Das Popblog war mal wieder Gastmoderator beim schönen Untergrundfernsehen von Undertube. Diesmal reden wir uns in positive Rage über The Horrors, die Manics, die Pet Shop Boys, wie man erkennt, welche Drogen Pete Doherty gerade nimmt und interviewen die angenehm muffigen Mittekill. Endlich mal ne Band, die nicht den Wasserfall mimt! Schweigen is the new schreien.
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Da der gute Pete vor einigen Wochen etwas Frühjahrsputz im Songschatzkästchen machte und ältere Lieder als Soloalbum veröffentlichte, wollen wir nicht nachstehen und bringen einen ursprünglich im letzten Jahr für die “Persona Non Grata” geschriebenen Text über Dohertys “Books Of Albion”:
Einen öffentlicheren Star als Peter Doherty hat die Welt nicht zu bieten. Seit seinen frühesten Ruhmestagen mit den Libertines lebt Doherty mit und in der Öffentlichkeit. Da scheint es nur logisch, wenn er nun seine Tagebücher in gebundener Form veröffentlicht – bei anderen Stars passiert derartiges gewöhnlich erst posthum, aber Doherty schert sich nicht darum, auch weil Narzissmus ein kaum weg zu diskutierender Charakterzug des Herrn mit dem Hut sein dürfte.

Im Endeffekt ist es ja auch egal: wer so oft mit so viel Schnappschüssen, bewegten Bildern oder dank drastischer Augenzeugenberichte durch die Hölle der Sun und des Daily Mirror gewankt ist, den kann auch die Veröffentlichung der eigenen Gedanken nicht mehr schrecken.
Es geht Doherty auch bei den wunderbar prätentiös betitelten „Books Of Albion“ wieder um den Mythos – und dessen gleichzeitige Dekonstruktion. … weiter lesen
Peter Doherty – Last Of The English Roses EP

Eine gewisse Verzweiflung kann man bei Dohertys Plattenfirma ausmachen: da kaufte man ihn einst vom Indielabel Rough Trade ab, weil kein anderer Musiker derart oft in den Schlagzeilen der Boulevardpresse wieder zu finden war und musste erkennen, dass sein kommerzielles Potential nie der medialen Aufmerksamkeit entsprach. Flugs holte man einen erfahrenen Studioarbeiter wie Stephen Street ins Boot und schasste den Punk-Urvater Mick Jones, aber trotzdem war “Shotter’s Nation” kommerziell weniger erfolgreich als das wunderbare Chaos, das Mick Jones beim Vorgänger “Down In Albion” hinterließ. … weiter lesen
Neben all dem Schund, Schmutz, Crack und Cocaine war Pete Doherty immer für eine Sache – zumindest in den Zirkeln, die sich tatsächlich mit seiner Musik beschäftigten – berühmt: dass er Songs am Fließband schreiben kann und im Gegensatz zu vielen seiner Indierockkollegen gerade dann zur Hochform aufläuft, wenn er, nur mit einer akustischen Gitarre bewaffnet, seine neuesten Erzeugnisse mit einem Diktaphon aufnimmt und ins Netz stellt.

Doherty wurde so auch auf andere Weise zum öffentlichsten Star der Welt. Es waren eben nicht nur die Skandälchen, die Tag für Tag in geheuchelter Hysterie von der britischen Presse begierig aufgesogen wurden, sondern auch, dass er einen Blick über seine Schulter beim Songwriting zuließ. Gerade das unfertige hatte in der bis zum letzten Punkt durchgeplanten Musikindustriewelt einen besonderen Charme. … weiter lesen
Was dreht sich eigentlich so auf den Plattentellern des Popblogs, losgelöst von allen Release-Notwendigkeiten? On My Stereo:
Chairlift – Bruises (2008)
Einer der besten Songs, den 2008 auf den Teller gelegt hatte. Etwas überraschend, dass Apple ein Lied, das so explizit auf eher roughere sexuellen Vorlieben verweist (“I got bruises on my knees for you / And grass stains on my knees for you / Got holes in my new jeans for you / Got pink and black and blue”) für seine Werbespots verwendet, aber das soll uns nur recht sein.
Wire – Outdoor Miner (1978)
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Da zumindest in Großbritannien letztes Jahr die Schar der jungen Singer/Songwriter am interessantesten war, wollen wir unsere Jahresvorausschau, wer in 2009 die Welt regieren wird, auch mit dieser Sparte beginnen. Wie immer gilt: alle Acts haben (zumindest in Deutschland) noch kein Debütalbum veröffentlicht.
Florence & The Machine

