Und sollte doch bleiben!

 

Eben hat er noch angerufen: Kommst Du zum Jour fixe? Die Stimme ein wenig verwaschen, Pfeife im Mund, irgendwie traurig,  Hoffnung im Hintergrund. Eben hat er noch angerufen und nun liegt da dieser traurige Brief, er sei fort, weit fort, gestorben am 15. Dezember, Beerdigung demnächst. Wilfried M. Bonsack , Tucho 28, Lektor,Kleinstverleger, Dichter in Berlin-Mitte, einer mit soviel Herzblut, daß es am Schluß nicht mehr reichte.

Zu DDR-Zeiten versammelte sich bei ihm eine illustre Oppposition, sprach über Literatur und Kunst, die Stasi, gut getarnt,immer mit dabei, egal, macht nichts, uns kriegt ihr nicht klein, weiter, Vers um Vers, Zeile um Zeile, alles lebte noch einmal auf, nach der Wende, der literarische Salon, Wilfried immer mittendrin, voll bärtig, Pfeife im Anschlag, rundherum Bücher, Kunstdrucke, alles Originale, auch der eigene kleine Verlag: BonsaiTypartPress. Alles war wichtig, blieb bei ihm. Auch Rimbaud.

Den Flur des Mietshauses stattete er mit Gedichten aus, vor dem Fenster lärmte die Szene, die Mieten stiegen, der Buchmarkt quälte ihn, er versuchte resistent zu bleiben. Und war doch verwundet. Irgendwann saßen wir wieder mal bei ihm, “eine Handvoll grauhaariger Männer” wie taz-autorin Waltraud Schwab neulich in ihrem taz-Artikel (s. Link) über Wilfried schrieb und darin auch seinen Satz notierte: “Es geht mir nicht gut!” Er fehlt mir. Uns.

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