vonMalaika Rivuzumwami 15.03.2018

taz Buchmesseblog

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Spontanes Packen ist nicht meine Stärke. Packen im allgemeinen nicht, aber unter Stress schmeiße ich alles wahllos in meinen Koffer. Für die Turnschuhe an meinen Füßen habe ich mich aber bewusst entschieden – schon aus Solidarität zu meiner Kollegin. Denn die Grippewelle lässt uns jetzt nicht nur spontan zu Bloggerinnen werden, sondern auch zu Moderatorinnen.

Also sitze ich nun im Zug nach Leipzig, auf meinen Schoß das Buch, was ich morgen vorstellen soll, ohne mehr als die ersten zwei Seiten zu kennen, geschweige denn den Autor. An meinen Füßen besagte Turnschuhe. Während ich diese versuche zu fotografieren, um der Kollegin meine Ankunft und damit meine Unterstützung anzukündigen, beginnt die ältere Dame neben mir zu lachen.

Die Themen im Zug: Schuhe und Bücher

So hektisch wie ich hier versuche, ein Bild von meinen Schuhen im Tunnel zu machen (spätestens jetzt merke ich, dass meine Bloggerinnen-Karriere scheinbar schon am Titelbild scheitern wird), kann man auch nur über mich lachen. „ Meine Gesundheitslatschen kommen da aber nicht mit drauf, oder? Die will ja nun wirklich keiner sehen“.

Natürlich nicht, ich würde wenigstens vorher fragen. Aber so finde ich heraus, dass nun Markenturnschuhe und Gesundheitslatschen zusammen zur Buchmesse fahren. Während ich auf ein arbeitsintensives Wochenende blicke, freut sie sich auf ein Wochenende für sich. „ Wissen Sie, mein Mann liest keiner Bücher. Hat er noch nie, nach mehr als drei Sätzen hört der ja schon auf. Aber ich kann nicht genug bekommen. Also habe ich einmal im Jahr meine Ruhe und fahre nach Leipzig.“ Es gibt sie also, die wahren Lesefreaks, für die das kommende Wochenende das Highlight des Jahres ist.

Die Dame ist nun natürlich daran interessiert zu wissen, was es mit mir und meinen Turnschuhen so auf sich hat, und was ich eigentlich in Leipzig mache. Gute Frage, das weiß ich eigentlich selbst nicht so genau. Als ich ihr erkläre, dass ich für einige Kolleg*innen einspringe ( „Ja, die Grippe hatte ich dieses Jahr auch schon, da hilft nur Hühnersuppe“), kann sie meine Hektik überhaupt nicht verstehen. Ich sei schließlich noch jung und wenn mir gar nichts mehr einfalle, solle ich den Autoren einfach sein Buch lesen lassen und lächeln. Mehr wollen die Zuschauer*innen doch eh nicht wissen. Guter Einwand, werde ich mir merken.

Nun schaltet sich auch noch mein Gegenüber in unsere Unterhaltung rein. Mädchen Highheel will auch zur Buchmesse. Aber nur ihres Freundes wegen. Sie seien noch nicht so lange zusammen, und da würde sie ihm natürlich auch den Gefallen tun, und wäre dann wenigstens auch das Wochenende nicht allein. Die Gesundheitslatschen und die Turnschuhe wechseln vielsagende Blicke, halten aber die Füße still.

Der Freund jedenfalls ist schon gestern gefahren, sie kommt heute nach und hofft, dass auch ein paar ihrer Lieblingszeitschriften vertreten sind. „Vielleicht bekomme ich dann am Stand Insiderwissen über die Kardashians oder so mit. Mein Freund kann in der Zeit seine Reclamhefte anschauen gehen“. Wie die Zwei sich gefunden haben, ist mir ein Rätsel.

Während ich nun versuche, mich auf mein Buch zu konzentrieren, mein Ziel waren eigentlich mindestens drei Kapitel bis Leipzig, versuchen die Gesundheitslatschen die Highheels zu überzeugen, es doch mal mit richtigen Büchern zu versuchen. Ich kann nur hoffen, dass wir uns im Gewühl der Messe noch einmal wieder treffen. Dann auch mit den braunen Wildlederschuhen, die der Reclam-Fan in meiner Vorstellung tragen wird.

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https://blogs.taz.de/buchmesse/2018/03/15/insiderwissen-ueber-die-kardashians/

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