vonHans Cousto 29.04.2020

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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In den USA können Erwachsene in 11 Bundesstaaten (Alaska, Colorado, Illinois, Kalifornien, Maine, Massachusetts, Michigan, Nevada, Oregon, Vermont und Washington) sowie in der Hauptstadt Washington D.C. (District of Columbia) ganz legal kiffen. Außer in Vermont und Washington D.C. ist der Verkauf von Cannabisprodukten in diesen Bundesstaaten legal. Kaufen können in diesen Bundesstaaten alle Personen ab dem Alter von 21 Jahren, also nicht nur Patienten. Patienten mit einem Rezept vom Arzt können inzwischen in 33 der 50 Bundesstaaten und in Washington D.C. Cannabis als Medizin erwerben. In vielen Bundesstaaten ist der Eigenanbau von Cannabis für Patienten erlaubt, in Alaska, Colorado, Illinois, Kalifornien, Maine, Massachusetts, Michigan, Nevada, Oregon, Vermont und Washington sowie in Washington D.C. gilt dies nicht nur für Patienten, sondern auch für alle erwachsene Personen, die als Freizeitkonsumenten selbst anbauen wollen.

Große Mehrheit befürwortet Legalisierung

Das Meinungsforschungsinstitut Gallup befragte erstmalig im Jahr 1969 die US-Amerikaner, ob sie für die Legalisierung von Cannabis seien. 12 Prozent befürworteten damals eine Legalisierung. Bis Ende der 70er Jahre stiegt der Anteil der Befürworter auf 28 Prozent, sank dann aber aufgrund der Propagandakampagne „Just Say No“ wieder auf 25 Prozent und verharrte dort bis Mitte der 90er Jahre. Dann stiegt der Anteil der Befürworter einer Legalisierung wieder an und erreichte im Jahr 2000 bereits 31 Prozent. Ein Jahr, nachdem in Colorado und Washington State im Rahmen von Volksabstimmungen im Jahr 2012 eine Mehrheit für die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken gestimmt hatte, befürwortete erstmals auch eine Mehrheit der Befragten in den USA eine Legalisierung.

Das Meinungsforschungsinstitut Gallup befragte erstmalig im Jahr 1969 die US-Amerikaner, ob sie für die Legalisierung von Cannabis seien. In der Folge befragte des Meinungsforschungsinstitut alle paar Jahre die US-Amerikaner zum gleichen Thema, ab 2009 sogar jährlich. Eine Zusammenstellung der Ergebnisse ist im Gallup-PDF aufgelistet.

Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in den USA als Zeitreihe von 2009 bis 2019. In den Jahren 2018 und 2019 wurden insgesamt drei Umfragen durchgeführt. Für diese beiden Jahre sind hier die Durchschnittswerte angegeben. Datenquellen: Gallup Statistik und Gallup Umfragen 2018 und 2019
Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in den USA als Zeitreihe von 2009 bis 2019. In den Jahren 2018 und 2019 wurden insgesamt drei Umfragen durchgeführt. Für diese beiden Jahre sind hier die Durchschnittswerte angegeben. Datenquellen: Gallup Statistik und Gallup Umfragen 2018 und 2019

Zustimmung nach Parteipräferenz

Seit dem Jahr 2013 befürwortete stets eine Mehrheit bei den jährlichen Umfragen des Gallup-Instituts eine Legalisierung von Cannabis. In den Jahren 2018 und 2019 waren es 66 Prozent – der höchste Wert aller Zeiten. Erstmalig sprach sich im Jahr 2017 auch eine Mehrheit der Anhänger der Republikaner für die Legalisierung von Cannabis aus.

Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in den USA als Zeitreihe von 2009 bis 2019 nach Parteipräferenz aufgeschlüsselt. Datenquellen: Gallup
Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in den USA als Zeitreihe von 2009 bis 2019 nach Parteipräferenz aufgeschlüsselt. Datenquelle: Gallup

Von den Anhängern der Republikaner sprachen sich gemäß Gallupumfragen seit Oktober 2017 zum ersten Mal mehr als die Hälfte (51 Prozent) für die Legalisierung von Cannabis aus. Dieser Anteil hat sich in den letzten drei Jahren nicht verändert. Bei den Anhängern der Demokraten waren es 2017 jedoch weit mehr: 72 Prozent, im Jahr 2019 bereits 76 Prozent. Bei den unabhängigen Wählern liegt der Anteil derzeit bei 68 Prozent. Offensichtlich ist eine zunehmende Mehrheit in den USA davon überzeugt, dass die Erfahrungen, die in den Bundesstaaten mit einem legalen Status von Cannabis gemacht werden, sich positiv auf die Gesellschaft auswirken.

