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20. Oktober 2026, 23:02 Uhr | Der Geist in meinem Staubsauger ist mein Freund?
Beim Filmfestival von Cannes 2025 mit dem Großen Preis der Sektion Semaine de la Critique ausgezeichnet und im deutschen Kinosommer 2026 völlig untergegangen, erhält A USEFUL GHOST als Eröffnungsfilm des Pornfilmfestivals Berlin (PFFB) 2026 endlich eine würdige Präsentation vor ausverkauftem Haus im großen Saal des Kinos Colosseum Prenzlauer Berg.
Die narrativ äußerst smart gebaute Fabel des thailändischen Filmemachers Ratchapoom Boonbunchachoke verleiht der Redewendung von den Geistern der Vergangenheit, die sich nicht vertreiben lassen, einen visuell eindrücklichen neuen Blickwinkel. Denn in dieser tragikomischen wie politisch aufgeladenen Erzählung kommen die Geister nicht nur zurück, sie protestieren auch noch machtvoll gegen das Unrecht, das ihnen angetan wurde – und wird. Selbst wenn das bedeutet, sich Staubsaugern bemächtigen zu müssen und damit die Körper ihrer hinterbliebenen Liebschaften zu bearbeiten.

Informiert durch die unruhige und nicht selten gewaltsame jüngere politische Geschichte Thailands, verhandelt Ratchapoom Boonbunchachoke zentrale Fragen gesellschaftlichen Erinnerns und der Versuche des Vergessenmachens von Verbrechen im Namen politischer Machtausübung. Dabei streift er auch Fragen queerer respektive schwuler Akzeptanz, Familienplanung, Leihmutterschaft und nicht zuletzt intergenerationeller Konflikte und kultureller Umbrüche vor der Kulisse eines modernen Thailands im Turbokapitalismus.
Was nach Stoff für mehrere Filme klingt, ist mit 130 Minuten Laufzeit alles andere als seichte Unterhaltung. Dass A USEFUL GHOST trotzdem eine ungemein kurzweilige und unterhaltsame Veranstaltung ist, zeigt die besondere Stärke dieses beeindruckenden und stilbewussten Langfilmdebüts.
Wenn der Rest des Pornfilmfestivals auch nur halb so gelungen ist wie dieser Eröffnungsfilm, steht uns ein hervorragender Festivaljahrgang bevor. Das Kurator:innenteam unterstreicht damit nebenbei eine leider zu viel wenig beachtete Qualität seiner Programmierung: Auf dem PFFB lassen sich immer wieder jene Juwelen großer A-Festivals entdecken, die von der deutschen Filmpresse und Filmverleihwirtschaft übergangen oder unter Wert verkauft werden.
20. Oktober 2026, 18:27 Uhr | Anlässlich NAZA: Rückblick auf NAKED ISRAEL
Selten werden dokumentarische Arbeiten so heiß diskutiert wie im Fall der beim Filmfestival von Venedig 2026 gefeierten Doku von Yuval Abraham und Rachel Szor: NAZA. Die beiden Filmemacher:innen untersuchen darin das Vorgehen der israelischen Kriegsmaschinerie in Gaza.
In Gesprächen mit 24 Angehörigen der IDF und der Geheimdienste schälen sie heraus, mit welch brutalen und schlicht kriegsverbrecherischen Taktiken und Maßnahmen die Regierung Netanjahu das Militär in Gaza operieren lässt.
Abraham und Szor müssen ihre Protagonisten stark verfremden, um deren Identitäten vor Repressionen durch die israelische Regierung zu schützen. Ein Vorgehen, das angesichts der Reaktionen der Administration Netanjahu auf den Film notwendig ist, welches aber auch einmal mehr Diskussionen über Vertrauen, Wahrheit und Glaubwürdigkeit im dokumentarischen Film lostritt.
2022 veröffentlichte die Filmemacherin und Videokünstlerin Ines Moldavsky ihre dokumentarische Arbeit NAKED ISRAEL und präsentierte sie beim Pornfilmfestival Berlin 2023. Auch Moldavskys Protagonisten sind bzw. waren Angehörige der israelischen Armee.
Doch wo in NAZA die Verfremdung das Bild prägt, übernehmen in NAKED ISRAEL die Körper der Protagonisten die Leinwand, denn sie sind alle nackt. Was sie zu erzählen haben, lässt einem die Berichte in NAZA leider nur allzu vertraut vorkommen. Es lohnt sich, beide Arbeiten nebeneinander zu sichten.
Am 1. November 2023 veröffentlichte ich nachfolgenden Text zu Ines Moldavskys NAKED ISRAEL erstmals. Anlässlich des Kinostarts von NAZA möchte ich nun noch einmal an diesen Film erinnern. Für die Wiederveröffentlichung habe ich den Text sprachlich überarbeitet und für eine bessere Verständlichkeit geringfügig präzisiert.
Naked Israel
(Erstveröffentlichung 01.11.2023)

Es kommt vor, dass dokumentarische Filme plötzlich und unerwartet von der Realität eingeholt werden. Hervorragende dokumentarische Arbeiten zeigen gerade in solchen Momenten ihre Stärke und liefern selbst unter den neuen Gegebenheiten einen interessanten Blickwinkel oder einen wichtigen Akzent, um das Geschehen zu interpretieren.
Doch mit welcher unglaublichen Brutalität die Realität am 7. Oktober 2023 zuschlug und den Blick auf den Beitrag im Programm des Pornfilmfestivals 2023 und das neueste Werk der Filmemacherin und Videokünstlerin Ines Moldavsky für immer veränderte, war in keiner Weise vorhersehbar: NAKED ISRAEL.
Das Konzept, sowohl inhaltlich als auch visuell, ist hier vergleichsweise … hier weiterlesen
20. Oktober 2026, 14:05 Uhr | Lesben & Leder
„Am lesbischen SM erscheint mir interessant, dass es ermöglicht, sich von einer bestimmten Anzahl von Stereotypien der Weiblichkeit freizumachen, die in der lesbischen Bewegung genutzt wurden …“
– Michel F., Ledertunte und Philosoph