11.06.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Seit einem Jahr hatte uns Wolfgang Müller immer wieder von seinem geplanten Buch über die Künstlerin Valeska Gert erzählt. Jetzt ist es im Martin Schmitz Verlag erschienen, und wir sind hin und weg!
Was John Cages Schlüsselwerk ›4’33‹ aus dem Jahr 1952 für die Musik bedeutet, das stellt in seiner sinnlichen Radikalität Valeska Gerts ›Pause‹ für die performativen Künste dar.
Aber bei der Frage nach Bedeutsamkeit hält sich Wolfgang Müller, spiritus rector der ›Genialen Dilettanten‹ und der ›Tödlichen Doris‹ nicht auf. Er fragt auch: »Kann die Bar ein Kunstwerk sein?« und berichtet über die von Valeska Gert konzipierten Lokale als Orte der Umsetzung performativer künstlerischer Konzepte: 1932 ihr Kabarett ›Kohlkopp‹ in Berlin, die New Yorker ›Beggar Bar‹ oder 1946 ›Beggars Barn – Valeska’s Different Food, Different Entertainment‹, das Zürcher ›Café Valeska und ihr Küchenpersonal‹, die West-Berliner ›Hexenküche‹ und schließlich ihren Sylter ›Ziegenstall‹.
Zitat von Valeska Gert über die ›Beggar Bar‹ in New York: »Am nächsten Tag fragte mich ein Schauspieler, ob er bei mir auftreten kann. ›Können Sie kochen?‹ ›Nein.‹ ›Gut‹, sagte ich, ›ich engagiere Sie als Koch.‹
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28.05.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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In Berlin liegen die Wechselproteste auf der Straße – nicht erst seit der aktuellen Wirtschaftskrise. Neulich war die Prinzregentenstraße mit Wechseln übersät, alle ausgestellt vom Autohaus Leeder. Offenbar hatte die Firma ihre alten Akten weggeworfen und der Wind hatte sie aus dem Container geweht. Fasziniert betrachteten wir die Dokumente mit den Marken »Dreißig Deutsche Pfennig«-Wechselsteuer aus den 60er und 70er Jahren. Wir sammelten einige Exemplare auf, um die ehrwürdigen Proteste aus einer anderen Zeit zu dokumentieren – natürlich haben wir die Namen der Bezogenen gelöscht. … weiter lesen
09.05.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in südlicher Richtung.
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Gestern nach der ›Langen Buchnacht‹ in Kreuzberg kämpften wir uns durch die Menschentrauben auf der Oranienstraße zu Klaus Theuerkaufs endart Galerie durch. Dort probten mit offener Tür die Nasenflöten wie jeden Samstag. Die Jungs werden immer besser!
Danach tranken wir bei Josefine Günschel und Berthold Seliger noch eine Flasche Wein. Im Baum auf dem Hof ihrer Kreuzberger Wohnung sang eine Nachtigal. Jürgen Brömmer meinte: »Das kommt sicher vom Band, um die hohen Mieten zu rechtfertigen.«
»Lange Nacht« hin oder her, wir hatten uns den Wecker auf acht gestellt, denn Grischa Meyer hatte von der Feier zum 65. Jahrestag des Sieges über den deutschen Faschismus am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park erzählt.
Mit der Ringbahn fuhren wir zum Treptower Park. In ganz Berlin gab keine roten Nelken mehr. Also kauften wir zwei Rosen und wanderten zum Sowjetischen Ehrenmal. Hunderte Russsen, Ukrainer, Bjelorussen, Kaukasier und andere Bewohner der ehemaligen Sowjetrepubliken begingen ihren einzigen säkularen Nationalfeiertag, der Revolutionsfeiertag ist ja weggefallen. Busse undd PKW mit Nummernschildern von Süd- bis Norddeutschland standen auf dem Parkplatz.

Frauenstatue: Trauernde »Mutter Heimat« auf dem Vorplatz zum Hauptmonument
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07.05.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.
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Die Buchhandlung Kisch & Co, Oranienstraße 25 in Berlin hat uns zu einer Veranstaltung während der Langen Buchnacht am Samstag, den 8. Mai, eingeladen. Klaus Theuerkauf von der Galerie endart, der Maler und Nasenflötist, wird uns begrüßen. Wir stellen dann den März Verlag vor. Jörg Schröder wird Geschichten über Autoren und den März Verlag erzählen, Barbara Kalender liest aus März-Büchern.

März, im Jahr 1969 gegründet, war »der kulturrevolutionäre Verlag« (Karl Heinz Bohrer in der FAZ), weswegen das Deutsche Literaturarchiv Marbach 1987, nach der Schließung des Verlags, das Archiv übernahm. Bücher wie die Anthologie ›Acid – neue amerikanische Szene‹, Ken Kesey: ›Einer flog über das Kuckucksnest‹, Valerie Solanas: ›Manifest zur Vernichtung der Männer‹, Edgar Snow: ›Roter Stern über China‹ oder Bernward Vesper: ›Die Reise‹ markieren den Weg des Verlages. Seit 1990 realisieren die März-Verleger Barbara… weiter lesen
02.04.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert heute nicht.
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Vorgestern war Deadline für unser Manuskript ›Immer radikal, niemals konsequent‹, gestern hatten wir den ersten freien Tag seit langem. Deshalb waren wir mal wieder als Berlin-Touristen unterwegs, auch am Potsdamer Platz. Dort lagen keine Osterhasen auf dem Pflaster, sondern Schlittenhunde.

