22.06.2011 von Wolfgang Koch
Diese Woche Jango Edwards gesehen (tatsächlich, diesen Clown und Verrückten gibt’s noch). Mitten unter hartgesotteten Fans, sensationslüsternen Senioren bei Aperol Spritzz und verirrten Väter-Töchter-Gespannen. Um als Jango-Fan der ersten Stunde durchzugehen, trägt man am besten Langhaar, schlürft Bier aus der Flasche, hat eine tätowierte Freundin und kann ein paar Beatles-Hadern mitsingen.
Muss ich alles nicht haben: diese im Vindobona eng nebeneinander geparkte Körper, die Schmäh führenden Kellner und dann auch noch einen zweistündigen Lachkatarrh. Um nicht missverstanden zu werden: Jango ist sicher ein Künstler, aber von welchem Format wäre er erst, wenn er die Disziplin, die er pantomimisch, schauspielernd und singend mit dem Körper aufbringt, auch mit seinem Geist aufbrächte.
Was für ein Vergnügen wäre es, einfach nur diesem 61jährigen Mann im lang gestellten Schwarzweiß-Sakko bei seinen suggestiven Slapstick-Nummern zuzusehen: Wenn er den alte Saufbold gibt, der einen Finger nicht mehr aus der Bierflasche kriegt; einen Chef de Cuisine, dem… weiter lesen
19.06.2011 von Wolfgang Koch
Jahre, Jahrzehnte habe ich nach einem Ort wie diesem gesucht! Und es dürfte kein Zufall sein, dass die Entdeckung in einer Stadt, die an sich selbst erkrankt ist – an ihrer ausufernden Selbstbezüglichkeit, wo die einzelnen meist wie Hund und Katze aufeinander sind –, ausgerechnet eine Apotheke ist.
Unter den etwa zwei Dutzend Apotheken, die ich in den 23 Bezirken, auf die sich hier das Leben verteilt, kenne, und die ich teils regelmäßig besuche, ist diese mit Abstand die seltsamste: die Allerheiligen-Apotheke am gleichnamigen Platz in der Brigittenau.
»Seltsam« ist erstens ihre Einrichtung, noch »seltsamer« sind die darin tätigen Damen. Dabei erwartet einen am Allerheiligenplatz gar keine dieser beliebten Jugendstilfassaden, und es walten in der Offizin keine weißen Engel zwischen denkmalgeschützten Schubladen, nein, alles ist durchaus modern hier, in Sichtweite des höchsten Gebäudes von Österreich.
Das beginnt damit, dass das Eckgeschäft nahe dem Milleniumstower zwei automatische Doppeltüren besitzt, aber nur… weiter lesen
15.06.2011 von Wolfgang Koch
Kann man jemanden in seinen »Schwächen unterstützen«? Angenommen, dieser Jemand sei eine baufällige Brücke, ich ersetze die alte Fundamente und die morschen Pfeiler durch bessere Stützen, konstruiere also die Basis von Grund auf neu. Im Wortsinn unterstützt wird dabei nicht das Tragwerk der Brücke, unterstützt wird der Oberbau.
Der Ausdruck »Schwächen unterstützen« ist eine fahrlässige bildungspolitische Phrase, die das Ganze irgendwie mit dem Hauptbestandteil verwechselt. Schwäche bedeutet bekanntlich Kraftlosigkeit, heißt Laschheit, Mangel und Missstand, heißt Beeinträchtigung oder Behinderung. Nichts davon will ich kräftigen, weder den Mangel an Können, noch den Mangel an Begabung will ich stärken, im Gegenteil: Können und Begabung sollen gefördert werden.
Man sagt hier etwas dahin, was auf einen recht laxen Umgang mit dem Publikum schließen lässt. Tatsächlich ist die unglückliche Formel typisch für eine ideologische Debatte. Sie zielt auf das billige Einverständnis der Menge, wobei das Gemeinte stets mehr zählt als das Gesagte.
Der Ausdruck »Schwächen stützen« wäre… weiter lesen
10.06.2011 von Wolfgang Koch
Die österreichische Tageszeitung KURIER hat einen neuen Herausgeber, und der setzt zu einem Befreiungsschlag von der doppelten Meinungsführerschaft aus ORF und NEUER KRONENZEITUNG im Land an. Helmut Brandstätter positioniert sein Blatt seit Monaten als »Qualitätszeitung« am Markt.
Da genau das bereits ein halbes Dutzend Konkurrenten tut, ist Vorsicht geboten. Bietet denn der KURIER auf irgendeiner Seite Qualität der Information, ist in seine Textspalten eine neue Schärfe der Analyse eingezogen oder gar Geistesgegenwart?
Unsere Nachforschungen ergeben gerade das Gegenteil: auf den Politikseiten Tendenzjournalismus gegen die FPÖ, pedantische Wichttuereien und autoritätssüchtige Steuerhinterziehungsschnüffeleien; der Rest TV-konforme Unterhaltung, also dümmlicher Exhibitionismus und die Humorverkrampfungen sogenannter Kabarettisten, wie wir sie bereits von den Wiener Off-Bühnen kennen.
Gewiss, neben unseren Bankraub-Blättern (HEUTE, ÖSTERREICH) nimmt sich der KURIER immer noch wie eine Informationsplattform aus. Doch je genauer man hinschaut, desto niederschmetternder das Ergebnis.
Gestern zum Beispiel erfuhren wir unter der weltbewegenden Headline Mega-Stau zu Pfingsten auf dem… weiter lesen
05.06.2011 von Wolfgang Koch
Angenommen, Sie sind das Mitglied einer moslemischen Familie. Eines Tages läutet es an der Wohnungstür und Ihr österreichischer Nachbar begehrt lautstark Einlass. Der Mann hat auch gleich seine Ehefrau mitgebracht. Was soll das? Sie sind verblüfft, sie treten nur widerwillig zur Seite, das Ehepaar stampft mit Straßenschuhen ins Wohnzimmer und durch alle übrigen Räume. Der Mann kickt im Weg stehende Stühle mit dem Fuß zur Seite, reißt Schubladen und Kästen auf. Die Eindringlinge mustern Ihre privaten Besitztümer.
Soll man um Hilfe schreien? Nach der Polizei rufen? – Zwecklos, ein Polizist ist gleich mitgekommen und versichert, dass das alles seine schönste Ordnung hat. Die bösen Nachbarn fahren Ihre verängstigten Kinder mit harschen Worten an: »G’sindl!«, »G’schrappn!« Die Frau zeigt auf einen Pelz, den sie haben will. Schließlich ziehen die netten Österreicher damit und mit zwei Bratpfannen aus der Küche ab, rufen am Gang noch paar Mal kräftig »Moslempack!« und »Terroristen!« über… weiter lesen