28.04.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Im Jahr 1970 berichtete mir Otto Jägersberg, der damals manchmal als Scout für die Olympia Press tätig war, von einem Pornoalbum aus bürgerlichem Schweizer Nachlaß. Es handelte sich um Fotos aus der Zeit der Jahrhundertwende, und wer annimmt, man habe damals ›sauberer‹ gelebt, der irrt.
Ich bat den Autor, die Fotos auf Verlagskosten zu kaufen, wir veröffentlichten sie mit einem Vorwort von Göran Göransson – ein Pseudonym, das Otto Jägersberg gewählt hatte und später selbst lüftete. Das Schweizer Album – nur etwa die Hälfte ist eidgenössischer Provenienz – erschien 1971 unter dem Titel ›Oldtimer‹. Diese Bilder bringen wir jetzt in unserer Serie ›Making of Pornography‹.
Das Zitat, welches Otto Jägersberg dem Band voranstellte, sagt mehr über die Bedeutung ›galanter‹ Literatur und Bilder für die höheren Stände um die Jahrhundertwende als dickleibige Sittengeschichten.
»Sich ängstlich umsehend, angelte Simon Jakovlevitsch Horizont aus der inneren Rocktasche Photographien,… weiter lesen
24.04.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in westlicher Richtung.
Aus Wien, der Hauptstadt der Sexualität, schickte uns Albrecht Götz von Olenhusen eine Ansichtskarte, die Sigmund Freuds ›Sexualschema‹ zeigt.

Nach genauer Betrachtung derselben ist uns nicht klar, ob es im linken Feld des Schemas »Wollustleitung« oder »Wollustleistung« heißen soll. Wenn Dr. Freud »Leistung« meinte, dann hat sich der Erfinder der Fehlleistung hier eine solche geleistet.
(SF / BK / JS)
22.04.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Nach dem Kriegsende gab es am Bismarckplatz noch die Kneipe ›Sturmeck‹, und der Sohn des Wirts, Kalle Backs, war einer der wenigen katholischen Jungs in der Gegend, etwa zwölf Jahre alt. Von ihm lernte ich, wie gefährlich Literatur sein kann. Ich war in die zweite Klasse gekommen, obwohl ich in den Nachkriegswirren von der ersten Klasse nur drei Monate gemacht hatte. Die Schule war erst in der Bismarckstraße, in der Turnhalle hatte man die Leichenhalle untergebracht, es roch süßlich und nach Lysol.
Irgendwo schnappte ich einen Spruch auf, der mir gut gefiel, weil er sich reimte und mir Publikum verschaffte: »Katholiken müssen ficken, wennse in die Bibel kieken.« Ich hielt ficken, ich kann’s nicht ändern, es war so, für eine angenehme Form von Kotzen, das Kind ist eben polymorph pervers. Diesen Spruch posaunte ich auf dem Schulweg heraus, immer wieder. Die anderen Kinder sprangen… weiter lesen
19.04.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert heftig in nordöstlicher Richtung.
Selbst Leuten wie uns, denen alles, was mit Fußball zusammenhängt, auf den Wecker geht, ist nicht verborgen geblieben, daß heute der FC Bayern vs. Borussia Dortmund in Berlin um den DFB-Pokal spielt. Davon kündigt auch die Decollage an der U-Bahn-Station Sophie-Charlotte-Platz. Wolf Vostell würde vor Neid erblaßt sein, wenn er diese Tafel gesehen hätte.

(BK / JS)
18.04.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Eine freundliche Besprechung, in der unser tazblog erwähnt ist, erschien heute in den Stuttgarter Nachrichten.
Da sieht man mal wieder, wie nützlich das Bloggen ist! Nur stimmt darin eine Zahl nicht: Es sind natürlich 300 Subskribenten die ›Schröder erzählt‹ regelmäßig beziehen und nicht 3000 – leider, leider.

