24.10.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Renate Matthaei schreibt in ihrem Vorwort: »… der Schriftsteller hat es nicht nötig, Fiktion zu erfinden … die Fiktion existiert schon, diese Feststellung des englischen Science-Fiction-Autors J. G. Ballard ist die Grundthese dieser Anthologie. Sie ist entstanden als Beweis, daß Literatur möglich ist auch und gerade dann, wenn die allgemeine Fiktionalisierung der Umwelt ihr das Monopol auf Imagination streitig macht. Die ›Bilder‹ des Konsums, mit denen Fernsehen, Film, Illustrierte, Zeitung, Mode, Sport oder Beatshow unser Gehirn füttern, zapfen der Literatur ständig Energie ab. Aber sie führen ihr gleichzeitig auch ständig neues poetisches Material zu.«
Wir danken Prof. Georg Stanitzek von der Universität Siegen für »neues poetische Materials« zu den ›Trivialmythen‹. Ein ehemaliger Studenten schrieb in eine Mail, die wir mit dessen Genehmigung zitieren: »Eine Bibliothek der Johns Hopkins Universität lässt wirklich kaum zu wünschen übrig. Und was dann doch fehlt, kann man sich einfach wünschen. So habe ich direkt zu Anfang erstmal eine große Bestellung aufgegeben unter vielem anderem die Trivialmythen-Anthologie. Und wie das Leben so spielt, wurde über einen Zwischenhändler in Deutschland ein Band der nur noch antiquarisch verfügbaren ersten Auflage gekauft, jedoch nicht irgendeine Kopie (siehe Anhang), sondern eine ziemlich eigentümliche. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die vier Stempel lenken, die gleichsam wohl als die Springer-Lektüre der Trivialmythen gelten kann (weitere Anstreichungen, Gebrauchsspuren oder Leseknicke waren nicht zu finden). Nachdem ich zuerst länger über das “AUSGESCHIEDEN” nachgedacht habe, ist mir die zentrale Pointe erst später in den Sinn gekommen, ein gestempeltes: “Mit Abbildungen”.
Ich fühlte mich jedenfalls nach dem Öffnen des Buches wie bei einem Jahrhundertfund, vielleicht reicht es ja bei Ihnen zumindest für eine kleine Heiterkeit. Diese Datei ist jedenfalls geschenkt. Viele Grüße aus Amerika, Frederic Ponten«
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23.11.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Und so geht’s weiter mit einem P.E.N.-Kongreß in Nürnberg, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst vor Pornographie?‹:
Auf dem Rückweg fuhr ich mit der Familie nur bis Nürnberg, blieb allein dort, ich wollte zur PEN-Tagung, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst vor Pornographie?‹. Horst-Dieter Ebert vom ›Spiegel‹ hatte mir den Tip gegeben, dort aufzutauchen, ich war ja in Sachen Pornographie auch als Lobbyist tätig, es ging schließlich immer noch um die ›Freigabe‹. Die Meistersingerhalle war überfüllt, die Leute saßen auf dem Boden, die Diskussion mußte in die Wandelgänge übertragen werden. Präsident war Heinrich Böll, und auf dem Podium saßen Walter Jens, Werner Ross, mein ehemaliger Französischlehrer in Bonn, und einige andere unentwegte Debattierer. Aus dem Saal sollte mitdiskutiert werden. Ebert hatte für uns einen Platz in der ersten Reihe reserviert, neben mir saß Gabriele Henkel, die sich in der Bewegungszeit in jedes Kulturereignis einmischte, das irgendwo en vogue war. Es konnte gar nicht links und schrill genug zugehen, bis ihr Konrad so etwas strikt verbot.
Das jetzt nur als Volte, um klarzumachen, daß Gabriele Henkel sich damals geradezu manisch fortschrittlich gebärdete und in der Meistersingerhalle natürlich auch über Pornographie ein Wörtchen mitreden wollte. Die Veranstaltung begann, und Heinrich Böll posaunte vom Podium, ich traute meinen Ohren nicht — was erzählt er da? Er betete Petschulls ›Stern‹-Artikel über den Pornokönig runter wie auswendig gelernt. Anhand dieses Pornokönig-Bösewichts — Böll nannte mich nicht beim Namen, aber fixierte mich, ich saß ja nur ein paar Meter unter ihm —, anhand dieser »hemdsärmeligen Figur, die sich auch noch etwas darauf einbildet, daß sie kein guter Mensch sei und auch keiner werden wolle«, machte er seine Abscheu vor Pornographie klar, begleitet von rotbäckchenhafter Akklamation des Werner Ross und des Gummischuhgesichts Walter Jens. Derselbe Jens, der 1968 für mich zusammen mit seiner Frau Inge ein dreißig Seiten langes euphorisches Gutachten schrieb in Sachen ›Geschichte der O‹, was ja nun mal ein veritabler pornographischer Roman ist. Das glaubst du nicht? … weiter lesen