12.08.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert immer noch schwach in nördlicher Richtung.
Günter Grass schämt sich nicht, nach 45 Jahren moralinsauren Schreibens und Redens als Reklame für sein neues Buch das »Geständnis« abzulegen: »Ich habe damals in der Waffen-SS gedient. Eine Eliteeinheit mit den meisten Verlusten.« So holt er sich zeitgeistkonform nach 35 Jahren des Trommels für die EsPeDe auch noch die Leser aus der rechten Ecke für seine ›Zwiebel‹. Zum Heulen? Nee, eher zum Lachen!
(BK / JS)
12.08.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert schwach in nördlicher Richtung.
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Soeben ist ein Buch von Jürgen Roth im Oktober Verlag (http://www.oktoberverlag.de) erschienen: ›Anschwellendes Geschwätz. Kleine Chronik des kommunikativen Krawalls‹. Der Titel enthält auch ein längeres Interview über das ›Wahnsystem Feuilleton‹, das Jürgen Roth mit mir für ›Konkret‹ führte:

Eine Korrektur zur Konkret-Bildunterschrift: Ich habe natürlich gesagt: »Debile alte Säcke werden von solchen Hyänen plattgemacht.« Und hier ist das Konkret-Interview vom Juni 2004:
Wahnsystem Feuilleton
Hochstapelei, Nazipornos, verbotene Bücher und hysterisch diskutierte Verlagswandlungen und -wechsel scheinen die These zu bestätigen, daß der Literaturbetrieb endgültig auf den Hund gekommen ist. Jörg Schröder, der 1969 den März Verlag gründete, die hiesige Verlagslandschaft prägte, durch spektakuläre Publikationen und camouflageartige Aktionen für allerhand Wirbel sorgte und seit 1990 zusammen mit Barbara Kalender viermal jährlich etwa dreihundert Subskribenten mit der Serie Schröder erzählt beglückt, äußert sich zu den zahllosen jüngeren Fällen literarischer und feuilletonistischer Skandalisierung – und zwar auch aus dem Anlaß, daß im area Verlag jetzt die wichtigsten Bücher des März Verlags wiedererschienen sind
Jürgen Roth: In den aufgeregten Feuilletons ist von einer neuen Zeit der Literaturskandale und einer „neuen Klagelust“ (Frankfurter Rundschau) die Rede. Warum dieser Lärm um das ganze Kuddelmuddel von Maxim Biller über die offenbar erfundenen Spionageabenteuergeschichten der Pseudonyma Nima Zamar bis zu Thor Kunkel, um Fragen der Urheberschaft oder der Verquickung von Authentizität und Dichtung? Man könnte doch auch einfach sagen: Na ja, es geht halt mal was in die Hose, und damit hat es sich. Oder interessiert dich das alles überhaupt nicht?
Jörg Schröder: Was heißt interessieren? Interessieren tut mich das in der Weise, wie einen ein Feuilleton immer interessiert. Man liest das sehr intensiv, und wenn man’s weglegt, ist es egal, ob man’s gelesen hat oder nicht. Deswegen heißt das ja Feuilleton. Und jetzt wird halt alles mögliche versucht, weil die Zahlen rot sind und weil sich die Leute in den Feuilletons ihrer Nichtigkeit wenigstens in ökonomischer Hinsicht bewußt werden. Da treibt man eben ein Schwein nach dem anderen durchs Dorf, ob Walser und Reich-Ranicki oder wen und was auch immer. Nun haben sie vor allem die alte Geschichte mit der Würde der Person am Wickel. Zu den Feuilletons gesellen sich dann aber noch die Nachfolgetäter. Wenn es ernstgenommen wird, daß sich die ehemalige Freundin von Biller in dessen Roman wiedererkennt und deshalb die Justiz anruft, kommen sofort zwei, drei andere Figuren angewackelt. Die Feuilletons steigen darauf natürlich ein, weil man da nicht viel nachzudenken braucht. Was auf der Boulevardebene Bohlen ist, wird im Feinfeuilleton mit Biller abgehandelt. … weiter lesen