vonHans Cousto 18.08.2020

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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Drug-Checking ist eine Interventionsstrategie zur Erhaltung der Gesundheit, da die genaue Kenntnis von Dosierung und Wirkstoffzusammensetzung einer Droge den potentiellen Gebrauchern derselben das objektiv bestehende Gefahrenpotential vergegenwärtigt und somit eine klare Grundlage für die subjektive Risikoabschätzung vor der eventuellen Einnahme schafft. Drug-Checking fördert somit den Lernprozess zu einem verträglichen Risikomanagement.

Nur durch die Veröffentlichung der Laboranalysen von auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Drogen ist es den Drogengebrauchern möglich, die mitunter deutlich unterschiedlichen Wirkungsweisen verschiedener Substanzen an sich zu beobachten. Erlebnisqualitätsunterschiede können so eindeutig bestimmten Wirkstoffen und Dosierungen zugeordnet werden. Das individuelle Drogenwissen wird so erweitert und potentielle Drogengebraucher können besser entscheiden, ob sie, und wenn ja, welche Drogen sie in welcher Dosierung konsumieren möchten. Drug-Checking fördert somit den Lernprozess zur Drogenmündigkeit.

Tödliche Überdosierungen

Immer wieder kommt es vor, dass es plötzliche Todesfälle von jungen Leuten gibt, die im Zusammenhang mit dem Konsum von extrem hoch dosierten Ecstasytabletten stehen. Ein solcher Fall hat sich vermutlich vor kurzer Zeit in der Region Braunschweig ereignet haben. So schreibt die Braunschweiger Zeitung am 17. August 2020 unter dem Titel „Starb ein 20-jähriger aus unserer Region nach Ecstasy-Konsum?“ betreffend Ecstasy, das weiterhin als Partydroge konsumiert wird, dass das LKA nach dem Fund von über 100 „Totenkopf-Pillen“ (auch „Punisher“ genannt) mit ungewöhnlich hoher Wirkstoffdosierung ermittelt. Und das Online-Portal NEWS38 schreibt unter dem Titel „Braunschweig: Besorgniserregende Entdeckung – hat sie mit dem Tod zweier junger Menschen zu tun?“ über die Sicherstellung tödlicher Ecstasy-Pillen, dass die Ermittler aus Braunschweig die Pillen bereits Anfang Juni entdeckten und dass sie inzwischen genau untersucht wurden. Wörtlich heißt es in dem Artikel:

Das LKA Niedersachsen warnt eindringlich davor, die Ecstasy-Tabletten zu schlucken. Denn sie haben eine extrem hohe Wirkstoffkonzentration! Dem LKA zufolge enthalten die Pillen 70 Prozent mehr Wirkstoff als „normales“ Ecstasy!

Die Untersuchung im Kriminaltechnischen Institut ergab demnach einen Wirkstoffgehalt von etwa 232 Milligramm MDMA pro Tablette. MDMA steht für 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin und ist seit Jahren als so genannte Partydroge verbreitet.

Im Jahr 2018 ist im fränkischen Hof ein 16-jähriger nach dem Konsum entsprechender Tabletten verstorben. Auch im vorliegenden Fall ist ein Zusammenhang mit dem Todesfall eines 20-jährigen nicht auszuschließen, so das LKA. Besonders makaber: Auf den Tabletten ist ein Totenkopf zu sehen.

Für das LKA Niedersachsen enthalten somit „normale“ Ecstasy-Tabletten 136,5 Milligramm MDMA – eine Normaldosis für einen Mann mit 91 Kilogramm Körpergewicht oder einer Frau mit 105 Kilogramm Körpergewicht. Es sei hier angemerkt, dass die „Totenkopf-Pillen“ eine Bruchrille haben und somit leicht geteilt werden kann. Eine halbe Pille enthält somit 116 Milligramm MDMA – eine Normaldosis für einen Mann mit 77 Kilogramm Körpergewicht oder einer Frau mit 89 Kilogramm Körpergewicht. Als Faustregel gilt bei MDMA ein oberer Grenzwert für Männer von 1,5 Milligramm pro Kilo Körpergewicht und für Frauen von 1,3 Milligramm pro Kilo Körpergewicht. Generell gilt: Erst informieren, dann konsumieren, zum Beispiel betreffend Ecstasy die Fachinformation Ecstasy – Mischkonsum lesen.

