Serientagebuch: 24 – Legacy

Die neue Staffel von „24“ ist die erste ohne die seit 2001 von Kiefer Sutherland gespielte Hauptfigur Jack Bauer und heißt „24 – Legacy“. Oder wie wir sagen: „24 – Leichenschändung“.

Vielleicht ist es auch wirklich nicht überraschend, dass eine Serie, die so sehr von den in der Hauptfigur angelegten Ambivalenzen lebte, nur wie eine blasse Kopie wirken kann, fehlt auf einmal dieser Fokuspunkt. Andererseits watete „24“ schon von der ersten Staffel an knietief in Klischees und ist spätestens seit Staffel 2 der Wiederholung der eigenen Ideen nicht abgeneigt. Wie oft haben wir Zuschauer schon in den Fernsehtisch gebissen und innerlich „nicht schon wieder ein Familienmitglied entführt!“ aufgejault oder waren potzerstaunt, als SCHON WIEDER ein Verräter sich in den inneren Kreis der CTU huscheln konnte!

Dennoch hat „24“ selbst am Ende als Kopie seiner selbst immer noch besser funktioniert und war dringlicher als alle anderen Network-Serien seiner Zeit. Und das ist das eigentlich erstaunliche: dass es „Legacy“ trotz ähnlicher Geschichten und der gleichen visuellen Mittel (Echtzeit, Splitscreens) nie gelingt, auch nur annähernd diesen Adrenalinrausch zu produzieren, der uns Zuschauer mit Jack Bauer über all die Logiklöcher springen hat lassen und dank dem wir auch die noch absurdeste Komplexität der Conspiracy-Theorie im Hintergrund akzeptiert haben. Das „24“ der Jack Bauer – Zeit war das, was Werner Herzog einmal als „pure cinema“ bezeichnete. Als den Kung Fu Film im Gegensatz zum Godard-Essay. „24“ war der Rausch der ständigen Bewegung und das Vergessen des Drumherums.

All das ist in „24 – Legacy“ nur noch als schwache Ahnung vorhanden und Corey Hawkins als Kiefer Sutherland – Nachfolger auch wirklich nicht zu beneiden. Ob sich die Serie allerdings einen Gefallen getan hat, einen solchen Kontrapunkt zur Jack Bauer – Figur zu setzen und Hawkins‘ Eric Carter als ums Gute bemühtes Milchgesicht ins Zentrum von „Legacy“ zu setzen, will ich stark bezweifeln.

Schade, spätestens mit „24 – Legacy“ heißt es nun nach insgesamt zehn Staffeln Abschied nehmen, von einer Serie, die das moderne Fernsehen nicht weniger geprägt hat als „Breaking Bad“.

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