Jetzt gibt es also nicht nur Stadtrundfahrten per Bus oder mit der Rikscha, sondern auch Schlittenhund-Touren in Berlin. Ich (Jörg) würde da gern mal mitfahren. Ich (Barbara) mache das nur mit, wenn ich ein Schild hochhalten darf mit der Aufschrift: »Ich gehöre nicht dazu!«
Einstimmig begeistert sind wir von den Singhunden, … weiter lesen
03.03.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert munter in östlicher Richtung.
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Gestern, ich hatte gerade ein Taschentuch vollgeweint – ich weine gern bei Filmen –, fiel der Strom um 22.20 Uhr aus. Jörg und ich gingen zum Ostbalkon, in Schöneberg war alles dunkel. Wir tasteten uns dann zur Südterrasse, die Wexstraße war ebenfalls bis zum Bundesplatz dunkel. In der Detmolder Straße brannten die Lichter, auch Friedenau und Tempelhof blieben verschont.
Bei Kerzenlicht sprachen wir über Stieg Larssons ›Verblendung‹, dessen Ende wir noch nicht kannten, und entwickelten ein neues Bewertungssystem, statt der Sterne, wollen wir jetzt Taschentücher einführen. Es gibt ja in jedem Film traurige Szenen, dann reicht Jörg mir ein Taschentuch. Um Punkt elf ging das Licht wieder an, und wir sahen den Film zu Ende. Die ›Verblendung‹ bekam von mir zehn Taschentücher.
(BK)
11.02.2010 von Schröder & Kalender
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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Dies ist kein Beitrag zu Cut-and-paste, aber doch drollig, dass der Morphogenetiker Helmut Höge heute im Berlin-Teil der taz eine Geschichte über die legendäre Hotelgalerie ›Nürnberger Eck‹ erzählt.

Unsere Reminiszenzen an das Etablissement stehen ebenfalls heute in unserer Kolumne in der jungen Welt.
(BK / JS)
06.02.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Seit Jahresanfang gaben nacheinander Backröhre, Mac G4, Braun-Rasierer und die Gegensprechanlage ihren Geist auf. Gestern, als wir die erste Sackkarre mit Büchersendungen in den Fahrstuhl rollen wollten, war der ausgefallen, ein Zettel hing an der Tür: »Wir arbeiten an der Analyse.« Schön war, dass die Techniker das Ding nicht nur analysiert, sondern auch flott repariert haben. Danach brachten wir, trotz vereister Gehwege – vielleicht zum letzten Mal –, unsere neue Folge ›Das Äußere des Inneren‹ zur Postfiliale am Bundesplatz.
Nicht nur Wilmersdorfer Witwen, die hier ihre Pensionen und Renten abheben, tragen Trauer. Auch uns droht Unbill, denn die für uns so bequeme Postfiliale in der Mainzer Straße, die wir fußläufig mit der Sackkarre erreichen können, soll geschlossen werden. … weiter lesen
28.01.2010 von Schröder & Kalender
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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Bei Kolumnen muss man auf Taille gehen, mehr als fünftausend Zeichen sind nicht drin. So war es heute wieder bei unserer Kolumne in der jungen Welt, die vom Schloss Schönhausen handelt. Um die Ecke habe ich (JS) als Kind gewohnt. Die äusführlicheren Geschichten über meine Jugendtage, finden sich in unserem Blog: Spaziergänge in Niederschönhausen.
(BK / JS)
18.01.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
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Seit Neujahr haben wir uns Klausur verordnet, denn wir redigieren die letzte Fassung der neuen Folge von ›Schröder erzählt‹. Bis zur Auslieferung Ende Januar bleibt also kaum Zeit für Blogs und andere Vergnügungen.
Gestern Mittag aber haben wir unserem Drang nach Auslauf einmal nachgegeben und sind durch das graumeliert vereiste Berlin – seit zwölf Tagen kein Sonnenstrahl! – ins Medizinhistorische Museum der Charité gefahren. Patricia, die Lebensgefährtin unseres Kommissionsverlegers Martin Schmitz, ist Zahnärztin und führte uns durch die Ausstellung ›goldgefüllt und perlengleich. 300 Jahre Zahnheilkunde in Berlin‹ (bis 28. Februar 2010). Ohne Patricias Erklärungen und Kommentare wäre die Ausstellung über die Fortschritte der Zahnheilkunde vom Jahrmarkts-Chirurgen Doktor Eisenbarth bis zur computer-gestützten Prothetik unergiebig geblieben.

Was soll der Laie mit der Präsentation von Goldklopf-Instrumenten anfangen, wenn man nicht weiß, dass damit Goldplomben eingeklopft wurden, oder mit »Articulations-Papier« und den diversen »Pulpa-Arsen«-Pülverchen mit »genau dosiertem Cocainersatz«. Wieso überhaupt Ersatz? … weiter lesen