In der Schweiz seit langem bekannt

In der Schweiz ist es seit über zwei Jahren bekannt, dass die „Punisher-Tabletten“ oft extrem hoch dosiert sind. Beim mobilen Drug-Checking in Basel wurde am 21.04.2018 eine blaue „Punisher-Tablette“ getestet, die 290,3 Milligramm MDMA enthielt. Am 31.07.2019 wurde ebenfalls in Basel eine solche Tablette getestet, die 229 Milligramm enthielt. Am 20.09.2019 und am 18.10.2019 wurden in Zürich solche Tabletten mit 241,4 und 238,7 Milligramm getestet. Am 17.10.2019 wieder in Basel mit 262,4 Milligramm. Am 25.01.2020 wurden in Zürich gleich zwei solche Tabletten getestet, eine enthielt 254,5 Milligramm MDMA, die andere 245,2 Milligramm MDMA. Und am 26.05.2020 wurde in Zürich eine solche Tablette mit 269,6 Milligramm MDMA getestet. Datenquelle https://saferparty.ch/231.html mit dem Suchbegriff „Punisher“ – da werden einem alle Ergebnisse von hoch und extrem hoch dosierten Pillen mit diesem Logo mit Abbildung aufgezeigt.

Ecstasy-Tabletten „Totenkopf-Pillen“ (auch „Punisher“ genannt), Foto: LKA Niedersachsen
Ecstasy-Tabletten „Totenkopf-Pillen“ (auch „Punisher“ genannt), Foto: LKA Niedersachsen

Auch in Österreich seit langem bekannt

Auch in Österreich wurden solche Tabletten getestet. Wie man dem Bericht von Checkit! in Wien (Kalenderwoche 26 Jahr 2020) entnehmen kann, wurde dort zuletzt eine solche blaue „Punisher-Tablette“ mit 225 Milligramm MDMA analysiert. Und in der Warnung von Checkit Wien vom Januar 2020 sind die Analyseergebnisse von gleich sieben solcher Tabletten aufgelistet. Diese enthielten: Tablette 1: 264 mg, Tablette 2: 198 mg, Tablette 3: 240 mg, Tablette 4: 231 mg, Tablette 5: 239 mg, Tablette 6: 258 mg, Tablette 7: 220 mg.

Drug-Checking in Österreich

Wien: Drug Checking in der Homebase: Wir sind auch in der Corona-Zeit mit Drug-Checking für dich da!

Du hast jeden Montag gibt es die Möglichkeit Substanzproben in der checkit!-Homebase, Gumpendorfer Straße 8, 1060 Wien zur Analyse abzugeben. Bitte reserviere dir hierfür einen Termin! Du bekommst eine Bestätigung deines Termins per Mail. Termine sind immer 2 Wochen im voraus zur Buchung freigeschaltet.

Drug Checking in kooperierenden Apotheken: Zusätzlich zum checkit! Substanzanalyse-Angebot in der Homebase und auf Events ist es möglich, Substanzproben in mit checkit! kooperierenden Apotheken zur Analyse abzugeben. Die Substanzproben werden im checkit!-Labor analysiert und die Ergebnisse von checkit!-MitarbeiterInnen kommuniziert.

Innsbruck: Du kannst deine Substanz immer montags von 17.30 Uhr bis 20.30 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung in der Drogenarbeit Z6 abgeben. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei deinem ersten Besuch findet ein vertrauliches Infogespräch statt. Drug-Checking ist vertraulich, anonym und kostenlos und hat keinerlei rechtliche Konsequenzen!

