20.07.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert schwach in östlicher Richtung.
Aus dem kühlen Süden fuhren wir nach Marrakesch und bezogen das Grandhotel ›Palais El Badia‹, das fünf Sterne hat wie das ›Mamounia‹, jedoch nicht so mondän ist. Angenehm, die Sonne schien, der Pool war geheizt, wir konnten uns endlich mal im Liegestuhl ausruhen. Etwas anstrengend war der Aufenthalt trotzdem, weil der König über Silvester in der Stadt weilte. Da drehten die Marokkaner immer durch, wenn er eine seiner Städte besuchte. Unser Hotel war mit zahlreichen Hofbeamten und Regierungsmitgliedern belegt, entsprechend viele Männer mit einseitig ausgebeulten Jacketts geisterten durch die Gänge. So etwas ist der Entspannung nicht sehr zuträglich. Aber wie es sich eben so mischt, es lagen auch viele Franzosen am Pool, das neutralisierte die Arroganz des Hofstaates.
Wir wanderten auch durch die Souks und über den Djemma-el-Fna, wie es das Touristengesetz befiehlt, wir gingen ins ›Dar es Salam‹, ein Folklorelokal im Stil… weiter lesen
15.07.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südlicher Richtung.
Endlich gab es Frühstück. Zwei Schweizer setzten sich zu uns an den Tisch, sie stellten sich als Vater und Sohn vor und erzählten, daß sie eine gefährliche Strecke mit steil abfallenden Hängen gefahren seien, eine alte Gebirgspiste nach Tafraout. Sie hatten sich einen R 4 gemietet – die haben in Marokko notorisch kein Profil auf den Reifen, und wenn die Bremsen funktionieren, ist es auch ein Wunder. Mit so einem Ding unternahmen diese Weicheier eine halsbrecherische Fahrt?! Merkwürdig. Offenbar hielt mich er Vater auch für einen Papa, der mit seiner Tochter reist, denn jetzt erklärte er mir, er sei Steuerberater in Zürich, habe viele ausländische Klienten, speziell aus Deutschland. Und er versuchte mit mir in eine helvetische Verhandlung einzutreten, wie man die beiden jungen Leute – seinen Beat und meine Barbara – miteinander verbandeln könne.
Wir nahmen es ihm nicht übel, sondern lachten uns… weiter lesen
11.07.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
Weiter ging es durch das Tal von Ammeln, vorbei an Palmen-, Mandel- und Olivenhainen. Über den Kasbahs ragen rosa oder orange schillernde Granitwände tausend Meter in die Höhe, über anderen drohen mächtige Steineier, die so auf ihrem Felsnadelsockel zu liegen scheinen, als müßten sie beim kleinsten Windstoß herunterrollen. Im ›Guide bleu‹ steht, daß sie das nie tun. Wir haben aber in den Feldern und Palmengärten durchaus den einen oder anderen übergrünten Felsbrocken liegen sehen – Inschallah! Oder wenn du es anders willst: Die Natur gewinnt immer.
Am späten Vormittag erreichten wir Tafraout. Es war Markttag, auf einem Sandplatz wurden Kamele, Ziegen, Esel, Hühner und Maultiere gehandelt, es herrschte reges Treiben. Auch schräg gegenüber im Gasthaus war drangvolle Enge, aber der Wirt besorgte uns ein Tischchen draußen unter der Jasminlaube und servierte uns in spitzkegeligen Toubihkas aus Ton eine köstliche Lamm-Tajina in einer Sauce aus… weiter lesen
08.07.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
Mit einem geliehenen R 4, dessen Heizung nicht funktionierte, fuhren wir in aller Frühe los. Nach einer Stunde tauchte die Silhouette des Antiatlas auf, die Straße wurde schmaler und steiniger, und kurz vor dem Talkessel von Ait Baha lag einsam ein kleines weißes Haus mit Flachdach am Hang, über der Tür stand mit grüner Farbe ungelenk gepinselt: ›Café du Moulin‹. Dort hielten wir, um uns aufzuwärmen und einen heißen Pfefferminztee zu trinken. Wir betraten den dunklen Gastraum, setzten uns an einen der drei kleinen Tische mit Stühlen aus rohem Holz, der Wirt begrüßte uns freundlich. An der Wand hinter der kleinen Theke prangten auf einem Brett die Schätze des Lokals: ein etwa fünfzehn Zentimeter hoher Eiffelturm aus Zinkspritzguß sowie eine leere Dimple-Whisky-Flasche und eine zellophanüberzogene Packung mit sechs Madeleines. Der Wirt stellte sich als Hadj Mohamed Ben Lancer vor, erzählte sogleich, daß er in… weiter lesen
02.07.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in westlicher Richtung.
In Agadir checkten wir im Hotel ›Adrar‹ ein, das Zimmer hatte zwei hintereinanderstehende Betten. Nach einigem Hin und Her bekamen wir ein anderes mit einem französischen Bett. Es stellte sich bald heraus, daß der Trakt, in dem wir wohnten, in der Vorsaison nicht beheizt wurde. Also Grabeskälte im Zimmer, und auch draußen konnten wir unsere Wintermäntel, mit denen wir zum Flughafen gefahren waren, gut gebrauchen. Schon etwas irre, ein Luxusbunker mit teilweise unbeheizten Räumen. Zum Aufwärmen entdeckten wir die Hotelsauna und besuchten sie täglich, anschließend ging’s zum Abkühlen in den ungeheizten Swimmingpool. Prompt nannten uns die Marokkaner, weil wir mit der Kälte so gut zu Rande kämen, »Eisbären«. Egal, das Schwitzen tat uns gut, aber, wie sich bald zeigte, so richtig doch nicht. Denn das Ausschwemmen der Mineralien bei den Saunagängen verband sich mit dem Hotelfraß – dummerweise hatten wir Halbpension gebucht – zu… weiter lesen