nur bedingt. Aber auch Barbaras eher schlichte, Hollywood-gestützte Vorstellung von der Liebe sowie die verwegene, ältere Mitschülerin aus der Abendklasse sind nur bedingt stabilisierende Faktoren für die Liebe von Barbara und Jon.


3. Der beste Moment:


Wenn Jon und Barbara am Ende des Filmes im Café sitzen und über ihre Lieblingsliebesfilme und ihre Beziehung sprechen. Und die vielen, albernen Pointen aus dem Alltag eine verunsicherten Machos.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Wer sich schon immer wünschte, eine Hollywood-Romanze aus der Sicht eines Machomännchens zu erleben. (Text: Daniel Erk)


* Regie: Joseph Gordon-Levitt
* imdb

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