Drug-Checking in der Schweiz

Zürich: Angepasste Öffnungszeiten während Corona-Krise – Das Drogeninformationszentrum DIZ (Wasserwerkstrasse 17, Tel. 044 415 76 46) in Zürich ist vorübergehend jeden Dienstag jeweils von 16:00 – 19:00 Uhr und jeden Freitag jeweils von 17:00 – 19:00 Uhr geöffnet. Du kannst dich für einen Termin am Dienstagabend jeweils am Montag (14:00 -17:00 Uhr) und Dienstag (14:00 -18:30 Uhr) der gleichen Woche telefonisch anmelden. Wir empfehlen dir am Montag anzurufen, da die Plätze begehrt und schnell vergeben sind. Für einen Termin am Freitagabend kannst du dich jeweils am Donnerstag (14:00-17:00 Uhr) und am Freitag (14:00-16:00 Uhr) der gleichen Woche telefonisch anmelden. Wir empfehlen dir am Donnerstag anzurufen, da die Plätze begehrt und schnell vergeben sind.

Bern: DIB – Drug Checking: Bei dib kannst du deine Substanzen analysieren lassen, und du erfährst, was du tun kannst, um Konsumrisiken zu mindern. Du findest uns in der Berner Innenstadt: Speichergasse 8. Jeweils Mittwochabend, 18:00 bis 20:00 Uhr. Nutze das Angebot. Ein Besuch bei dib ist anonym und für dich kostenlos. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

Basel: Das Pilotprojekt „DIBS Drogeninfo Basel-Stadt“ bietet für Konsumierende von Partydrogen Drug Checking, Substanzinformation und Beratung an. Ziel ist es, gefährliche Inhaltsstoffe zu identifizieren und über Risiken zu informieren. Jeden zweiten Montag kann das Drug Checking Angebot von 18:00 bis 20:00 Uhr in den Räumlichkeiten der Stiftung Suchthilfe Region Basel (SRB) an der Mülhauserstrasse 111 in Basel genutzt werden.

Olten: Das Drug Checking in Olten ist jeden zweiten Dienstagabend zwischen 18:00 und 20:00 Uhr geöffnet (25. August, 8. September, 22. September, 6. Oktober, 20. Oktober, 3. November, 17. November, 1. Dezember). Ort: Suchthilfe Ost, Salzhüsliweg 4, 4600 Olten.

Genf: Das Drug-Checking in Genf wird von der Organisation Nuit Blanche durchgeführt. Jeden Montag zwischen 17:00 und 20:00 können die Proben in der rue JJ de Sellon 6 in Genf abgegeben werden. Die Ergebnisse können dort immer am folgenden Donnerstag ab 17:00 Uhr abgefragt werden. Die Dienstleistung erfolg anonym, gratis und ohne Voranmeldung.

Fazit

In der Schweiz gibt es derzeit fünf stationäre Drug-Checking-Programme. Die mobilen Drug-Checking-Programme (vor Ort Analysen) wurden aufgrund der Coronapandemie gestoppt, da derzeit keine große Festivals und Partys stattfinden. Da die Bevölkerung in Deutschland etwa zehnmal so groß ist wie diejenige der Schweiz, müsste Deutschland etwa 50 Drug-Checking-Programme starten, um ein gleich großes Präventionsangebot für Partydrogenkonsumenten zu erzielen, wie es in der Schweiz heute gegeben ist. In Luzern wird derzeit ein weiteres Drug-Checking-Programm vorbereitet. Nächstes Jahr müsste Deutschland somit über 60 solche Programme verfügen, um dann auf gleichem Niveau wie die Schweiz in Sachen Prävention, Schadensminderung und Drogenaufklärung zu sein. Für den Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und für die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) gibt es also viel zu tun, damit Deutschland im internationalen Vergleich nicht mehr als so extrem rückständig wahrgenommen wird.