Die Altersgruppen

Die älteste Altersgruppe (geboren zwischen 1928 und 1945) wird als die Gruppe der „Silent“ bezeichnet. Die zweitälteste Altersgruppe wird als die Generation der „Boomer“ bezeichnet (geboren zwischen 1946 und 1964). Noch jünger ist die sogenannte „Generation X“ (geboren zwischen 1965 und 1980). Die Jüngsten sind die „Milliennals“ , die zwischen 1981 bis 2000 auf die Welt kamen.

In der jüngsten Altersgruppe, den Milliennals, befürworten derzeit genau doppelt so viele Leute die Legalisierung von Cannabis wie in der Gruppe der Ältesten, den Silents. In der Gruppe der Jüngsten liegt derzeit der Anteil der Befürworter einer solchen Legalisierung bei 80 Prozent, in der Gruppe der Ältesten bei 40 Prozent – die einzige Altersgruppe mit einer Minderheit für die Legalisierung. Bei der zweitältesten Gruppe der Boomer liegt der Anteil der Befürworter der Legalisierung von Cannabis bereits bei 61 Prozent und in der drittältesten Gruppe, der Generation X, bei 63 Prozent.

Zeitreihe von 2008 bis 2019 die Anteile der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis nach Altersgruppen sortiert. In den Jahren 2009 und 2012 wurde in den Umfragen das Alter nicht abgefragt. Die Daten für diese zwei Jahre wurden durch lineare Interpolation generiert. Datenquellen: Pew Research Center, Gallup
Zeitreihe von 2008 bis 2019 die Anteile der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis nach Altersgruppen sortiert. In den Jahren 2009 und 2012 wurde in den Umfragen das Alter nicht abgefragt. Die Daten für diese zwei Jahre wurden durch lineare Interpolation generiert. Datenquellen: Pew Research Center, Gallup

Vor zwölf Jahren lagen die Anteile der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis außer bei den Ältesten (23 Prozent) fast auf dem gleichen Niveau (36 bis 39 Prozent), bei den Jüngsten mit 36 Prozent sogar etwas niedriger als bei den beiden mittleren Altersgruppen: Generation X mit 38 Prozent und die Boomer mit 39 Prozent.

Lernfähigkeit in den Altersgruppen

Ein altes Sprichwort sagt, der Kopf sei rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann. Dies scheint wohl für jüngere Leute mehr zu gelten als für ältere Leute. In der jüngsten Altersgruppe haben doppelt so viele Menschen Menschen innerhalb der letzten zwölf Jahre ihre Meinung zu Gunsten einer Legalisierung von Cannabis geändert wie in der Altersgruppe der Boomer und noch weit mehr als doppelt so viele wie in der Altersgruppe der Senioren.

Zuwachs der Anteile der Menschen in den einzelnen Altersgruppen zu Gunsten einer Legalisierung von Cannabis im Zeitraum von 2008 bis 2019. Datenquellen: Pew Research Center, Gallup
Zuwachs der Anteile der Menschen in den einzelnen Altersgruppen zu Gunsten einer Legalisierung von Cannabis im Zeitraum von 2008 bis 2019. Datenquellen: Pew Research Center, Gallup

Zuwachs der Anteile der Menschen in den einzelnen Altersgruppen zu Gunsten einer Legalisierung von Cannabis im Zeitraum von 2008 bis 2019. Datenquellen: Pew Research Center, Gallup

Signifikante Unterschiede bei den religiösen Einstellungen

Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession respektive zu keiner Konfession spielt bei der Häufigkeit einer Zustimmung zu einer Legalisierung von Cannabis ebenso eine große Rolle wie das Alter. Bei den menschen, die sich keiner Konfession zugehörig fühlen, befürworteten 78 Prozent im Jahr 2017 eine Legalisierung von Cannabis. Bei den fundamentalistischen evangelikalen Protestanten waren es nicht einmal halb so viele – gerade mal 38 Prozent. Das sind vor allem Leute, die ihren Kindern in der Schule am liebsten Religion statt Ethik oder Kreationismus statt Evolutionslehre (Darwinismus) verordnen.

Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in den USA im Jahr 2017 nach Konfessionen aufgeschlüsselt. Datenquellen: Pew Research Center
Zustimmung zur Legalisierung von Cannabis in den USA im Jahr 2017 nach Konfessionen aufgeschlüsselt. Datenquelle: Pew Research Center

Im Jahr 2019 wurde nicht nach der Religionszugehörigkeit gefragt, sondern nach der Häufigkeit der Teilnahme an Gottesdiensten. Amerikaner, die wöchentlich an Gottesdiensten teilnehmen, gehören zu den Untergruppen, die am seltensten sagen, dass Marihuana legalisiert werden sollte. Von den wöchentlichen Kirchgängern sind mit nur 42 Prozent dafür. Dies ist sehr wenig im Vergleich mit mehr als drei Viertel derjenigen, die eher selten oder nie zur Kirche gehen (77 Prozent) und 63 Prozent derjenigen, die gelegentlich zur Kirche gehen. Die Häufigkeit der Gottesdienstbesuche verhält sich offensichtlich umgekehrt proportional zur Meinung, dass Cannabis legalisiert werden soll.

Cannabislegalisierung – Erfolg oder Misserfolg?

Im April 2020 wurden 27.328 erwachsene Personen in den USA von YouGov zur Legalisierung von Cannabis befragt. Die Frage lautete:

Glauben Sie, dass die Gesetzgebung in den Staaten, die beschlossen haben, Marihuana für den Freizeitgebrauch zuzulassen, ein Erfolg oder ein Misserfolg war?

Eine Mehrheit der US-Amerikaner sagt, dass die Legalisierung von Marihuana für Erwachsene in den Staaten, die es eingeführt haben, ein Erfolg war. Dies geht aus landesweiten Umfragen hervor, die von YouGov 2020 zusammengestellt wurden. 55 Prozent der Befragten gaben an, dass landesweite Gesetze, die den Gebrauch von Marihuana in der Freizeit erlauben, entweder vollständig oder größtenteils erfolgreich waren. 19 Prozent der Befragten gaben an, dass die Gesetze eher erfolglos oder weitgehend erfolglos waren. 26 Prozent äußerten keine Meinung.

Einschätzung zur Frage „Cannabislegalisierung – Erfolg oder Misserfolg?“ bei US-Amerikanern im April 2020. Datenquelle YouGrov
Einschätzung zur Frage „Cannabislegalisierung – Erfolg oder Misserfolg?“ bei US-Amerikanern im April 2020. Datenquelle: YouGrov

Die Unterstützung war unter den Anhängern der Partei der Demokraten am stärksten, von denen 67 Prozent die Legalisierungsgesetze lobten (großer oder eher großer Erfolg). 54 Prozent der Unabhängigen bezeichneten die Legalisierung als erfolgreich, aber nur 41 Prozent der Republikaner teilten diese Ansicht.

Einschätzung zur Frage „Cannabislegalisierung – Erfolg oder Misserfolg?“ bei US-Amerikanern im April 2020 nach Parteipräferenzen aufgeschlüsselt. Datenquelle YouGrov
Einschätzung zur Frage „Cannabislegalisierung – Erfolg oder Misserfolg?“ bei US-Amerikanern im April 2020 nach Parteipräferenzen aufgeschlüsselt. Datenquelle: YouGrov

Zur Situation in Kalifornien

Kalifornien ist mit etwa 40 Millionen Einwohner der bevölkerungsreichste Bundesstaat. Mehr als zwei von drei registrierten Wählern in Kalifornien (68 Prozent) waren gemäß einer Umfrage im September 2019 der Ansicht, dass die Annahme der Initiative (Proposition 64) im Jahr 2016 zur Legalisierung des Besitzes, des Verkaufs und des persönlichen Gebrauchs von Marihuana unter Erwachsenen eine gute Sache war. Nur 30% der Wähler empfanden dies als eine schlechte Sache. Die repräsentative Umfrage wurde vom 13. bis 18. September 2019 vom Institut Berkeley IGS Poll in englische und spanischer Sprache in Kalifornien durchgeführt. Befragt wurden 4.527 in Kalifornien registrierte wahlberechtigte Personen.

