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vonChristian Ihle 07.12.2015

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Was der Suhrkamp-Verlag zur Feier der Veröffentlichung der Thomas-Bernhard-Werkausgabe zusammengestellt hat, dürfte so etwas wie der Heilige Gral der Schmähkritiken sein: alle Städtebeschimpfungen von Thomas Bernhard ever!
Auf der Suhrkamp-Seite schön als Google Maps – Karte dargestellt, zum fröhlichen durch die Lande klicken!

Edit: es gibt sogar eine noch umfangreichere privat erstellte Google Maps – Karte hier.

Hier einige Highlights:

Lübeck

Früher oder später
werden alle Schauspieldirektoren verjagt
Aus dieser grauenhaften Stadt Lübeck
Alle diese am Meer gelegenen Städte stinken
aber in Lübeck stinkt es am, mitleidlosesten

Aus: »Minetti«

Bremen

Bremen verabscheute ich vom ersten Moment an, es ist eine kleinbürgerliche unzumutbar sterile Stadt.

Aus: »Meine Preise«

Würzburg

Wie hasse ich diese mittelgroßen Städte mit ihren berühmten Baudenkmälern, von welchen sich ihre Bewohner lebenslänglich verunstalten lassen. Kirchen und enge Gassen, in welchen immer stumpfsinniger werdende Menschen dahinvegetieren. Salzburg, Augsburg, Regensburg, Würzburg, ich hasse sie alle, weil in ihnen jahrhundertelang der Stumpfsinn warmgestellt ist.

Aus: »Meine Preise«

Innsbruck

[Innsbruck, Graz, Wien] Alle diese Städte, die ich naturgemäß auch schon vorher, wenn auch nicht gründlich, gekannt habe, deprimieren mich auf das Niederschmetterndste und es sind ja auch, vornehmlich Graz, widerwärtige Provinznester, jede für sich hält sich für den Nabel der Welt und glaubt, den Geist gepachtet zu haben, ja, aber es ist nur der ganz primitive Kleinbürgergeist; die Abgeschmacktheit Philosophie lehrender und Literatur betreibender Schrebergärtner habe ich in diesen Städten kennengelernt, nichts sonst und der üble Geruch bornierter Gemeinheit in diesen österreichischen Kloaken hat mir von vornherein den Appetit auf einen längeren, als nur den kürzesten Aufenthalt verdorben.

Aus: Thomas Bernhard: »Beton«, in: »Werke Bd. 5«, S. 100 f.

Salzburg

Was haben die österreichischen Menschen in nur vierzig oder fünfzig Jahren aus diesem europäischen Juwel gemacht?, dachte ich, auf dem Konglomeratblock sitzend. Eine einzige Architekturscheußlichkeit, in welcher die Salzburger als katholische und nationalsozialistische Juden- und Ausländerhasser in ihrer schauerlichen Leder- und Lodentracht zu Zehntausenden hin- und herrannten.

Aus: »In Flammen aufgegangen«, S. 453

Regensburg

Die Donau wurde immer noch schmäler, die Landschaft wurde immer noch lieblicher, schließlich, wo sie auf einmal wieder öd geworden war und grau und fade, war Regensburg … Die Stadt gefiel mir nicht, sie ist kalt und abstoßend.

Aus: »Meine Preise«

Passau

… schon als sie in Passau ankamen, hatten sie gesehen, daß es sich bei Passau um eine der häßlichsten Städte überhaupt handle, um eine Salzburg nacheifernde Stadt, die vor Hilflosigkeit und Häßlichkeit und widerwärtiger Plumpheit strotzende Stadt, die sich in perverser Hochmütigkeit Dreiflüssestadt nennt.

Aus: »Der Untergeher«

Linz

Es wäre ja auch undenkbar, daß aus dem kleinbürgerlichen Provinzloch Linz, das seit Keplers Zeiten ein tatsächlich zum Himmel schreiendes Provinzloch geblieben ist, das eine Oper hat, in der die Leute nicht singen können, ein Schauspiel, in dem die Leute nicht spielen können, Maler, die nicht malen, und Schriftsteller, die nicht schreiben können, aufeinmal ein Genie hervorgegangen wäre, als welches doch Stifter allgemein bezeichnet wird.

Aus: »Alte Meister«

Graz

In Graz leben nur Alte und Dumme
hat der Professor immer gesagt
in Graz ist nur der Stumpfsinn zuhause
ich verstehe nicht
daß es Leute gibt
die von Graz begeistert sind

Aus: Thomas Bernhard: »Heldenplatz«,

Wien

Wien ist eine fürchterliche Genievernichtungsmaschine, dachte ich auf dem Ohrensessel, eine entsetzliche Talentezertrümmerungsanstalt.

Die Stadt Wien ist eine einzige stumpfsinnige Niederträchtigkeit

Aus: »Holzfällen«



Ankündigung in eigener Sache:

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kommentare

  • So ist es doch wahr, was Bernhard Minetti einmal meinte, dass man „mit den Sätzen“ von Thomas Bernhard „leben“ kann, gleiches git doch m.E. auch für diese gekonnten Schimpftiraden des sehr großen Meisters der Weltliteratur: Thomas Bernhard.

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