Vergleiche hierzu in diesem Blog

[19.07.2020] Partydrogen – Massiv steigende Wirkstoffgehalte
[13.12.2019] Immer mehr Wirkstoff in Ecstasytabletten
[06.12.2019] Drug-Checking

Ergänzung vom 19. August 2020

Das Institut für Therapieforschung (IFT) versendet am 19. August 2020 um 17:55 Uhr ein Rundschreiben betreffend Warnmeldung des LKA Niedersachsen: Ecstasy-Tabletten mit hohem Wirkstoffgehalt. Inhalt des Schreibens war zu weiten Teilen identisch mit der Warnmeldung des LKA Niedersachsen, die am 17. August 2020 (Presseinformation Nr. 13) publiziert wurde.

In der Warnung des LKA Niedersachsen heißt es wörtlich:

Anfang Juni wurden im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Braunschweig über 100 Ecstasy-Tabletten mit einer „Punisher“-Prägung (Totenkopfsymbol) beschlagnahmt. Die festgestellten Wirkstoffgehalte liegen etwa 70 Prozent über den bundesweiten Vergleichswerten für Ecstasy-Tabletten. Die Untersuchung im Kriminaltechnischen Institut (KTI) des LKA Niedersachsen ergab einen Wirkstoffgehalt von ca. 232 Milligramm MDMA pro Tablette.

Eine Wirkstoffanalyse dauert etwa 20 bis 30 Minuten, somit hätte das LKA auch in den ersten Juniwochen vor diesen Pillen warnen können und nicht erst nach mehr als zwei Monaten. Muss es in Deutschland wirklich erst einen Todesfall geben, bevor eine Warnung veröffentlicht wird?

Wirkungsvolle und schadensmindernde Prävention sieht anders aus.

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https://blogs.taz.de/drogerie/2020/08/18/punisher-extrem-hoch-dosiert/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Siehe Daniela Ludwig bei https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/daniela-ludwig/fragen-antworten

    Und die Frau schreibt allen ernstes das hier auf ihre Webseite:
    „Politik und insbesondere Drogen – und Suchtpolitik funktioniert nur im Dialog und den biete ich gern an.“
    Siehe: https://www.drogenbeauftragte.de/beauftragte/daniela-ludwig.html?L=0

    1. Anfrage: https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/daniela-ludwig/fragen-antworten/325953
    2. Anfrage: https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/daniela-ludwig/fragen-antworten/521347
    3. Anfrage: https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/daniela-ludwig/fragen-antworten/521816

    Oder hier:
    Anfrage eines anderen Teilnehmers: https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/daniela-ludwig/fragen-antworten/326748
    Der DHV hat das dann aufgegriffen:
    https://hanfverband.de/nachrichten/blog/drogenbeauftragte-aeussert-sich-zu-den-zahlen-des-wissenschaftlichen-dienstes

    Auch eine Art zu antworten:
    https://twitter.com/a_watch/status/1281160143590260736
    Da hat sie einem Fragesteller mit einem Gedicht von Heinz Erhard geantwortet.
    Update: Das Heinz Erhardt-Gedicht wurde auf Bitten des Büros von Frau Ludwig aus der Antwort entfernt – wg. Urheberrechtsverletzung.

    Siehe auch:

    https://www.youtube.com/watch?v=gQ1qwqw0z1Y&t=167s
    (In dieser DHV Folge wird auch die Brokkoli-Story aufgegriffen)

    https://www.youtube.com/watch?v=y68wpcUDSl8
    Fragen zur Legalisierung von Cannabis – Daniela Ludwig CDU/CSU Antwortet auf Abgeordnetenwatch

