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vontaz-panter-stiftung 09.10.2017

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Die Straßen im Osten von Bosnien und Herzegowina erinnern mich an die Straßen im Norden Armeniens. Überhaupt erinnert mich hier viel an meine Heimat. Bei uns wird oft über den Genozid gesprochen. Hier ebenfalls. Die Beschäftigung mit diesem Thema führt uns am vierten Tag unseres Seminars in den Osten von Sarajevo – nach Srebrenica, wo im Juli 1995 tausende Menschen ermordet wurden.

von Aren Melikyan

Unser Reiseleiter ist Erich: Ein Journalist, der vom ersten Tag des Ausbruchs des Konflikts in Jugoslawien an vor Ort war und darüber berichtet hat. Wir haben etwas sehr Wertvolles: Die Berichte eines Augenzeugen. Zudem ist Erich auch noch ein guter Erzähler. „Herzlich willkommen in der Serbischen Republik“ heißt es auf einem großes Schild am Rande der Straße. Es gibt keine richtigen Grenzen. Und ich denke, es ist gut nur imaginäre Grenzen zu haben. In Srebrenica jedoch verstehe ich, dass die Errichtung neuer, wenn auch imaginärer, Grenzen, auch keine Lösung des Problems sind.
Das erste, was mir in Srebrenica ins Auge springt, ist das Grab eines Jungen, 1972-1995. Er war 23 Jahre alt – so wie ich jetzt. Das alles ist gar nicht zu ermessen.
Langsam geht die Gruppe in Richtung des Genozid-Museums in Srebrenica. Innen ist alles sehr einfach gehalten. Im Rahmen meiner Arbeit war ich in Jerewan häufig im Museum zum Gedenken an den Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich. Auch dort ist alles sehr beeeindruckend. Aber 100 Jahre alte Fotos sind nicht mit 20 Jahre alten Farbbildern zu vergleichen. Hier in Srebrenica ist die Erinnerung noch frisch.
Als ich aus dem Museum komme, sehe ich meine Kollegin aus Aserbaidschan auf den Treppenstufen sitzen – sie hat feuchte Augen. Sie hat geweint. Schon Jahre vor Srebrenica haben sich Vertreter unserer beiden Länder umgebracht und das tun sie auch heute noch. Die Opfer sind oft jünger als 23 Jahre. Das Einzige, was mir in den Kopf kommt und ich für meine Kollegin tun kann, ist, sie in den Arm zu nehmen. In diesem Moment teilen wir nicht nur den Schmerz von Srebrenica. Dort ist auch unser Schmerz – ein Schmerz, der uns verbindet.

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