vondieglaette 03.12.2019

Die Glätte

Wie entsteht ein Comic? Was gibt es zu bedenken? Und welche Tipps können mir erfolgreiche Comiczeichner*innen geben?

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Dunning-Kruger-Effekt, wer kennt ihn nicht? Vielleicht fällt er nicht auf, weil dein Glaube, du könntest zum Beispiel die tollste Marmelade ever kochen, bisher nicht durch eine Realitätsprüfung gesprengt wurde. Spätestens aber wenn deine von Karamellverbrennungen geschundenen Hände ein ein winziges Stück Marmeladenbrot an den Menschen weiterreichen, der nun deiner Hände Arbeit kosten soll – „Aber langsam! Das meiste von der verdammten Marmelade klebt zwischen Herd und Spüle!“ und dieser random Mensch sofort weiß, was du hättest besser machen können, dann! Tritt der Moment ein, in dem klar wird: Es ist alles viel komplizierter als erwaret. (Ein echter Dunning-Kruger würde dann natürlich an der Kompetenz des Gegenübers zweifeln, aber egal, geschenkt.)

Ich führe das hier an, weil die taz (genauer der taz Plan) mir erlaubt, ab Ende Dezember zehn Wochen lang auf jeweils einer ganzen Seite einen Comic zu veröffentlichen. Da der taz Plan ein Mal pro Woche erschient, bedeutet das: 10 Seiten Comic. Das ist sehr wenig Platz – aber trotzdem total viel Arbeit. Ich arbeite überwiegend mit Buntstiften und Papier. Es entsteht ein Sachcomic, der von Koupounophobie handelt, der Knopfphobie. Er soll unterhaltsam und interessant anzusehen sein, aber auch Wissen vermitteln. Bis jetzt habe ich circa 800% länger für die ersten beiden Seiten gebraucht als erwartet. Meine Lektion 1 lautet also: Ein Comic zu zeichnen ist etwas völlig anderes, als ein Konzertplakat oder ein Kartenspiel oder eine Artikelillustration. Um beim Marmeladenbild zu bleiben: Ich hatte zwar schon viele gute Erfahrungen mit Früchte anglotzen, grob gehackte Früchte in mein Müsli werfen und Apfelmus mit Zimt „verfeinern“ gemacht und deshalb geglaubt, Konfitüre könne ich klar auch. Aber das war eben nur eine der seligen Unkenntnis geschuldete Selbstüberschätzung, ohne die ich niemals mit der Arbeit begonnen hätte. Und damit lassen wir nun alle Marmeladenvergleiche hinter uns.

Damit das trotzdem alles was wird, inhaltlich wie optisch, habe ich ein paar sehr gute Bücher gelesen und erfahrenere Zeichner gefragt, wie sie das so machen. Ausserdem sehr oft neu angesetzt. Gedacht, dass ich besser einen Monat pro Seite einplanen sollte. Oder überhaupt noch mal einen anatomischen Zeichenkurs machen. Vielleicht lieber mit Markern arbeiten. Oder die Farbe digital hinzufügen. Den Titel ändern. And so on. Aber dass dieser Comic erscheint – und zwar on time – war immer klar. Darum soll es hier im Großen und Ganzen gehen. Ich hoffe, es wird euch unterhalten.

 

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kommentare

  • Sehr authentisch!
    Als ich meine erste Marmelade gekocht habe, ging es mir genauso. Viel zu viele Gläser bereitgestellt, am Ende sind es vier geworden (Erdbeermarmelade war’s glaub ich) und eine viel größere Sauerei als erwartet.
    Ich freue mich auf den Comic – ich bin sicher, er wird zu 800% super! 🙂

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