    Innerhalb kürzester Zeit hat es die Drogenbeauftragte geschafft, sich auch außerhalb der Hanfcommunity einen Namen zu machen – allerdings keinen guten. Allein die obengenannten drei reichweitenstarken Youtuber, die zusammen genommen auf rund 3,5 Millionen Abonnenten kommen, sprangen auf das Thema an und erreichten trotz zum Teil unverständlicher Probleme mit YouTube ein überwiegend junges Millionenpublikum (über 1,5 Millionen Views, Stand 14.8.). Nicht nur ihre selektiven Ausführungen zu Cannabis, auch ihre Verharmlosung des Alkoholkonsums sind der netzaffinen Jugend nun wesentlich bekannter als vorher. Daniela Ludwig will Jugendliche zu Recht über die Gefahren von zu frühem Cannabiskonsum aufklären. Sie bombardiert mit ihren Äußerungen aber die Bemühungen der von ihr ausgewählten Werbeagentur, die Jugendliche erreichen soll. Wenn Daniela Ludwig wirkliche Aufklärungsarbeit leisten möchte, hat sie mit ihrem “No-Go”-Ansatz und der damit verbundenen Kampfansage den denkbar schlechtesten Weg der Kommunikation gewählt. Wie “Mach dich schlau” mit “Cannabis ist kein Brokkoli” in Einklang zu bringen ist, wird die Vorstellung der Kampagne zeigen.

    Quelle: https://hanfverband.de/nachrichten/blog/youtuber-zerlegen-ludwigs-drogenpolitik

    Hier noch was zu Ludwigs neuester Kampagne:

    Aus der Kanalinfo:

    „Kiffen ist nicht cool !!!
    Neue Infos zur Drogenkampagne von Daniela Ludwig!

    – HIGHDay Spezial –
    Hier im Video rede ich über die Kampagne, Kiffen ist nicht cool.
    Von Daniela Ludwig.

    Ich war im Video vielleicht ein bisschen zu High!
    Hatte vergessen am Ende noch zu sagen, wie unnötig diese Info PDF ist.
    Da steht zum großteil nur Kac*e drin!“

    https://www.youtube.com/watch?v=qiRFToBEqLM

    PDF: https://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/4_Presse/1_Pressemitteilungen/2020/2020_I.Q/MachDichSchlau_PResentation.pdf

    Noch ein Paper zu Drugcom und Quit the shit:
    https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/213/1921331.pdf

  • Unsere Regierung sträubt sich bis heute gegen Drugchecking und glaubt, das ein Verbot reicht, damit Menschen keine Drogen mehr nehmen. Und ein paar so Experten haben nichts besseres zu tun als zu sagen: „Selber schuld wenn die das nehmen.“

    Da frage ich mich, ob die das auch so achselzuckend hinnehmen wenn es ein Angehöriger oder das eigene Kind ist. Einige Leute glauben immer dass ihre Kinder oder Angehörige das niemals machen würden. Weil – es ist ja verboten. Ich glaube jeder weiß wie gut Verbote, gerade bei Kindern und Jugendlichen, funktionieren. Und oft ist es gar nicht die Substanz an der die Leute sterben. Wären die Substanzen legal hätte man auch Informationen was genau und in welcher Menge drin ist. Stattdessen haben wir einen Schwarzmarkt ohne jede Kontrolle und Informationen. Dank Illegalisierung. Aufklärung statt Verbote! Dann gäbs auch weniger Tote.

    Wer das erste Mal Alkohol trinkt weiss noch nicht was passiert wenn er zuviel erwischt. Der richtige Umgang will erlernt sein. Dabei können unerfahrene Konsumenten von den Erfahrungen von Erwachsenen profitieren. Wenn aber schon allein der Besitz verboten ist dann findet der Konsum vorwiegend heimlich statt, wo niemand beobachten kann wie vernünftig oder unvernünftig damit umgegangen wird. Auch wird kaum jemand offen über eigene Erfahrungen berichten, wenn er damit zugeben muss, ein Gesetzesbrecher zu sein. Statt aus den Erfahrungen von Erwachsenen lernen zu können werden Jugendlichen dazu verdammt, aus den eigenen Fehlern lernen zu müssen, manchmal mit tragischen Konsequenzen.

    Die meisten (gerade Erwachsene) Erstkonsumenten stellen recht schnell fest, dass ein moderater Konsum von „Partydrogen“ (MDMA, Speed, LSD) – von Cannabis ganz zu schweigen – durchaus zu vereinbaren ist mit einem Leben, das in normalen Bahnen verläuft. Die Justiz ist überlastet. Die meisten Drogendelikte, die vor Gericht kommen, sind Konsumentendelikte. Nimmt man denen die Drogen weg, kaufen sie halt neue.

