Manche Podcasts erzählen nicht einfach eine Geschichte – sie legen offen, wie Strukturen funktionieren, die eigentlich schützen sollten. Schulen, Behörden, Stadtpolitik: Auf dem Papier ist immer irgendwer zuständig. In der Realität fallen Menschen durch Raster, die sie nie mitgedacht haben. Drei Empfehlungen, die genau hinschauen – und dranbleiben, wo es unbequem wird.
Die Lieblingsschülerin (Deutschlandfunk)
Drei Schülerinnen, die eine Beziehung mit ihrem Lehrer hatten. Ihre Geschichten sind alle ganz unterschiedlich, aber in der Struktur gleichen sie sich erschreckend: Keine von ihnen hat so richtig Unterstützung aus dem Umfeld erhalten – weder als es darum ging, das irgendwie zu melden, noch um überhaupt erstmal darauf zu kommen, dass das nicht richtig ist.
Der Podcast von Britta Rotsch und Taiina Grünzig schaut genau auf diese Struktur, vor allem was die Schule angeht: Wie ist eigentlich der Ablauf, wenn so ein Fall rauskommt? Es wird ganz detailliert beleuchtet, was dann passiert – beziehungsweise was eben nicht passiert. Die Lehrer werden versetzt. Für die Schulen ist die Sache damit erledigt. Für die Schülerinnen nicht. In keinem der Fälle waren die Konsequenzen für die Täter auch nur ansatzweise befriedigend.
Eine große Stärke des Podcasts ist, dass er von einer Journalistin erzählt wird, die selbst betroffen ist.
Zu hören beim Deutschlandfunk.
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Chronik einer Abschiebung (Deep Doku / rbb)
Eine jesidische Familie, die den Völkermord des IS 2014 im Nordirak nur knapp überlebt hat, kommt erst spät nach Deutschland – die Flucht mit vier Kindern hatten sie sich vorher einfach nicht zugetraut. Und genau das, und weil sie widersprüchliche Angaben zu ihrer Verfolgung machen, wird ihnen zum Verhängnis: Das BAMF lehnt den Asylantrag als „offensichtlich unbegründet“ ab, die Familie wird abgeschoben.
Anderthalb Jahre lang haben die Autorinnen Maria Caroline Wölfle und Johanna Sagmeister diesen Fall begleitet. Am Ende stellt sich heraus: Das Verwaltungsgericht Potsdam hatte die Abschiebung eigentlich gestoppt – nur kam der Beschluss elf Minuten zu spät bei den Behörden an. Ich habe das in diesem Detailreichtum noch nie gehört und kann die vierteilige Podcastserie nur empfehlen.
Selling Techno – Warum Orte gehen, an denen du feierst (audiokombinat)
Berlin verliert seine Clubs – laut Clubcommission überlegt rund die Hälfte der Berliner Clubs, dichtzumachen. Aber was genau passiert hinter den Kulissen, wenn ein Club stirbt?
Der vierteilige Doku-Podcast vom Kollektiv audiokombinat erzählt das am Beispiel von drei Clubs, die sich ein Gelände an der Storkower Straße teilten: Mensch Meier, Anomalie und Kirche von Unten.
Die Hosts Swantje Reuter, Tim Schleinitz und Jürg Meister sprechen mit Clubmacher*innen, dem Vermieter, dem Bauamt, der Clubcommission – und decken dabei einen regelrechten Wirtschaftskrimi auf. Spannend ist auch, wie eine Szene, die als frei und progressiv gilt, trotzdem von Machtverhältnissen geprägt ist – und dass es gleichzeitig alternative Modelle wie das kollektiv organisierte Mensch Meier gab, in denen mehr FLINTA-Perspektiven vorkamen.
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