(BK / JS)
18.04.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in süddöstlicher Richtung.
Im Jahr 1970 berichtete mir Otto Jägersberg, der damals manchmal als Scout für die Olympia Press tätig war, von einem Pornoalbum aus bürgerlichem Schweizer Nachlaß. Es handelte sich um Fotos aus der Zeit der Jahrhundertwende, und wer annimmt, man habe damals ›sauberer‹ gelebt, der irrt.
Ich bat den Autor, die Fotos auf Verlagskosten zu kaufen, wir veröffentlichten sie mit einem Vorwort von Göran Göransson – ein Pseudonym, das Otto Jägersberg gewählt hatte und später selbst lüftete. Das Schweizer Album – nur etwa die Hälfte ist eidgenössischer Provenienz – erschien 1971 unter dem Titel ›Oldtimer‹. Diese Bilder bringen wir jetzt in unserer Serie ›Making of Pornography‹.
Das Zitat, welches Otto Jägersberg dem Band voranstellte, sagt mehr über die Bedeutung ›galanter‹ Literatur und Bilder für die höheren Stände um die Jahrhundertwende als dickleibige Sittengeschichten.
»Sich ängstlich umsehend, angelte Simon Jakovlevitsch Horizont aus der inneren Rocktasche Photographien,… weiter lesen
16.04.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert schwach in östlicher Richtung.
Am Mittwoch legten sie die neunzigjährige Frau Krüger zu mir. Ihre Tochter begleitete sie und regelte alles. Frau Krüger war angenehm und zurückhaltend. Abends fanden wir beide das Fernsehprogramm unerträglich, also schalteten wir den Apparat ab und redeten miteinander. Sie erzählte mir, daß sie in Charlottenburg geboren wurde und neben Zilles Wohnhaus aufwuchs. Sie arbeitete in den Seifen-Geschäften ihres Vaters, der hatte in ganz Berlin Filialen. Das interessierte mich, weil Jörgs Mutter Edith als junges Mädchen ja auch in den Filialen der Firma Seifen-Losch gearbeitet hatte, also bei der Konkurrenz. Frau Krüger fand das natürlich ebenfalls interessant und berichtete, daß Seifen-Losch manchmal direkt neben ihren Läden eine Filiale eröffnete – Verdrängungswettbewerb.
Mit zwanzig hat Frau Krüger geheiratet, bekam 1941 ihre Tochter und war mit fünfundzwanzig Witwe, ihr Mann war gefallen. Den Krieg erlebte sie in ihrer Wohnung in Charlottenburg,… weiter lesen
14.04.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Vielen Dank für die mitfühlenden Genesungswünsche, die mich per Mail, Blog und Telefon erreichten. Inzwischen sieht es so aus, als habe ich meine Kinderkrankheit ohne weitere Folgen überstanden. Nur gegen Licht – auch das des Bildschirms – bin ich noch empfindlich, also trage ich vor dem PC eine Sonnenbrille. Es juckt noch überall, und ich fühle mich etwas schlapp. Das wird sich hoffentlich bald geben. Jedenfalls hat man mich aus der Charité entlassen. Hier ein paar Impressionen aus dem Campus Benjamin Franklin:
Das Dermatologie-Team des Prof. Sterry kann ich empfehlen, das Essen in der Klinik nicht. Deshalb habe ich auf die brutale Tour zwei Kilo abgenommen. Überhaupt war ich ständig müde und schlief, wurde aber immer wieder von schmerzhaftem Jucken geweckt. Das einzige, was half, war Chlorhexidin mit Zinkoxid. Gesicht, Oberkörper und Rücken hatte ich mit dieser weißen Tinktur bedeckt und sah… weiter lesen
01.04.2008 von Schröder & Kalender
Barbara Kalender hat seit ein paar Tagen Windpocken und liegt im Krankenhaus. Bis sie wieder gesund ist – in ca. 14 Tagen – erscheinen keine Beiträge. Wir wünschen gute Besserung.
Der Blogwart