    Die Weltkommission für Drogenpolitik zum Thema Prävention: „Die Angst vor Drogen hat sich in der Annahme niedergeschlagen, dass alle Drogen schlecht sind und „dein Leben ruinieren werden“. Daher ist das primäre Ziel der Prävention seit vielen Jahren die völlige Abstinenz. Dies zeigte sich vor allem in den „Sag einfach Nein“-Kampagnen der 1980er-Jahre in den USA, die in Asien, Afrika und Europa kopiert wurden. Es gibt nicht nur kaum Beweise für die Wirksamkeit einer solchen Botschaft, sie ist wahrscheinlich sogar kontraproduktiv.

    Studien deuten darauf hin, dass Kinder, die dieser Botschaft ausgesetzt sind, eher Drogen konsumieren. Diese simplistische Botschaft der Primärprävention mag in einigen Fällen abschreckend wirken, birgt aber andere Risiken: nämlich die Gelegenheit zu verpassen, über die tatsächlichen Schäden von Drogen zu informieren und denjenigen, die trotzdem experimentieren werden, zu ermöglichen, dies auf die sicherste Art und Weise zu tun. Solche Botschaften untergraben zudem die Vertrauensgrundlage zwischen Behörden und Jugendlichen.

    Ich empfehle einen Blick auf folgende Organisationen:

    Schildower Kreis: „Der Schildower Kreis ist ein Experten-­Netzwerk für die Legalisierung von Drogen. Sprecher des Schildower Kreises ist Lorenz Böllinger, emeritierter Professor für Strafrecht und Kriminologie.“ (wikipedia)
    „Wir wollen auf die schädlichen Folgen der Drogenprohibition aufmerksam machen und legale Alternativen zur repressiven Drogenpolitik aufzeigen. Wir fordern von den Verantwortlichen eine alternative Drogenpolitik und eine ideologiefreie und wissenschaftliche Überprüfung von Schaden und Nutzen der aktuellen Drogenpolitik. Unsere Forderungen haben wir in einem Manifest niedergeschrieben.“ ( http://schildower-kreis.de/ )

    LEAP: „Law Enforcement Against Prohibition (LEAP) ist eine gemeinnützige Non-Profit-Organisation, die sich für ein Ende des so genannten War on Drugs und eine Reform der Drogenpolitik einsetzt.“ (wikipedia)
    „Polizisten, Richter und Staatsanwälte für eine fortschrittliche Drogenpolitik“ ( https://leap-deutschland.de/ )

    akzept e.V. Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik:
    „Akzeptierende Drogenarbeit entstand als eine Gegenbewegung gegenüber bevormundender, ausschließlich abstinenz-orientierter Arbeit mit Konsumenten illegaler Drogen. Akzeptierende Drogenarbeit fokussiert auf Hilfen und Unterstützungen zur Vermeidung bzw. Reduzierung nicht beabsichtigter Schäden sowohl für den Konsumenten als auch für die Gesellschaft. „Harm-Reduction“ (Schadensminimierung) hat sich als Begriff dieser praktischen Ausrichtung international durchgesetzt.“

    https://www.akzept.eu/

  • Prävention, Schadensminderung und Drogenauflärung werden bei deutschen Drogenbeauftragten weiterhin Fremdwörter bleiben.
    Stattdesssen heißt es eher: Marketing & Fake News.

    Beispiel: Drugchecking Berlin / https://www.vice.com/de/article/bjwnk5/drug-checking-in-berlin-dieser-mann-macht-es-moglich

    „Bei Misfit sollen ab Herbst (2019) ebenfalls Drogen entgegengenommen und zur Untersuchung ins Labor geschickt werden.“

    Seit Herbst letzten Jahres geht nicht voran. Bei Misfit https://www.vistaberlin.de/sitemap/ wo die Pillen zum Drugchecking abgegeben werden sollten, findet man nichts zum Thema.

    Ungenügend!

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