vonSabine Schiffner 28.08.2026

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Sabine Schiffner dichtet und denkt über sich und andere nach.

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Zu jeder Aufführung von Shakespeare im Park 2026, das noch bis zum 30.8. stattfindet und durch die Bremer Shakespearecompany ausgerichtet wird, strömen mehr Menschen. Und das Publikum wird immer jünger. Besonders auffällig war es in der Freitagnachtvorstellung von Macbeth, die um 22h begann und bei der fast nur Jugendliche waren. „Mega Stück“ kommentierte ein junger Mann, der neben mir saß, die nächtliche Aufführung.  Aber auch Julius Cäsar, der am 26.8. im Rahmen des Festivals von „Shakespeare im Park“ von der Kompanie „Andersartig“, einer Laientheatergruppe, gezeigt wurde, war sehr gut besucht und voller Jugendlicher. Der Julius Cäsar gefiel  wegen einer perfekt inszenierten Choreographie, bei der viele Rollen doppelt besetzt waren und wegen seiner Anspielungen auf die Parallelen zum amerikanischen Präsidenten. Hier insbesondere zeigte sich mal wieder, wie modern  Shakespeare auch heute noch ist.

Auch am begeisterten, fast frenetischen Applaus konnte man erkennen, dass diese doch eigentlich altmodischen gereimten Stücke, von der Shakespearecompany komplett analog inszeniert, das heißt ohne Videoanimationen, spektakulären Lichteffekte und aufwändigen Bühnenbilder oder digital eingespielte Musik, phantastisch funktionieren und richtig gut ankommen.

Gestern nun war endlich die Aufführung von Shakespeares wohl bekanntestem Liebesdrama „Romeo und Julia“, dessen Premiere im Oktober 2025 stattgefunden hat. Nie war das Wetter so gut wie an diesem Donnerstagabend. Noch um 19.30h herrschten Temperaturen von 26 Grad, der online angekündigte Regen blieb aus und die Melcherswiese vor der Bühne war über und über voller junger und alter Menschen. Die Inszenierung begann mit einer Überraschung: Daniel Mandolini trat auf, mit seiner Beatbox. Mandolini, der klassische Konzertgitarre studiert hat, ist einer der europaweit bekanntesten Beatboxer, hat auch schon mehrmals die deutsche Meisterschaft im Beatboxen gewonnen und spielt auch in anderen Städten an großen Opernhäusern. Er erzeugt mithilfe einer Loopmaschine, die von ihm selber mit Mund und Körper hergestellte und aufgenommene Geräusche, Melodien und Rhythmen endlos wiederholen und verfremden kann. Schon sein Opener am gestrigen Abend, bei dem er erst die Geräusche und Stimmung des Parks andeutete und verstärkte und dann überging in die düstere tragische Thematik des Stücks, die er mit dem immer wieder wiederholten und immer düster werdenden Wort „Blut“ enden ließ, war Kulisse, Musik und Aufführung zugleich. Alleine seine Performance, mit der er als Musiker, Soundartist und dann sogar als Darsteller das ganze Stück begleiten und unterstreichen sollte, war den Besuch dieser Aufführung mehr als wert.

Aber dann begann das eigentliche Stück. Die dramatische Aufführung begann mit dem Ende des Shakespeareschen Dramas. Die Schauspieler*innen trugen zum dem schrecklichen Wort Blut ächzend einen großen weißen Sarg auf die Bühne. Diese Bühne war mit anderen weißen Kästen bzw. Särgen ausgestattet, die aber auch Schränke waren und Betten und Sitzgelegenheiten und wie so oft bei der Shakespearecompany so variabel, dass sie  im Verlauf des Stücks immer mal wieder hin- und hergeschoben, gedreht, geöffnet und hochgehoben werden konnten.

In dieser Kulisse fand dann die so schön beginnende und so tragisch endende Geschichte von Romeo und Julia statt, mit modernen Kostümen inszeniert, durch Mandolini kommentiert und verstärkt. Glücklicherweise hält sich die Inszenierung von Michael Meyer nicht wortgetreu an Shakespeare und erlaubt sich den einen oder anderen modern-passenden Ausreißer. Besonders gelungen war das Spiel mit Puppen mit Totenköpfen, die an mexikanische Totenfeste denken ließen und die später musikalisch durch Mandolini aufgenommen wurden. Auch die Choreographien des Stücks, die Tänze und die Kämpfe waren perfekt inszeniert und es machte Freude, dem bunten Treiben auf der nicht allzugroßen Bühne zuzusehen.

Magdalena Julia Simmel brilliert in der Rolle der Julia, die eine pubertär wirkende sehr kraftvolle und gleichzeitig unbedarfte junge Frau spielt, die selber überwältigt wird von ihrer plötzlichen und unerwarteten ersten großen Liebe. Bei Simmel, die sehr körperlich spielt, unterstreichen jede Geste und jeder Blick den Text, der in ihrem Mund sehr modern klingt.  Simons Elias Romeo wirkt verglichen mit der so dynamischen und jugendlichen Julia ein wenig verklemmt und unsicher, immer wieder versteckt er sich, manchmal auch im Publikum. Großartig Tim Lee als Pater Lorenzo, der die beiden Kinder traut, für ihn gab es sogar Zwischenapplaus. Petra Janina Schultz in einer Hosenrolle und als sexy Mutter von Julia kann sowohl sehr kraftvoll sein, als auch die unterwürfige Ehegattin spielen. Und Norhild Reinicke, die mit langen wehenden roten Haaren Benvolio spielt, den treuen Freund und Cousin von Romeo, ist eine Erscheinung, die man so schnell nicht vergisst. Markus Seuss schließlich, der am heutigen Abend sowohl Tybalt, Paris als auch Montague gibt, schafft es, jeder Rolle ihren eigenen Charakter zu verleihen.

Es war ein zauberhafter spannender kurzweiliger Abend in lauer Sommernacht, der atemlos aufgenommen und frenetisch beklatscht wurde. Die Tragik des Todes der beiden Liebenden nahm am Schluss des Stücks auch nur eine kleine Rolle ein, so dass wir nicht allzu deprimiert wieder auf unsere Fahrräder stiegen und durch den nächtlichen Park nach Hause fuhren.

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