Neben Emmy The Great, die wir für das letzte Jahr schon getippt hatten und die nun erst im Frühjahr 2009 ihr heißersehntes Debütalbum veröffentlichen wird, ist wohl Florence & The Machine der sicherste Tipp. Im Gegensatz zu einer Songwriterin wie Laura Marling, die sich strikt dem Folk verschreibt, ist Florence Genreblick nicht eingeengt. Ihr großartiges “Kiss With A Fist” hat mehr mit Holly Golightly und Garagenrock als mit Folk zu tun, ist aber nicht unbedingt typisch. Die Single “Girl With One Eye” hingegen deutete auch im klassischen Folk ihr enormes Potential an und die jüngste Veröffentlichung “Dog Days Are Over” startet bei Folk, erinnert an Kate Bush und überschreitet letztendlich alle Grenzen. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn Florence nicht 2009 regieren würde.
Dirty Pretty Things – Romance At Short Notice

Ach, Carl! Ja, wirklich, alle sind so undankbar! Da ist der alte Kumpel, der über die Bühnen torkelt, so er sie denn betritt, hier mal ’nen Song schreibt, da mal mit Amy Winemouse spielt und die ganze Welt widmet ihm Zeitungsseiten und Diskussionsrunden bei jeder Regung. Du dagegen: der nicest man in rock, wäschst nie dreckige Wäsche, sagst kein böses Wort und bemühst Dich einfach, mit deiner neuen Band erfolgreich zu sein. Es ist ja auch so vieles richtig daran: Euer alter Drummer sitzt mit im Boot, Didz von der Cooper Temple Clause ist bei Euch untergekommen, auch Eurem ehemaligen Tourgitarristen bietest du ein musikalisches Dach über dem Lockenkopf. Eine schöne Last Gang In Town Mentalität bildet sich heraus, ganz wie Dein alter Produzent Mick Jones damals vor vielen, vielen Jahren gesungen hatte. … weiter lesen
Jedes Doherty-Album hat seine Schwächen und Probleme, doch bis zu Shotter’s Nation waren jene eigentlich ein Grund, die Alben sogar noch mehr zu mögen. Shotter’s Nations Schwächen aber hinderten die eigentlich guten Songs wirklich zu fliegen. Ein sehr biederer neuer Gitarrist, Midtempo wohin man blickt und zu viel Produktionsglanz von Stephen Street zerstörten all das heilige Chaos, das vorherige Doherty-Alben umwehte.
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Ein Doppelalbum, eine neue EP und ein weiteres Album in nicht einmal zwei Jahren… für einen Junkierocker legt Peter Doherty ein beeindruckendes Arbeitstempo vor. Das wirklich erstaunliche an Doherty ist dabei, dass er immer noch nicht vom kreativen Treibsand verschluckt wurde, in den üblicherweise Musiker mit einer zu hohen Drogenaffinität gezogen werden. Trotzdem stellt das neue Album „Shotters Nation“ sowohl in Dohertys Gesamtwerk als auch in dem seiner neuen Band Babyshambles eine Zäsur dar. Erstmals legt Doherty eine Platte vor, die rund, gefällig, manchmal gar glatt klingt.
War das Babyshambles Debüt „Down In Albion“ noch ein in den Abgrund starrendes Monstrum, dem seine Entstehungsgeschichte und der Drogen-Abusus in jeder Sekunde anzumerken war, ist „Shotters Nation“ trotz Drogenreferenz in Titel („Shotter“ ist ein britisches Slangwort für Drogendealer), Coverbild (ein verfremdetes Bildnis des jung an einer Überdosis verstorbenen Dichters Thomas Chatterton) und mehreren Songlyrics ein nüchternes, cleanes Werk.
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Die Libertines waren eine „was wäre wenn“ – Band wie keine zuvor. Dohertys Vermögen, kurz vor der Ziellinie immer zu stolpern oder einfach stehen zu bleiben, war enorm. „Snatching defeat from the jaws of victory“ ist für Dohertys Werdegang der letzten Jahre sprichwörtlich.
Immer, wenn man dachte, jetzt, ja, jetzt, ist das größte Talent der Insel – ach was! Der Welt! – kurz davor, die für ihn reservierten Lorbeeren abzuholen, kamen Tourabsagen, Gefängnisaufenthalte, Bandrauswürfe, Drogen und Blut per Karacho vorbei und überfuhren all die bereits hübsch geflochtenen Lorbeerkränze.
a list of things we said we’d do tomorrow
Die Libertines sind die if-Arctic-Monkeys. Die Band, die eigentlich da stehen sollte, wo die Monkeys waren: die größte Band des Hier und Jetzt, zumindest für einen kurzen, kleinen Augenblick. Der Herzschrittmacher der Musikwelt. Wenn nur, wenn sie damals nicht…
Die Libertines und die Babyshambles sind aber noch viel mehr der eigentliche… weiter lesen
