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vonAchmed Khammas 06.01.2019

Der Datenscheich

Erneuerbare Energie, Science Fiction, Technikarchäologie und Naher Osten – verifiziert, subversiv, authentisch.

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Keine Ahnung, wohin die letzten Monate verschwunden sind. Irgend jemand spielt wohl mit der Zeit herum. Ich habe seit längerem – entgegen meinen eigentlichen Absichten – weder etwas gepostet, noch meine zwischenzeitliche SF-Lektüre rezensiert, Asche über mein Haupt. Andererseits: Solange hier nicht wenigstes von Zeit zu Zeit jemand mal einen Kommentar postet, mach das Veröffentlichen auch keinen so großen Spaß…

Dabei sind in vergangenen Jahr diverse Spitzenromane erschienen, die an nur aus vollem Herzen empfehlen kann. Um das in Zukunft besser zu machen, plane ich jetzt, an jedem Wochenende eine Handvoll Bücher zu rezensieren – zumindest solange, bis der bestehende Berg abgearbeitet ist. Und als Bonus gibt es jeweils eine kurze politische Betrachtung zu einem aktuellen Thema. Doch beginnen wir mit der utopischen Literatur:

Tool von Paolo Baciagalupi (2017/2018) gehört eindeutig zu den empfehlenswerten SFs, obwohl es sich um ein vergleichsweise sanftes und unprätentiöses Werk handelt, das sich mit dem Thema der Konstrukte beschäftigt – genetische Mischungen aus Mensch und Tier(en), die für Dienstleistungen und als Krieger gezüchtet worden sind. Und die sich im Fall von Tool zu eigenständigen Wesen entwickeln, die ihren Göttern zürnen.

Mortal Engines – Krieg der Städte von Philip Reeve (2001/2018) ist ein Roman, der gerade aufgrund seiner Verfilmung aktuell ist. Es ist der erste von vier Bänden, dessen zweiter, Jagd durchs Eis (2001/2018) genauso geschrieben ist, wie sein Vorläufer: spannend, lebendig und mit einigen sympathischen Charakteren bevölkert, die mich ebenso erfreut haben wie die diversen Luftschiffe, die sich durch das Szenario bewegen.

Dabei ist die Idee an sich gar nicht so neu. So hat z.B. der britische Architekt Ron Herron bereits 1964 mit seinem Projekt Walking City die Vision einer Stadt vorgestellt, die sich als autonomer Organismus fortbewegen kann und an ein Ufo-Ei auf Beinen oder ein überdimensionales Insekt erinnert.

Und was die Verfilmung anbelangt, so kann man sie genießen, sofern man das Buch gelesen – andernfalls wird man ziemlich alleine gelassen, und ohne einen ausreichend erklärten Kontext hängt das bildgewaltige Werk (das ansonsten einfach 15 Jahre zu spät kommt) im wörtlichen Sinne in der Luft. Zudem wäre es intelligenter gewesen, aus den vier Büchern eine einzigen, dafür aber ‚richtigen‘ Film zu machen, anstatt – wie geplant – vier Stück, falls sie denn nach dem Reinfall des ersten überhaupt noch verwirklicht werden.

Die Hungrigen und die Satten von Timur Vermes (2018) ist der neueste Roman des deutsch-ungarischen Autors, der uns mit seinem ‚Er ist wieder da‘ schon beträchtlichen Lesespaß (nebst einigen Schauern des Schreckens) bereitet hat. Diesmal geht es um den Fußmarsch vom Hunderttausend Afrikanern über den nNahen Osten bis nach Europa – und ihrem Begehr nach Einlaß ins Paradies. Vermes behandelt das ausgesprochen aktuelle Thema mit großem Gespür für Menschen und Motive, auch wenn der Plot dann etwas sehr überraschend kommt… und in seiner politischen Aussage den Kreis zum vorherigen Werk des Autors schließt, so seltsam das auch klingen mag.

Helix – Sie werden uns ersetzen von Marc Eslberg (2018) gehört zu den Thrillern, die auf den ersten Blick gar nicht als SF zu erkennen sind. Tatsächlich geht es jedoch um das (fast) noch zukünftige Optimieren der menschlichen Gene, um nach dem Eliminieren von Erbkrankheiten oder ähnlichen Negativ-Dispositionen dort auch noch Optimierungen einzuschleusen, wie höhere Intelligenz, besseres Aussehen und kräftigere Körper. Doch was wird aus uns, den Normalgeborenen, sobald die Sonderbegabten das Heft in der Hand haben?

Befreiung von Peter F. Hamilton (2018) ist der erste Band der Salvation-Saga, die derzeit drei Bände umfaßt und fraglos zu den großen Cosmic Operas gezählt werden kann. Indem Hamilton auf das fast schon archetypische Element der ‚Portale‘ zurückgreift, kann er miteinander verwobene, gewaltige Sternenreiche konstruieren, die den Hintergrund eines spannenden und meisterhaft geschrieben Abenteuers der Menchheit bilden.

Die politische Anmerkung:

Nach dem letzten Eintrag hier im Blog bin ich im Mai wieder nach Damaskus geflogen, was mich diesmal ziemlich deprimiert hat. Weil das Land schon längst mit dem Wiederaufbau beschäftigt ist – ohne daß sich Deutschland bzw. Europa engagiert. Weder wird das Goethe-Institut noch das DAI wiedereröffnet, geschweige denn, man würde die Botschaft instandsetzen.

Und warum? Weil sich unsere hiesigen rückgratlosen Politiker der vom ‚Deep State‘ eingefädelten Verunglimpfung der syrischen Regierung und Präsident Assad angeschlossen und dabei die Weitsicht eines Maulwurfs gezeigt haben, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben, wie sich die syrische Beimischung zu den ‚Deutschländern‘ zukünftig OHNE eine gute Beziehung zu deren Heimatland bewerkstelligen lassen soll. Dabei kann es ganz anders – und sehr viel besser gehen, fragen Sie mich mal…

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