Berlinale (5): The Broken Circle Breakdown und State 194 über den Palästina/Israel-Konflikt

The Broken Circle Breakdown





1. Der Film in einem Satz:


Life & Death in einer Bluegrassband.


2. Darum geht‘s:


Didier, Ex-Punk & Sänger einer Bluegrass-Band, verliebt sich in die Tattookünstlerin Elise. Die beiden gehen gemeinsam auf Tour, bekommen ein Kind und sind so ziemlich die glücklichsten, unangepassten Menschen in Flandern. Doch als nach sieben glücklichen Jahren das Unheil hereinbricht, zeigt sich das Leben in der größtmöglichen Härte: die kleine Tochter erkrankt an Krebs, die beiden Liebenden entzweien sich in Kampf, Furcht und Trauer.


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The Broken Circle Breakdown ist ein intensives Drama um Leben und Tod – wie man mit beidem umgeht und wie zerstörerisch das Leben auf die Liebe wirken kann. Man kann es The Broken Circle Breakdown gar nicht hoch genug anrechnen, dass er ein Tränenzieher allererster Klasse ist und dabei doch praktisch keinen Schritt falsch setzt. Die ganze Tragik eines Lebens wird hier knallhart bis zum Ende durchexerziert, trifft alles Unglück der Welt auf diese beiden Menschen, die doch nur sich – und die Musik – haben. Und so spitzt sich alles zu: Ist das Unglück im Jetzt stärker oder die Erinnerung an das einst so vollendete Glück?

Im Subtext schwingt zudem immer die Frage mit, wer den Tod eines geliebten Menschen besser verkraften kann? Derjenige, der sich in den Symbolismus des Glaubens flüchtet oder der Rationalist, für den es nur dieses Leben, nur diese Welt geben kann?

Wuchtig, ja wütend gespielt von Johan Heldenbergh (auch Co-Autor des Theaterstücks, auf dem der Film beruht) und Veerle Baetens und dabei dank der wundervollen Szenen mit Bluegrass-Musik bei all der Trauer auch noch auf ganz eigene Art lebensbejahend. Wer hier keine feuchten Augen bekommt, wenn einem Charakter auf dem Todesbett ein letztes Bluegrass-Liedchen hinterhergesungen wird und sich nach und nach die Trauer in Trotz, in Wut und letztendlich dann in den Trost steigert, den diese Songs zu geben vermögen, der hat kein Herz.



3. Der beste Moment:


Entweder oben beschriebene Todesbett-Bluegrass-Szene, aber genauso die wilden, feiernden, glücklichen Zeiten zuvor. Alle natürlich unterlegt von Bluegrass- und Country-Songs (von Bill Monroes Stücken über Johnny Cash & der Carter Family zu Townes van Zandt), die die Schauspieler selbst eingesungen haben – und wie gut!



4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Tja wer nicht, wenn selbst ich, der um Dramen, die Krankheit, Leben und Tod behandeln, normalerweise einen weiten Bogen macht, mich der Wucht des Films nicht entziehen konnte? (Text: Christian Ihle)


* Regie: Felix Van Groeningen
* imdb


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State 194


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1. Der Film in einem Satz:


Wie Salam Fayyad einmal versuchte, Palästina zu einem Staat zu machen


2. Darum geht‘s:
Der Nahostkonflikt ist eine komplexe Angelegenheit, ein Ende ist nicht in Sicht. Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad (bitte nicht mit dem Präseidenten, Mahmud Abbas, verwechseln) hat eine Idee: Warum nicht nach dem Vorbild Israels erst die staatlichen Insititutionen stärken, internationale Finanzhilfen für Infrastruktur nutzen und sich dann von der UN-Vollversammlung als Staat anerkennen lassen? Gesagt, getan – Fayyad macht sich an’s Werk. Und mit ihm der israelische Regisseur Dan Setton, der über Fayyads Bemühungen und überhaupt das israelisch-palästinensische Verhältnis die Dokumentation „State 194“ drehte.

Bloß: Wo immer es kompliziert wird, wo immer die Hoffnungslosigkeit Fayyads Anliegens sichtbar wird, schwenkt Setton schnell zu im Wind wehenden Fahnen, zu Sonnenuntergängen über Jerusalem und zu Fayyad, wie er Kindern über den Kopf streichelt. Als wäre das nicht ausreichend, lässt Setton dazu sein Streicherensemble alle Register der emotionalen
Manipulation ziehen. Und so ist „State 194“ keine Dokumentation, sondern erinnert stark an den 30-minütigen Werbespots Barack Obamas zur US-Wahl 2009.
Regisseur Setton sagte vor der Aufführung seines Filmes, er habe während der Dreharbeiten wieder Hoffnung geschöpft und hoffe, die Zuschauer würden diese Hoffnung aus dem Film mitnehmen. Alles schön und gut, aber muss man dafür die Tatsachen derart vereinfachen und so hart am Pathosregler drehen?


3. Der beste Moment:


Wenn Salam Fayyad, der nicht ganz zu unrecht oft als Bürokrat verschrieen wurde, im Gespräch mit den Menschen in Palästina seinem trockenen Humor freien Lauf lässt. Und wenn, entgegen Settons Pathos, erkennbar wird, dass das mit den einfachen Antworten im Film wie in der Politik nichts wird.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Deutsche, die total gute Ideen haben, wie sich der Nahostkonflikt total super schnell und einfach lösen lässt. Amerikaner, die bislang dachten, alle Palästinenser würden im Alltag mit Sprengstoffgürteln umherspazieren. (Text: Daniel Erk)


* Regie: Dan Setton
* imdb:

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