vonMargarete Stokowski 11.10.2014

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Zum Schluss: Die Königin. Zeit, von Tove Jansson zu erzählen, endlich! Tove Jansson muss sehr toll gewesen sein. Gewesen, dass muss man vielleicht betonen, nachdem ich folgendes Gespräch mit einer Kollegin hatte:

– „Mensch, Tove Jansson, das hat mich ja erstaunt, dass die noch so jung ist!“
– „Öh?“
– „Na die von den Mumins, ne?“
– „Ja?“
– „Du warst doch vorhin auch auf dieser Veranstaltung im Finnlandpavillon.“
– „Ja?“
– „Die war doch noch so jung!“
– „Tove Jansson ist tot.“
– „Was?“
– „Sie wäre dieses Jahr hundert Jahre alt geworden.“
– „Ach du Scheiße! Wer war das dann vorhin?“
– „Eine Übersetzerin.“
– „Oh.“

Ja, also, Tove Jansson (1914-2001): die finnlandschwedische Schriftstellerin, Kinderbuchautorin, Grafikerin, Comiczeichnerin, Karikaturistin, Malerin, die die Mumins erfunden hat.

Am Mittwoch schon stellte Tuula Karjalainen ihre wunderbare Tove-Jansson-Biographie vor, und zum hundertsten Mal zu diesem hundertsten Geburtstag von Tove Jansson hörte man, dass Jansson mehr ist als die Mutter der Mumins, als wenn das nicht schon sehr, sehr viel wäre – aber betonen muss man es wohl trotzdem, vor allem wenn man weiß, wie viel es sonst über sie zu sagen gibt.

In Finnland liebt man Tove Jansson. Zur Jansson-Ausstellung  im Ateneeum in Helsinki kamen 300.000 BesucherInnen, erzählt Karjalainen. In der ganzen Geschichte Finnlands gab es nur eine Ausstellung, zu der mehr Leute kamen, und das war eine über Picasso. In Helsinki ist die Ausstellung jetzt zuende und fährt weiter nach Japan.

Tove Jansson, so erzählt es Tuula Karjalainen, hat alles aus ihrem Leben irgendwie in Kunst verarbeitet, und so entspricht auch die Figur des Mumin in einigen Zügen ihr selbst – und das, obwohl der „Mumin“ zunächst etwas sein sollte, was ihr Angst macht, das erzählte besagte Übersetzerin Janina Orlov in einer anderen Veranstaltung: Die kleine Tove habe sich nachts immer in die Küche geschlichten, weil sie Hunger hatte, bis ihr Onkel ihr irgendwann sagte: „Pass auf, wenn du nachts in die Küche kommst, es könnte dich ein Mumin packen.“

Die Biographie, die Tuula Karjalainen geschrieben hat, ist nicht nur schön (von außen und von innen), sondern übersichtlich gegliedert und in angenehm schlichtem Stil verfasst. Karjalainen hat das Buch teilweise im Atelier von Tove Jansson geschrieben, die beiden kannten sich. Tove Jansson zeigt sich Seite für Seite als immer interessantere, facettenreiche Künstlerin – angefangen mit ihrer Kindheit: „Freiheit ist das Beste von allem“, schreibt sie als kleines Mädchen.

Karjalainen erzählt auch von einer kargen Felseninsel im Meer, mehrere Stunden vom Land entfernt: Tove Jansson hatte dort eine Hütte gebaut und wohnte dort viele Sommer mit ihrer Partnerin Tuulikki Pietilä, die sie erst spät kennengelernte, mit der sie aber dann ein halbes Jahrhundert zusammen war. (Tuulikki Pietiläs Pendent ist die Muminfigur Tooticki.) Irgendwann bekam Tove Jansson, so steht es am Ende der Biografie, jedoch Angst vor hohen Wellen: „Große Wellen waren nicht mehr der Inbegriff von Abenteuer, sondern von Angst und Sorge um das Boot sowie um alle Boote, die bei schwerer See unterwegs waren.“ Sie verließ die Insel dann.

Vom Leben am Meer erzählt Tove Jansson übrigens auch in einer Kurzgeschichte in einem hübschen Buch vom Unionsverlag: „Finnland fürs Handgepäck“ heißt das Buch, und „Sommer in den Schären“ die Geschichte. – Ein gut gemachtes Reisebuch, mit Erzählungen verschiedener AutorInnen von Helsinki, von Wäldern und Sauna und Eisbaden (Zitat: „HHHHhhhhhhhhhhh!“), Tango, Nokia und Mücken.

Zwei Gerüchte sind mir zu Tove Jansson zu Ohren gekommen, erstens: Bei den Mumins geht es um Immanuel Kant, oder zumindest gibt es Verbindungen zu Kant.

Und zweitens: Es gibt einen Mumin-Hobbit! Michael Zöllner von Klett-Cotta erzählte mir gestern, Tove Jansson habe J. R. R. Tolkiens Hobbit illustriert, allerdings sei der Sohn von Tolkien nicht einverstanden damit, dass das Werk übersetzt und in anderen Ländern verkauft werde, deswegen gibt es das nur in Finnland. Ich hab das mal gegoogelt. Die Zeichnungen sehen allerdings nicht so aus wie die typischen Mumins aus der bekannten Phase.

Die Biographie habe ich übrigens, als ich sie vom Verlag Urachhaus bekommen hatte, zum Reinlesen in der Mitte aufgeschlagen und als Erstes diese Sätze gelesen:

„Tove Jansson bezeichnete ihre Kunst als asozial und meinte damit eine nicht-gesellschaftliche Kunst. Außerdem betonte sie wiederholt, eine Individualistin zu sein.“ Eine zutiefst sympathische Frau.

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