vonChristian Ihle 21.05.2014

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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1. Der Film in einem Satz:


Der Kampf zwischen zwei Monstern: Hollywood-Kino gegen Auteur-Sensibilität.


2. Darum geht‘s:


Ein japanisches Kernkraftwerk explodiert aus ungeklärten Gründen, ein Erdbeben wird vorgeschoben. Der damalige Mitarbeiter Joe Brody (Bryan Cranston) verliert bei dem Unglück seine Frau und ist von nun an getrieben, den wahren Ursprung zu klären.

Es stellt sich heraus, dass ein Urzeitmonster von der Kernenergie angelockt wurde und sich von ihr speist. 15 Jahre später bricht das Monster aus und sucht seinen verbliebenen Artgenossen, um sich zu paaren. Doch aus den Tiefen der Meere steigt mit Godzilla das Urzeitmonster-to-end-all-Urzeitmonster empor, um für die „Balance der Natur“ zu sorgen und so die Menschheit zu retten.


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Nun, es ist natürlich vergebene Liebesmüh, die Irrsinnigkeit des Plots an sich oder das Blockbuster-Prinzip von „Godzilla“ zu kritisieren. Nehmen wir also „Godzilla“ als das, was er ist: ein Mega-Film. Vieles kann einen mental halbwegs frischen Zuschauer dabei selbstredend in den Wahnsinn treiben: natürlich ist auch in „Godzilla“ inhärent das alte Transformers-Problem, dass es nicht sonderlich interessant ist, wenn sich zwei CGI-Figuren eine Viertelstunde lang die Köppe einschlagen (andererseits: wenigstens dauert es nur eine Viertelstunde und nicht den halben Film wie bei Transformers). Natürlich ist es keine geringe Beleidigung der Zuschauerintelligenz, wenn jeder verdammte Gedanke, jede visuelle Andeutung postwendend vom Schauspieler noch einmal ausgesprochen werden muss. Drittens wird krampfhaft eine human interest – Ebene integriert, eine Familientragik, ein Kampf des einfachen Menschen gegen die gewaltigen Kräfte, die allerdings in der zweiten Hälfte des Films wirklich dermaßen lustlos abgehakt wird, dass man die Verachtung des Regisseurs Gareth Edwards für derart konventionelle Plot Points regelrecht mit Händen greifen kann.

Und hier kommen wir dann auch tatsächlich zu dem einen Punkt, der „Godzilla“ trotz aller berechtigten Kritik so interessant macht: die Sensibilität des Regisseurs. Gareth Edwards hat sich mit einem Low-Budget-Alien-Film für die „Godzilla“-Regie qualifiziert. In seinem „Monsters“ von 2010 (hier die Popblog-Besprechung) passiert fast nichts, es ist eine Reise ans Ende der Zivilisation, ein minimalistisches, in Teilen ergreifend schönes Filmerlebnis, das näher am Kino eines Werner Herzog ist als an irgendeinem anderen Außerirdischen-Film. Und genau diese Momente sind es auch, die „Godzilla“ bemerkenswert machen. Es ist eine Zärtlichkeit den Monstern gegenüber, ein Respekt vor der Gewaltigkeit der Natur, der sich in Edwards Bildern zeigt (und immer wieder seine Kampf-Aufnahmen, die es schaffen, selbst im absoluten Trickbild-Overkill, in den Hochhausschlachten zwischen Godzilla und Gegner, das japanische Ur-Kino zu zitieren). Allein für eine einzige Sequenz lohnt sich „Godzilla“ am Ende: wenn Fallschirmspringer zu einem Ligeti-Soundtrack durch die Wolken hinab in ein postapokalyptisches Schlachtfeld stürzen. So hätte vielleicht Kubrick einen Monster-Blockbuster bebildert. Und allein diese Szene ist besser als alles, was die komplette Transformers-Serie und das Marvel Cinematic Universe zusammen je hinbekommen haben.

Neben den wohl zwangsläufig zu akzeptierenden Blockbuster-Konzessionen hat aber „Godzilla“ einen großen Konstruktionsfehler, die Charakterentwicklung von Godzilla selbst. Die Positionierung von Godzilla – von Beginn an! – als großer Ausgleicher, als praktisch menschenfreundlicher (oder zumindest: menschenhelfender) Gott verbaut dem Film einen dramaturgischen Bogen, der neben dem reinen Zuarbeiten auf einen Endkampf notwendig gewesen wäre. Die Figur Godzilla ist zu holzschnittartig gezeichnet, mehr grau statt schwarz/weiß wäre von Vorteil gewesen. Hey, Bildungsroman-Idee, wo bist du, wenn man dich braucht!?



3. Der beste Moment:


Die unfassbare Fallschirmspringersequenz. Ist hier im Trailer in der ersten Minute zu sehen:
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4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Wer über die Blockbuster-Dummheiten hinwegsehen kann und die Godzilla-Figur nicht als alleinigen Hautdarsteller erwartet.


* Regie: Gareth Edwards
* imdb

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https://blogs.taz.de/popblog/2014/05/21/godzilla-regie-gareth-edwards/

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kommentare

  • Stimmt, der Schooly D Song aus Bad Lieutenant ist super. Großartig find ich da auch „Pledging My Love“ von Johnny Ace:

    https://www.youtube.com/watch?v=n22j7y0aA4A

    Der Soundtrack in Godzilla ist, wenn ich mich recht erinnere, ein reiner Score, also keine Popmusik. Die Stelle mit Ligeti ist sicherlich die eindrucksvollste.

  • Wie ist denn die Musik hier so? Das ist bei solchen Filmen ja immer das Entscheidende, die Atmosphäre, weniger der Plot.

    Den Emmerich-Godzilla fand ich insbesondere wegen dem Kashmir-Rap von Puff Daddy gut, wobei der natürlich nochmal etwas schwächer ist als der Kashmir-Rap von Schooly D. („Signifying Rapper“) aus „Bad Lieutenant“.

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