Was macht denn die Schönheit des dritten Südbahnhofs aus, oder besser: was hat sie ausgemacht, denn die Bagger rückten bereits an, umzingeln in schreiendem Gelb und unwirklichem Orange die graue Haut des alten Elefanten, um das Bahnhofstier nieder zu strecken? – Eine stille, unauffällige Schönheit, wäre die angemessene Antwort. Doch Schönheit ist bekanntlich ein subjektiver Begriff, jeder versteht was andres drunter, und so lässt sich der Wert dieses Baues eben nur willigen Zuhörern vermitteln, LeserInnen, die sich auf Zusammenhänge verstehen und auf Argumente einlassen können.
Den dritten Südbahnhof muss man begehen, um ihn zu erfahren. Seine feine Ästhetik verdichtet sich in den Innenräumen: drei enormen, übereinander gestapelten Hallen, von denen jede im Grund ein gangartiger Raum ist, also Korridorcharakter trägt – und trotzdem zum Verweilen einlädt.
Das genau ist ja – seit es der Kunsthistoriker August Scharsow 1905 so formuliert hat – das entscheidende Kriterium für einen gelungenen architektonischen Raum:… weiter lesen