Meinung der Kalifornier zur Annahme der Volksinitiative im Jahr 2016, die den Besitz, den Verkauf und den persönlichen Gebrauch von Marihuana unter Erwachsenen legalisierte – aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Parteipräferenz, politischer Selbsteinschätzung, Alter und ethnischer Zugehörigkeit. Datenquelle: Berkeley IGS Poll
Meinung der Kalifornier zur Annahme der Volksinitiative im Jahr 2016, die den Besitz, den Verkauf und den persönlichen Gebrauch von Marihuana unter Erwachsenen legalisierte – aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Parteipräferenz, politischer Selbsteinschätzung, Alter und ethnischer Zugehörigkeit. Datenquelle: Berkeley IGS Poll

Die von den Wählern selbst beschriebene politische Ideologie sowie die Parteipräferenzen unterscheiden sich erheblich in den Ansichten über das Gesetz. Zum Beispiel glauben 92 Prozent der Wähler, die sich in der Politik als sehr liberal bezeichnen, dass das Gesetz zur Legalisierung von Marihuana eine gute Sache war. Im Gegensatz dazu sagen dies nur 34 Prozent der Wähler, die sich als sehr konservativ bezeichnen.

Während mehr als sieben von zehn Demokraten (78 Prozent) und Wähler ohne Parteipräferenz (71 Prozent) die Legalisierung von Marihuana durch den Staat als eine gute Sache ansehen, sieht dies weniger als die Hälfte der Republikaner (48 Prozent) so.

Die größten Mehrheiten zeigten sich bei den Wählern unter 40 Jahren (etwa 8 von 10) gefolgt von den Wählen zwischen 40 und 65 Jahren (mehr als 6 von 10), die die Verabschiedung von Proposition 64, die Marihuana legalisiert, als eine gute Sache für den Staat ansehen. Bei den über 65-jährigen waren es knapp 6 von 10 Personen.

Fazit

Treffen auf eine Person Attribute wie jung, gebildet, konfessionell ungebunden und demokratisch wählend zu, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Person für die Legalisierung von Cannabis ist. Treffen auf eine Person hingegen Attribute wie alt, bildungsfern, fundamentalistisch evangelikal und republikanisch wählend zu, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Person gegen die Legalisierung von Cannabis ist.

In einem Interview betreffend die Legalisierung von Cannabis mit der Legal Tribune Online bezeichnete die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, die Niederlanden und Portugal als „Reallabore“ und stellte die Frage: „Was soll es bringen, in Deutschland eine Abgabesituation zu simulieren, die mit ziemlicher Sicherheit die Kernprobleme – Gesundheits- und Jugendschutz, bessere Prävention, Schwarzmarkt – nicht lösen wird?

Nun gibt es nicht nur in Europa „Reallabore“ wie die Niederlanden und Portugal, sondern auch ein Dutzend davon in den USA und auch Kanada ist ein solches „Reallabor“ und die Bürgerinnen und Bürger der USA scheinen die Ergebnisse, die in diesen „Reallaboren“ erzielt werden, gerne zu goutieren. In dem Artikel „Amerikaner erachten die Legalisierung von Cannabis als sinnvoll“ vom 25. April im Hanf Journal heißt deshalb das Resümee:

Warum also eine Freigabe von Cannabis an Erwachsene in Deutschland nicht als Alternative zum gescheiterten Verfolgungs- und Schwarzmarkttreiben seitens der Bundesdrogenbeauftragten in Betracht gezogen werden möchte, obwohl verschiedenste „Reallabore“ schon länger dessen Vorteile bescheinigen, sollte in jedem jetzt folgenden Gespräch mit Daniela Ludwig einmal genauer ausdiskutiert werden.

Vergleiche hierzu in diesem Blog

[01.02.2018] Amnestie für Kiffer in San Francisco

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https://blogs.taz.de/drogerie/2020/04/29/cannabislegalisierung-erfolg-oder-misserfolg/

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kommentare

  • Mir ist aus diesem Artikel nicht klar geworden, wie ein Misserfolg der Canabislegalisierung überhaupt aussehen sollte. Millionen Canabis-Tote etwa?

  • Schöner, erhellender Beitrag. Zeigt ganz gut, dass die Welt eben nicht untergeht, wenn Gras legalisiert wird …

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