vonChristian Ihle 06.08.2014

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Wenn ein Album mit den Worten „Katzen! Mit ihren kleinen Tatzen! Schlendern an die Bluttöpfe der BOURGEOISIE!“ beginnt, der dazugehörige Song sich mit anerkennendem Nicken in Richtung Nietzsche ÜBERKATZE nennt und die Gruppe „Human Abfall“ als Bandnamen wählt, dann werden schon bemerkenswert viele richtige Knöpfchen gedrückt.


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Wie Die Nerven, die beste neue Punkband des Landes, stammen auch Human Abfall aus dem beschaulichen Baden-Württemberg. Also aus einem Landstrich, bei dem es nicht schwer fällt, sich vorzustellen, wie dringlich das Begehr nach Aufruhr in jungen Köpfen sein mag. Musikalisch sind Human Abfall bei weitem nicht der Gossenpunk, der ihr Bandname erwarten lässt, sondern wie die Nerven-Kollegen offensichtlich mit Noise wie Postpunk sozialisiert worden, wenngleich ihnen die Sonic Youth – Anklänge der Nerven fern liegen. Textlich zielen Human Abfall ziemlich exakt in die Mitte zwischen dem späten Peter Hein und den leider ja nur kurz existenten Cockbirds, die damals vor bereits acht Jahren so trefflich alle Berlin-Mitte-Neurosen endanalysierten. Vielleicht auch ein Zeichen, dass der Mitte-Virus sich pandemisch über deutsche Städte legt, die Hipsterisierung auch im Schwäbischen bereits angekommen ist. In die Welt hinausgeschrienen Textzeilen wie „ab wann hatte dein Fixie mehr Sexappeal als Steve McQueen?“ hätten tatsächlich auch die Cockbirds nicht treffender singen können. (8/10)

P.S.: eine gute Gelegenheit, mal wieder die einzige Cockbirds-Platte hervorzukramen.
Immer noch unzerstörbar und keine Stückchen weniger auf den Punkt sind „Caroline Hitler“ und „Super Danke“:

* Super Danke auf Spotify

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