Posts Tagged ‘Schweiz’

23.01.2010 von Schröder & Kalender
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Kampf gegen die ›Endlösung‹

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Andreas Biss gehört zu den unbesungenen Helden des jüdischen Widerstands in Budapest gegen Eichmann und seine Helfershelfer. 1944 verhandelte er zusammen mit Rudolf Kasztner als Beauftragter des jüdischen Rettungskomitees ›Waadah‹ mit Eichmann und später über Becher mit Himmler vorgeblich als Beauftragter der ›Jüdischen Weltmacht‹, wie sie nur in den Köpfen der Nazis existierte.

Biss und Kasztner wagten sich in die Höhle des Löwen, ständig die Deportation vor Augen, sie nutzten die widerstreitenden Interessen der Nazis, deren Angst vor der vorhersehbaren Niederlage, vor der kommenden Vergeltung. Sie hatten keine andere Waffe als ihren verzweifelten Mut zur List. Sie erreichten zunächst die Entsendung von zwei ›Probezügen‹ mit Juden aus Budapest über das KZ Bergen-Belsen in die Schweiz. Und sie erreichen über ihre SS-Konfidenten bei Himmler – gegen den Protest Eichmanns bei Kaltenbrunner – die Einstellung der Vergasung in den KZs ab November 1944. Bereits seit Juli 1944 war es ihnen gelungen, die Deportationen aus Ungarn einstellen zu lassen.  Himmler begründete diese Maßnahme: Das wertvolle ›Tauschmaterial Juden‹ sollte nicht mehr ›im Gas vergeudet werden‹.

1944 lebten noch 600.000 bis 700.000 Juden, die zur Ermordung bestimmt waren, im deutschen Machtbereich. In den Lagern, die erst ab Januar 1945 bis April 1945 befreit werden konnten, wurden halb verhungerte, dem Tode nahe, jedoch lebende Menschen angetroffen. Sie alle hätte es bei der Befreiung nicht mehr gegeben, wenn die Vergasungen nicht im Herbst 1944 angehalten worden wäre.

Rudolf Kasztner wurde 1958 in Israel von Eiferern ermordet. Andreas Biss war in Jerusalem als Zeuge im Eichmann-Prozeß vorgeladen, Generalstaatsanwalt G. Hausner verzichtete aber schließlich darauf, Biss öffentlich aussagen zu lassen, weil er Proteste befürchtete. Hatten Andreas Biss und Rudolf Kasztner sich mit Schuld beladen? Erst Kasztner, dann Biss wurde vorgeworfen, als Juden mit den Henkern verhandelt zu haben – siehe dazu unser Blog vom 7. August 2009 ›Killing Kasztner‹.

Aber Biss und Kasztner hatten Schlimmeres getan, sie waren ›öffentlich‹ bei ihrem Standpunkt geblieben: … weiter lesen

19.09.2009 von Schröder & Kalender
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Wenn auch zwei Cover nicht helfen

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.
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Günter Seuren wurde 1932 in Düsseldorf geboren und starb 2003 in München. Er  schrieb zahlreiche Hörspiele und Drehbücher für Filme und veröffentlichte u. a. die Romane Lebeck‹, Das Kannibalenfest‹ und ›Die fünfte Jahreszeit‹. Mitte der sechziger Jahre gehörte Günter Seuren zu den Genies des jungen deutschen Films. Nach seinem Roman ›Das Gatter‹ schrieb er für Peter Schamoni das Drehbuch zu dem Film ›Schonzeit für Füchse‹, der in jeder Kulturgeschichte der Republik zum Stichwort ›Bewußtseinswandel Mitte der Sechziger‹ zusammen mit Volker Schlöndorffs ›Der junge Törless‹ und Ulrich Schamonis ›Es‹ auftaucht. Dann, Ende der Sechziger, war bei Günter der Lack etwas ab, er wollte wieder in die erste Reihe, hatte meinen kometenhaften Aufstieg verfolgt, erinnerte sich an unsere alte Freundschaft und signalisierte im Frühjahr 1969 nach der März-Gründung, daß er mit seinem nächsten Roman nicht mehr bei Kiepenheuer und Witsch, sondern bei mir erscheinen wolle. Zur Buchmesse 1970 kam ›Der Abdecker‹ heraus, ein Flop. 1983 wurde der Roman noch einmal bei März veröffentlicht, dieses Mal mit einem anderen Cover.

›Abdecker‹ ist Seurens bestes Buch, darin erzählt er in paranoischer Ernsthaftigkeit, deshalb schreiend komisch, eine Geschichte über eine alte Villa in Zürich, die er in Wirklichkeit bewohnte. Mit seiner Freundin war er dort bei zwei alten Damen untergekommen, die reiche Schwester war die Hausbesitzerin, die arme spielte die Magd. Zwei irre Alte, von mieterquälerischem Wahn besetzt, einer Mischung aus Alterssexualität und Glauben an Außerirdische. Mit diesen imaginierten »Aschtraliern« machten sie das junge Paar kirre. Für uns hatte das einen Überhumor, weil wir wissen, daß Günter seine Geschichten nicht erfunden, sondern genau so erlebt hatte, wie er sie beschrieb.

Ich besuchte ihn 1969 in dieser Villa in Zürich, und mir wurde klar, daß hier kein Autor arbeitete, der sich mit einem irren Stoff beschäftigt, sondern daß er selbst ein Verrückter ist: »Gestern sagte die Alte, sie hätte mich schon im vergangenen Winter mit dem elektrischen Kabel, unter Schnee versteckt, umbringen können.« Du bepißt dich vor Lachen bei dem Buch, typisch für die Muffkaiser – bis auf Adolf Muschg, da muß ich ihn mal loben, er war der einzige, der entdeckte, was für ein großartiges Buch das ist – von Kritikern, die es nicht taten, weder als der ›Abdecker‹ im ersten März Verlag erschien, noch als ich im Verlegerwahn versuchte, ihn im zweiten Anlauf durchzusetzen. Ich Idiot dachte auch noch, daß es am Umschlag gelegen hätte, denn für die erste Ausgabe hatte ich mir etwas Besonderes einfallen lassen und wollte ein Foto von einer nackten Alten. … weiter lesen

15.07.2006 von Schröder & Kalender
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Kakteenräuber

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in südlicher Richtung.

Endlich gab es Frühstück. Zwei Schweizer setzten sich zu uns an den Tisch, sie stellten sich als Vater und Sohn vor und erzählten, daß sie eine gefährliche Strecke mit steil abfallenden Hängen gefahren seien, eine alte Gebirgspiste nach Tafraout. Sie hatten sich einen R 4 gemietet – die haben in Marokko notorisch kein Profil auf den Reifen, und wenn die Bremsen funktionieren, ist es auch ein Wunder. Mit so einem Ding unternahmen diese Weicheier eine halsbrecherische Fahrt?! Merkwürdig. Offenbar hielt mich er Vater auch für einen Papa, der mit seiner Tochter reist, denn jetzt erklärte er mir, er sei Steuerberater in Zürich, habe viele ausländische Klienten, speziell aus Deutschland. Und er versuchte mit mir in eine helvetische Verhandlung einzutreten, wie man die beiden jungen Leute – seinen Beat und meine Barbara – miteinander verbandeln könne.

Wir nahmen es ihm nicht übel, sondern lachten uns… weiter lesen